Ausgabe 
2.5.1840
 
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Intelligenzblatt

ſür die

S

Mberhessen

im Allgemeinen,

den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

13.

Sonnabend,

den 2. Mai 1340

O ſtern.

Der geneigte Leſer, welcher in den ſchönen Oſter⸗ tagen ſeinen Gottesdienſt beſuchte und der geiſtli⸗ chen Rede ein aufmerkſames Ohr ſchenkte, iſt mit der Bedeutung dieſes hehren Feſtes genugſam bekannt gemacht worden, daß ſeine Wißbegierde wohl befrie⸗ digt iſt. Der denkende Menſch begnügt ſich mit der Wahrnehmung von wichtigen Erſcheinungen nicht; er forſcht nach Sinn und Urſache, und die werden ihm hier um ſo weniger vorenthalten werden, als es das heiligſte Intereſſe des Menſchen, den Glau⸗ ben, betrifft. Darum konnen wir hier als bekannt vorausſetzen, daß der Jude in dem Paſchafeſte das Feſt der Befreiung ſeines Volkes von Schmach und Erniedrigung, der Erhebung deſſelben zu einem neuen, kräftigen Volke unter einem Meſſias, wie die alten Propheten ihn verkündet, mit Einem Worte, das Feſt der Auferſtehung des Volkes Gottes feiert. Hieran knüpft ſich, aber mit erhöhterer Bedeutung, das Oſterfeſt der Chriſten. Sie feiern in demſel⸗ ben zuerſt das Andenken an Den, der mit der un⸗ endlichſten Liebe für das Menſchengeſchlecht ſich hin⸗ gab, um durch ſein Beiſpiel zu zeigen, daß die ſich aufopfernde Liebe das Erhabenſte iſt, deſſen der Menſch ſähig werden kann; ſie erkennen ferner in demſelben das Feſt der Fortdauer des menſchlichen Geiſtes, des Geiſtigen uberhaupt, im Gegenſatze zur Vergänglichkeit und Hinfaͤlligkeit alles deſſen, was zur Sinnenwelt gerechnet wird; ſie erkennen endlich in demſelben das Feſt der Erweckung des Menſchen aus ſeinem irdiſchen Thun und Treiben, des Ein tretens in ein neues Leben, das der Liebe, des Glau- bens und der Hoffnung, in welchem weder Tod noch Verweſung iſt, oder ſeyn kann. 5

Daraus geht hervor, was unſern Leſern wohl bekannt iſt, daß dem Juden wie dem Chriſten das Oſterfeſt das bedeutungsvollſte, das höchſte religiöſe

Feſt im ganzen Jahre iſt; und iſt er nur wahrhaft Jude und wahrhaft Chriſt, ſo weiß er auch, daß es das höchſte ſeyn muß.

Aber nicht jeder unſerer Leſer möchte auch wiſſen, daß von uralten Zeiten her ſich an daſſelbe noch ein Feſt knüpft, das fuͤr den Deutſchen von hoher Be deutung iſt. Eben darum glauben wir unſern Leſern hierüber einiges mittheilen zu muͤſſen.

Schon lange vor Oſtern, wenn die erſten Fruͤh⸗ lingsſtrahlen die Kinderwelt ins Freie locken, iſt dieſe geſchäftig und thätig, ſucht Moos, ſuchtHa⸗ ſenbrod, erbaut ſich von kleinen Stäben ein run⸗ des Neſt, füttert es mit dieſem Moos aus, und legt ſein Haſenbrod darauf. Das ſind ſelige Stunden für die Kinder, und wer nicht mehr Kind iſt, aber ſeinen kindlichen Sinn bewahrt hat, dem iſt's eine liebliche Erinnerung aus einer Zeit, die nicht mehr iſt. Aber wozu bereiten die Kinder das Alles? Weil hier am erſten Oſtermorgen derHaas ſeine bunten Eier hineinlegt. Der Vater war fruͤh Mor⸗ gens im Garten, jagte ihn herum und klopfte ihm wacker auf den Schwanz, damit er recht viele fallen ließ, und nun wird in den Neſtern geſucht und ſiehe da, in jedem liegen die Haſeneier. An man⸗ chen Orten knüpft ſich hieran ein neues Feſt; man verſammelt ſich mit ſeinem Eier-Vorrathe, und nun gehts ansKöppen; das ſchadhaft gewordene Ei wird dem Sieger zu Theil, und nachdem deſſen ſtärkeres lange Zeit andere zerknickt hat, wird es endlich die Beute eines noch kräftigeren. Das gibt Veranlaſſung zu ſchallendem Gelächter. Wieder an andern Orten, beſonders des nördlicheren Deutſch landes, wird am Abend des erſten Oſtertages auf benachbarten Höhen ein gewaltiges Feuer angezün det, um daſſelbe herum getanzt, geſungen und ge jauchzt. Nach der unter dem Volke weit ver breiteten Meinung thut die Sonne am erſten Oſter