Ausgabe 
1.2.1840
 
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ſichten, welche der Verein bei Veranſtaltung ſeiner Ausſtellungen im Auge hat, noch immer nicht aus dem richtigen Geſichtspunkte betrachtet und daß die Meinung noch immer vorherrſchend iſt, daß nur ganz ausgezeichnet kunſtliche Produkte, ſogenannte Meiſterſtuͤcke, in der Ausſtellung Platz finden koͤnn ten; da man doch im Gegentheil wünſchen muß, daß Gegenſtände des täglichen Bedarfs, in ausgezeichne ter Vollkommenheit ausgeführt, darin ausgeſtellt würden, welche im Allgemeinen den Grad der Aus bildung des Handwerkers und Gewerbsmannes be urkunden. Der Verſuch mit der Verlooſung einer Anzahl der ausgeſtellten Gegenſtände, welcher bekannt lich ein günſtiges Reſultat geliefert hat, wird hoffent lich dazu beitragen, die Theilnahme für künftige Ausſtellungen zu erhöhen. Zum Schluß dieſer kurzen Darſte kung erlaube ich mir darauf aufmerk

ſam zu machen, daß unter den verſchiedenen zur

Ausſtellung gelieferten Gegenſtänden zwei Fabrikate für den Freund der vaterländiſchen Induſtrie ein beſonderes Intereſſe gewährten, weil ſie fur uns als neue Induſtriezweige betrachtet werden müſſen. Dieſe Fabrikate waren: 1) die erſten Erzeugniſſe der von den Hrn. Gebr. Schneider in Nidda errichteten Fabrik für endloſes Papier, ein Gegenſtand, der gewiß bald Nachahmung finden und für das Großherzogthum von großer Wichtigkeit werden wird; 2) die Erzeugniſſe der von den Hrn. Merk und Pabſt dahier errichteten Stéearinlichterfabrik, die namentlich in Bezug auf Reinheit und Schön heit die ähnlichen uns bekannten Erzeugniſſe des Auslandes übertreffen. Meine Herren, ſo gün ſtig die Ergebniſſe des bisherigen Wirkens des Ge werbvereins auch ſeyn mögen, ſo bleibt uns den noch noch ſehr viel zu thun übrig, welches nur durch Einheit in unſern Beſtrebungen erreicht werden kann. Ich muß Sie daher alle dringend erſuchen, durch eigene Beobachtungen der Bedürfniſſe der einzelnen Gewerbszweige ſelbſtthätig mitzuwirken, und durch Ihre Mittheilungen den Gewerbsverein in den Stand zu ſetzen, da wo es Noth thut, kräftig einzuſchreiten. Nur durch dieſes gemeinſame Beſtreben, nur durch dieſes innige Verſchmelzen aller Intereſſen des va terlandiſchen Gewerbszweiges iſt es möglich, das hohe Ziel zu erreichen, das uns vorgeſteckt iſt, und unſern Nachbarn zu beweiſen, daß wir die Zeit und unſere Verhältniſſe erkannt haben.

Der Leichenwagen zu Vilbel.

Die gewöhnliche Meinung, unſere Zeit habe nichts Gutes an ſich, wird durch Einrichtungen am Beßten aus dem Felde geſchlagen, die von Huma nität und Civiliſation zeugen. Auch bei uns iſt ein ſolches Inſtitut ins Leben getreten. Bei der Auf ſtellung des 18391 Voranſchlags nahm die bürger liche Ortsbehörde eine nicht unbedeutende Summe zur Erbauung eines Leichenwagens in Ausſicht. Be kanntlich unterliegen die Voranſchläge der Geneh migung der vorgeſetzten kreisräthlichen Behörden. Nachdem dieſe erfolgt war, wurden die Arbeiten an die verſchiedenen Handwerker in Akkord gegeben. Der Bau des Wagens iſt nun vollendet. Er iſt einfach, aber zweckmäßig eingerichtet.

Wegen der dazu nöthigen Pferde iſt mit dem hieſige Poſtmeiſter ein Kontrakt abgeſchloſſen, nach welchem der jährliche Betrag aus der Gemeinde kaſſe ausbezahlt wird.

Manches Unangenehme und Beſchwerliche wird durch die Errichtung dieſer Anſtalt beſeitigt, ohne beſondere Koſten zu veranlaſſen, beſonders aber hebt ſie die Unterſcheidungen auf, an die uns die Geburt knüpft.

Arm oder reich, Die Todten ſiud gleich.

Bekanntmachungen von Behoͤrden.

t ν

Frucht⸗Verſteigerung. (50) Donnerſtag den 6. Februar l. J., Nachmlt⸗ tags 2 Uhr, ſollen in hieſigem Rathhauſe von dem Fruchtvorrath des Auguſtiner Schulfonds 50 Ml Korn aus der 1839er Aernte zweimalterweiſe offenl lich an den Meiſtbietenden verſteigert werden.

Friedberg am 20. Januar 1840. Der Beigeordnete Bender.

Mklannt machung. (53) Montag den 3. Februar l. J., Vormittags 9 Uhr, ſollen in hieſigem Rathhaus auf freiwilligen Antrag der Frau Leonhard Rühls Wittwe die der ſelben gehörenden Güterſtücke öffentlich an den Meiſt

bietenden verſteigert werden, als:

Gemarkung Friedberg: (Gärten.) Pag. u. Nro. 1) 129. 40. 20 Rth. in der 3. Gewann an Adam Bender jun gelegen, zehntfrei, gibt in die Stadtkirche 5 kr. Heller;