Ausgabe 
18.5.1839
 
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Erde geſchüttet. Dieſe Gewitter brachten zwar et⸗ liche kühle Nächte, änderten aber im Ganzen das Wetter nicht. Die ganze Pflanzen- und Thierwelt iſt ſeitdem wie neu geſchaffen; die Vöglein bauen ihre Neſter und ſingen ihre fröhlichen Lieder dabei, die Knaben pfeifen auf ihren ſelbſtgeſchaffenen Wei⸗ denflöten, die Fröſche quaken, die Feldfrüchte erhe⸗ ben ſich ſichtbar und geben dem Landmaune günſtige Hoffnun gen, und in dem Augenblicke, da wir die⸗ ſes ſchreiben(den 8. Mai), ſtehen bereits Kirſch⸗ Pflaumen⸗ und Birnbäume*) in voller Blüthe, während der Thermometer im Schatten an 20 Grad Wärme zeigt

Ob wir das Sommer oder Frühling nennen ſellen, wollen wir nicht entſcheiden; aber das ſehen wir, daß wir der Winterkleider nicht bedürfen; und da die ganze Natur ſich herrlich entfaltet, ſo freut ſichAlles, was Leben und Odem hat, des Herrn.

) Späterer Zuſatz. Zwetſchenblüthe zeigt ſich wenigſtens in Friedberg ſelten und was von Apfelblüthen und Blät⸗ tern die Ringelraupe übrig läßt, das verzehrt die Raupe des Froſtſchmetterlings. Beide zeigen ſich bereits in zahl⸗ loſer Menge. Die kühle Witterung, welche ſeitdem ein⸗ gefallen, iſt auch der Blüthe keineswegs günſtig.

Die Redaction.

Dr. Erasmus Alberus),

der Apoſtel der lutheriſchen Lehre in der Wetterau, Pfarrer zu Staden.

Dieſer vortreffliche Mann war geboren zu Sprend⸗ lingen zwiſchen Frankfurt am Main und Darm⸗ ſtadt, oder, wie Andere wollen, in der Wetterau. Nachdem er 1520 und 1521 die Theologie zu Wit⸗ tenberg unter Dr. Martin Luther ſtudirt hatte, kam er gegen 1525 an die Schule zu Urſel; hielt ſich 1527 zu Heldenbergen bei dem Ritter Kon⸗ rad von Hattſtein auf; führte im Ländchen Drey⸗ eichen die evangeliſche Lehre ein, und nachdem er zu Götzenhain und Sprendlingen Pfarrer geweſen war, wurde er einige Zeit Hofprediger bei dem Kurfürſten Joachim II. zu Brandenburg. Nachdem ihn derſelbe wegen ſeines Eifers gegen die Abgaben der Geiſtlichen entlaſſen hatte, ward er 1541 Pfarrer zu Neubrandenburg; verließ aber 1542 dieſe Stelle wieder, ging in ſeine geliebte Wetterau zurück und wurde, dem Grafen von Iſenburg näher bekannt geworden, Pfarrer zu Sta den. Während er hier mit der größten Liebe und

7) Pon dieſem Er. Alberus finden ſich biographiſche und literariſch-hiſtoriſche Nachrichten im 1. Bande von Strieder Grundlage zu einer heſſiſchen Gelehrten, Geſchichte, worauf wir diejenigen Leſer, welche mehr von ihm zu wiſſen wün⸗ ſchen, hiermit verweiſen. SeineKurtze Beſchreibung der Wetterau findet ſich u. A. abgedruckt in J. A. Bern⸗ hard Antiquitates Wetteraviae. I. Band S. 305.

Die Red.

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Ruhm in ſeiner Gemeinde wirkte, erhielt er im Jahr 1543 unter Luthers eignem Vorſitze zu Wit⸗ tenberg in Hinſicht ſeiner ausgebreiteten und tiefen Gelehrſamkeit und ſeiner Verdienſte die theologiſche Doctorwürde, bei welcher Gelegenheit denn auch die Gemeinde Staden unſerm großen Reformator be kannt wurde. Mit Kraft und Eifer, der Alberus eigen war, verbreitete er von Staden aus das durch Luther entfeſſelte Evangelium durch die Wetterau. Im Jahr 1545 wurde er Pfarrer zu Babenhauſen und verbeſſerte hier Kirche und Schule. Indeſſen auch hier erhielt er ſeinen Abſchied, und wurde hier auf 1548 oder 1549 Pfarrer zu Magdeburg; bald aber wurde er auch hier wegen des bekannten Interims, dem Alberus, der wohl einſah, daß das ſelbe eine Schlinge war, die der Kaiſer Karl V. den Evangeliſchen überwerfen wollte, mit Recht und Kraft widerſprach, entlaſſen. Hierauf lebte er 1552 zu Hamburg in der Stille, bis er ſehr bald Ge neral- Superintendent zu Neubrandenburg im dale e wurde, wo er am 5. Mai 1553 arb.

Als Schriftſteller war Alberus ſehr fruchtbar. Eifer für den neuen Glauben, eine glühende Wahr heitsliebe, Schärfe des Geiſtes, beſonders ein ſchnei⸗ dender und überſprudelnder Witz gegen die Mönche und den Aberglauben, zeichnen ihn beſonders aus, wie ſeine Schriften beurkunden. Fur die Wetterau iſt er auch noch dadurch wichtig, daß er uns einen ſchönen Abriß einer Beſchreibung derſelben hinter laſſen hat. Außerdem iſt 1541 von ihm ein deut⸗ ſches Wörterbuch gedruckt, das ſehr reich an wet terauiſchen Wörtern und Wortformen iſt, und worin er auch ſein geliebtes Staden als von der Nidda durchſtroͤmt anführt. Philipp der Großmüthige, der glorreiche Ahnherr unſers Regentenhauſes, hielt den Dr. Alberus beſonders werth, und machte ihm einſt auch ein Geſchenk von fünfzig Thalern, damit er in die Mark Brandenburg reiſen konnte. Auch als geiſtlicher Liederdichter hat ſich Alberus ausgezeich net, und wir ſingen noch am Feſte der Himmelfahrt 1 0 von ihm: Auf Jeſu Jünger freuet euch u. 8

Bekanntmachungen von Behoͤrden.

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Bekanntmachung. (401) Dienſtag den 21. Mai l. I., Nachmittags 2 Uhr, ſoll in hieſigem Rathhaus die der hieſigen Stadt zuſtehende Jagd und Vogelfang in der Stadt⸗ gemarkung, ſo wie auch der Fiſchfang in der Uſa auf 6 Jahre öffentlich meiſtbietend unter den bei der Verpachtung bekannt gemacht werdenden Be⸗ dingungen verpachtet werden. Friedberg den 1. Mai 1839. Der Beigeordnete Bender,

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