Ausgabe 
1.8.1840
 
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I

d. K. F.

Intelligenzblatt

e

ſür die

Mberhessen

5 im Allgemeinen,

den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

Sonnabend, den 1. Auguſt

1840.

I.

Friedberg, Juli 1840.

Der Stadt Friedberg wurde im Laufe der ver floſſenen Woche das ſeltene Glück zu Theil, zwei Prinzen unſeres hochgeliebten Großh. Hauſes in ſei nen Mauern zu ſehen. Seine Hoheit der Erbgroß herzog verweilten daſelbſt beinahe einen ganzen Tag und geruhten nach vorgenommener Inſpection der Garniſon, das dem großh. Hauſe angehoͤrige Burg grafiat, wie wir vernehmen in der Abſicht, einige Zimmer zu Höchſtdero Abſteigequartier einrichten zu laſſen, zu beſuchen. Die Nachricht hiervon hat eine außerordentlich freudige Stimmung bei allen Be wohnern Friedbergs veranlaßt, und es ſehen die ſelben mit Ungeduld der Verwirklichung eines Pla nes entgegen, welcher ihrer Vaterſtadt die Hoffnung gibt, den vielgeliebten Fürſtenſohn öfter und auf längere Zeit in ihrer Mitte zu ſehen. Des Prinzen Georg von Heſſen Hoheit hatten wir zwar in Fried berg nur kurze Zeit zu ſehen das Glück, dagegen die Freude, deſto länger in unſerer Nähe, nämlich in Nauheim, woſelbſt Höchſtſie das Soolbad ge brauchen, zu beſitzen.

Beide hohen Prinzen hatten die Gnade, mehrere Großh. Heſſ. Officiere und Staatsdiener zur Tafel zu ziehen.

Geſangfeſt in Schotten.

Den 12. Juli verſammelte ſich hier ein Sing Chor von beinahe 200 Sängern. Kurz nach Mit tag verkündeten Salven die Ankunft der Sänger auf der Höhe vor der Stadt, über welche die Chauſſee von Laubach hierher führt. Fünf geſchmackvoll ge

zierte Wagen führten die Sänger von Laubach,

Hungen und Grünberg heran, welche am ſüdweſt lichen Thore die Ankunft der Sänger von Nidda abwarteten, die bald in zwei vierſpännigen Wagen

ankamen. Dieſen ſchloſſen ſich die Sänger von Schotten an und zogen dann, in Begleitung einer großen Volksmenge nach dem, am jenſeitigen Ende der Stadt gelegenen neuen, großen Schulhauſe, welches mit Laubgewinden geziert war, und wo ſich der Stadtvorſtand verſammelt hatte. Jeder Sing verein wurde hier mit einem vielſtimmigen Vivat begrüßt und ehrenvoll empfangen.

Auf einem vor der Stadt gelegenen Raſenplatz waren Zelte aufgeſchlagen für Sänger und Zuhörer. Hierher wanderten aus der Nähe und Ferne Jung und Alt, Hoch und Niedrig, darunter auch fürſtliche und gräfliche Herrſchaften. Schon war der geräu mige Platz mit einigen Tauſend Menſchen gefüllt, als die abermals abgefeuerten Böller die Ankunft der Sänger verkündeten. In feierlichem Zuge wan derten ſie auf die von der Natur gebildete Tribüne, welche Menſchenhand mit geringer Mühe zu einem zweckmäßigen Orcheſter gebildet hatte.

Hier wurden die Fahnen der Singvereine und Städte, mit Wappen und paſſenden Inſchriften ge ziert, aufgeſteckt. Nach kurzer Ruhe und eingenom⸗ mener Erfriſchung gaben die Böller das Zeichen zum Beginnen der, von Manchen ſchon ſeit Stunden ſehnlichſt erwarteten Vokal-Muſik. Obſchon die auf⸗ geſtellte Sicherheitswache ſich bemühte, die zudringen den Neugierigen, welche nicht nur hören, ſondern auch ſehen wollten, zurückzuhalten, damit die Töne ſich mehr in die Ferne verbreiten könnten: ſo ver urſachte doch dieſer Zudrang und der ſich erhebende Wind, daß der größere Theil der Zuhörer den erſten Geſang nicht vernehmen konnte. Die Sänger fan⸗ den ſich dadurch bewogen, den errichteten geräumi gen Tanzboden zu beziehen. Hier war jedoch auch die von Laubwerk angebrachte Umzäunung der Ver⸗ breitung der Töne hinderlich, und nur die wenigen Begünſtigten, welche innerhalb der Schranken Platz fanden, konnten den Geſang deutlicher vernehmen,