Exkra⸗Beilage zum Friedberger Intelligt
—
nzblatk Nr. 46.
Literalische Anzeige.
—
9 FD
— 0 e
E
D
erg: Es iſt bekannt, daß ich mich ſowohl im vorigen,
als auch im vorvorigen Winter öffendlich erbot, jungen Männern, denen einige mathematiſche Kennt— niſſe in der heutigen Welt, wo ſo Vieles nach mathe— matiſchen Verhältniſſen und Formen ins Leben tritt, ſowohl direkt, als indirekt von Nutzen ſein könnten, den Winter über Unterricht, ſowohl in gründlicher Kenntniß der Arithmetik und theoretiſchen Geometrie, als auch in den manigfachen und nützlichen Anwen— dungen, welche die Mathematik auf das praktiſche Leben hat, zu ertheilen. Die Sache kam aber kei— nesmal recht zu Stande.
Vor zwei Jahren hatte ich zu ſpät, erſt mit dem 1. Februar angefangen, und die Zeit bis zum 1. April, war alſo zu kurz um ſich von wöchentlich zweimali— gem Unterricht ein effektuelles Reſultat verſprechen zu können. Jedoch waren einige Eleven, welche ich damals hatte auch mit den Wirkungen dieſes kurzen Unterrichts nach öffentlich abgelegtem Zeug— niß ſehr zufrieden, und ſelbſt der Hr. Berginſpektor Storch äußerte mir mit Zufriedenheit, daß auch dieſer kurze bei mir genoſſene Unterricht ſeinem Sohne bei der ſpäteren Aufnahme in die Realſchule zu Gießen und der deßhalb ſtattgefundenen Prüfung von Nutzen und Wirkſamkeit geweſen ſey.
Im vorjährigen Winter kam die Sache gar nicht recht zu Stande, indem der Herr Kreisrath ehe er das Unternehmen öffentlich zu empfehlen ſich ent ſchließen konnte, ein gutächtliches Zeugniß von Sei— ten hochpreißlichen Oberfinanzkammer einholte, und bis dieſes ankam, ſo hatten wir Weihnachten und es ließ ſich alſo wieder von einem Winter kein ſouderlicher Erfolg verſprechen. Außerdem war Man— chem der regelmäßige wöchentlich ein paarmalige Weg nach Friedberg oder andere Orte zu beſchwer— lich oder ließen es andere Geſchäfte nicht zu, und da dem Unterricht kein gedrucktes Lehrbuch zu Grunde lag, ſo konnte man ſich eines Theils nicht vorberei— ten und auf die vorkommenden Lehrgegenſtäude zum Voraus gefaßt ſeyn, ſondern man konnte eine etwa nothgedrungene Verſäumniß auch nicht ſelbſt nach— holen; mancher verſtändige Vater, der mir ſeinen Sohn vielleicht gerne geſchickt hätte, mochte ſich,— und zwar wehl mit Recht— doch vorerſt auch fragen, ob ſo ein„Kreisgeometer“ auch wirklich im Stande ſey, Unterricht ertheilen zu können; auch mochte wohl mancher Dreckvogel, deſſen ganze Lebens⸗
exiſtenz blos auf kriechende Miſſerabilität und übel⸗ riechende Winkelempfehlung gegründet iſt, ſich die Mühe nicht verdrießen laſſen, das ganze Unterneh— men in den Augen des Publikums als paradox er— ſcheinen zu laſſen. Da ich nun, täglich mit dem Publikum in Berührung kommend, gewiß überzeugt bin, daß dieſe Idee in demſelben viel Anklang ge⸗ funden und auch noch findet, ſo werde ich auch deswegen den Muth nicht ſinken laſſen.
Ich habe diejenigen mathematiſchen oder gemein⸗ wiſſenſchaftlichen Kenntniſſe, welche ich beſitze, mir auf ſehr ſolide Weiſe erworben, und wenn ich nach zehnjähriger theils muthwillig ſelbſt, theils durch Schickſalsmacht beſtimmt wordene Extravaganz zu der Wiſſenſchaft zurückkehre; ſo komme ich nicht anders als in meine natürliche Heimath und brauche hier nicht erſt um das Bürgerrecht einzukommen; und wenn die literaliſche Welt etwa etwas dagegen haben ſollte, ſo werde ich ihr ſchwerlich den Rücken zeigen.
Um nun theils den oben bemerkten Schwierig— keiten zu begegnen, noch mehr aber, um mich in den Angen des Publikums als auch der oberen Behör— den und literaliſchen Welt über Plan und Zweck dieſes Unterrichts öffentlich rechtfertigen zu können, habe ich für dieſen dritten Winter und—,alle gute Dinge ſind ja drey“— da ich faſt wider Willen und Vermuthung Veranlaſſung gefunden habe, nochmals hier wohnen zu bleiben, den Entſchluß gefaßt: den dieſem Unterrichte zu Grunde gelegten von mir ſelbſt entworfenen Plan— und auch der ſcharfſichtigſte Geyer wird mir keine fremde Feder ausrupfen können— unter der Form eines gewöhnlichen Wochen— blattes dem Drucke zu übergeben, welches allemal dem in der folgenden Woche ertheilt werdenden Unterrichte vorausgeht.
Hierdurch wird alſo nicht allein jeder Eleve in den Stand geſetzt, ſich gehörig vorbereiten und allen— falſige nothgedrungene Verſaͤumniſſe leichter nach— holen zu können; ſondern die ganze Sache wird auch dem Urtheile ſachverſtändiger Männer und der obe— ren Behörden unterworfen. Auch wird durch ein ſolches wochenblattähnliches Erſcheinen des ganzen Plans weit mehr Sinn und Eifer für dieſen Gegen— ſtand erweckt werden, als etwa durch das Erſchei—


