Ausgabe 
11.5.1839
 
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im Allgemeinen,

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den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

M19. Sonnabend,

den 11. Mai 5

1339.

Warnung fuͤr Wanderer nach Amerika.

Gar Viele unſerer Landsleute haben ihr Vater land verlaſſen, um ihr Glück in dem neuen Erdtheile zu ſuchen. Wir wollen wünſchen, daß ſie dort das erlangt haben möchten, was ſie ſuchten. Bei Mehre⸗ ren derſelben iſt dies bis jetzt leider nicht der Fall geweſen, denn es ſind uns Nachrichten zugekommen, welche unſere Beforgniß, es möchten Manche ſich dort übler betten, als es ihnen hier erging, beſtä tigten. Wir halten es darum für Pflicht, allen denen, welche einen ſo wichtigen Schritt zu thun beabſichtigen, große Vorſicht anzuempfehlen. Insbe⸗ ſondere wollen wir ſie warnen, nicht jedem Verſpre chen, welches ihnen gemacht wird, ſofort Glauben zu ſchenken, ſondern vorher ſorgfältige Erkundigung einzuziehen und genau zu prüfen. Wie leicht man getäuſcht werden kann, das beweiſ't uns u. A. fol⸗ gende Nachricht, die uns von glaubhafter Hand zu gekommen iſt, und die wir unſern Leſern wörtlich milzutheilen für Pflicht halten.

Im vorigen Jahre wurden von Dr. Strecker zu Mainz, angeblich als Agent mehrerer Gutsbeſitzer in Demarara auf Brittiſch Guyana in Weſtindien, in verſchiedenen Gegenden des Großherzogthums Aufforderungen an inländiſche Ackerleute, Handwer ker und Taglöhner zur Ueberſiedelung nach Guyana verbreitet. Obgleich damals geeignete Verwarnun gen in öffentlichen Blättern vor dergleichen, jeder Garantie gegen Hintanſetzung der gemachten Ver ſprechungen entbehrenden, Engagements erfolgt ſind, ſo hat ſich doch eine Anzahl von Perſonen, nament lich auch aus dem Großherzogthum Heſſen verleiten laſſen, Verträge abzuſchließen, wodurch ſie ſich ver pflichteten, in Dienſte eines gewiſſen Bernhard Ries zu London die Heimath zu verlaſſen, um über Lon⸗

don nach Guyana auf Koſten des Ries eingeſchifft zu werden. Dagegen hatte ſich Letzterer verbindlich gemacht, die Auswanderer auf der Reiſe und wäh 3 Jahre, in denen ſie ihm als Lehrlinge zu dienen hätten, mit angemeſſener und hinreichender Nahrung, Wohnung und allem ärztlichen Beiſtande frei zu verſorgen.

Eingegangenen amtlichen Nachrichten zufolge hat dieſer Ries die übernommenen Verpflichtungen nicht erfullt, jene Perſonen nicht nur ſchon auf der Reiſe, ſondern auch in London höchſt kuͤmmerlich ernähren und ſie an dem Nothwendigſten Mangel leiden, auch nach erfolgter Landung in England in eine Behauſung führen laſſen, die einem Stalle völlig ähnlich geweſen; ſo daß ſie ſich endlich genöthigt ſahen, den Beiſtand des Königlich Preußiſchen Ge neral-Conſuls zu London anzurufen, durch deſſen Vermittelung ſich herausgeſtellt hat, daß die Ver ſprechungen des Ries auf falſchen Vorſpiegelungen und Täuſchung beruhten, indem Ries, ein deutſcher Jude, nur kurze Zeit in London Handel getrieben, und in Folge contrahirten Schulden, ſich im Ge fängniß befand, ebenſo auch ſich ſein Vorgeben als unwahr herausſtellte, daß die Auswanderer bei ſei nem Schwager Hollard in Demarara Beſchäftigung finden würden.

Ein großer Theil der Auswanderer, worunter 16 Großherzoglich Heſſiſche Unterthanen, entſchloß ſich hierauf zur Rückreiſe in die Heimath, welche ſie auch mit Unterſtützungen des genannten General Conſuls und anderer Perſonen angetreten haben.

Was ihrer unter ſolchen Umſtänden für ein Schick ſal in Guyana gewartet hätte, konnten ſie leicht vorausſehen.