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Die Canzlei zu Burg⸗Friedberg verſendete
die Akten zur Urtheilsfällung an die Univerſität
Straßburg, welche denn am 30. Januar 1665 durch Urtheil zu Recht erkannte:„weil die Q. mit belialiſcher Tücke und Bosheit zum Abendmahl ge— gangen, die Hoſtie ihrem Belzebub gebracht und un⸗ ſeren Heiland zu verbrennen gewagt, Hexerei zu Zauberei getrieben u. ſ. w. ſo ſolle ſie am Leben beſtraft und durch das Feuer vom Leben zum Tod gebracht werden.“)(Ech.
*) Ueber die grauſamen und empörenden Handlungen, wel⸗ che ſich die Gerichte im ſechszehnten und ſiebenzehnten Jahr⸗ hundert gegen vermeintliche Hexen zu Schulden kommen ließen, hoffen wir Nächſtens unſern Leſern ein Mehreres mittheilen zu konnen. D. Red.
Auszug eines Schreibens nach Friedberg.
Für Ihre freundliche Aufnahme in ihrem freund— lichen Städtchen ſtatte ich Ihnen nochmals meinen herzlichſten Dank ab. Es iſt wahr, im ganzen Groß⸗ herzogthume gibt es nicht leicht einen Ort von glei— cher Größe, in welchem der Gebildete eine ſolche Unterhaltung findet, keinen, welcher in neueſter Zeit durch günſtige Verhältniſſe ſich ſo gehoben hätte, als Ihr Friedberg. Wenn erſt, wie Sie mir ſagten, die Waſſerleitung beendigt und die Or— ganiſation der Schulen, die Sie mir als nahe be⸗ vorſtehend rühmten, erfolgt ſehn wird, dann haben Sie es vor gar manchen andern Städtebewohnern des Landes in vielen Stücken voraus.
Ueber etwas aber habe ich mich heglich gewun— dert, und Sie werden mir erlauben, daß ich meine Meinung hierüber Ihnen als eingefleiſchtem Fried— berger unverhohlen mittheile. Während nämlich Friedberg die Beſtimmung erhalten hat, in Kirche und Schule für das ganze Land ein Muſter zu werden, ſehe ich Ihre ſchöne alterthümliche Kirche als Gebäude ſo vernachläſſigt, wie faſt keine andere weit und breit. Wahr iſt's, das Gebäude iſt alt und großartig, und bedarf, um gründlich reparirt zu werden, namhafter Summen. Aber ſoll man des— wegen damit warten, bis ſie deren noch weit mehr bedarf? Wird nicht ein Schaden, der dieſes Jahr mit hundert Gulden hergeſtellt werden kann, wenn er unbeachtet bleibt, übers Jahr zwei, ja dreihun⸗ dert Gulden herzuſtellen koſten? Sind ja doch der Parochianen genug da, auf die man die Koſten ausſchlagen kann!
Wenn es aber zur gründlichen Reparatur kommt, ſo müßte vor allen Dingen eine gänzliche und tüchtige Aenderung im Inneren mit den Stühlen vorgenommen werden. Nehmen Sie mirs nicht übel, Ihre Stühle hängen zum Theile da wie Schwalbenneſter, die zu nichts dienen, als daß ſie die Ausſicht ſtören und verhindern, das ſchöne Ganze zu überſchauen und zu bewundern.
Wenn nun gar noch, wie bei der Confirmation, zu der Sie ſo gefällig waren mich zu führen, Alles von ſeinen Plätzen laͤuft und ſich um die Confirmanden und den Altar drängt, ſo iſt das fuͤr den, der ſo etwas nie geſehen, wahrhaft empörend. Kam es mir doch vor, als befände ich mich im Augenblicke nicht an einer geheiligten Stätte, ſondern auf der Straße, wo eben eine Anzahl Seiltänzer ihr Weſen triebe, um die ſich die Maſſe des Volkes, die Gaſſen— buben voran, drängt, um ja nichts zu verſäumen und recht nahe zu ſehen fur den geopferten Kreuzer. Iſt das eine heilige Handlung, in welcher Knaben und Maͤdchen auf die Stühle, ja auf die Altäre ſteigen, die Mägde noch ganz in ihren ſchmutzigen Küchengewändern mit ſchreienden Kindern ſich heran drängen, oben die Vögel pfeifen, und hinter den Maſſen die Hunde heulen? So etwas hätte ich, erlauben Sie mir es Ihnen offen zu ſagen, in Friedberg, wo ſich ſo viele wackere Männer, ſo manche Menſchen befinden, welche vom ächten Sinne für das Schöne und Erhabene beſeelt ſind, nimmer— mehr erwartet. Sie haben mir zwar erwidert, daß Das altes Herkommen ſey; allein macht denn altes Herkommen das Häßliche ſchön, das Unanſtändige anſtändig?— Sie haben mir ferner erwidert, die jetzige verkehrte Einrichtung der Stühle laſſe eine beſſere Ordnung nicht zu; allein muß denn dieſe fatale Einrichtung der Stühle bleiben? Haben nicht arme Dörfer viele Hunderte verwendet, um das In— nere ihrer Kirchen anſtändig und angemeſſen her— zuſtellen?
Nein, ſagen Sie mir nichts mehr dagegen; ich muß Ihnen die Verſicherung ertheilen, daß ich einer ſolchen Confirmationsfeier, ſo gerne ich ſonſt einer für mich ſo erhabenen Handlung beiwohne, wie ſie jetzt in Friedberg beſteht, nicht mehr Theil nehmen möchte; mein Gemüth würde, ſtatt ſich zu erbauen, nur ſchmerzlich berührt werden über die Entwei— hung des Heiligen. Thun Sie vielmehr das Ihrige, daß dieſer Unordnung ſo bald als möglich geſteuert,
und um das zu konnen, eine durchgreifende Aende⸗
rung mit den Stühlen vorgenommen wird. Der Beifall der Beſſeren, und deren iſt ja die Mehrzahl, wird das Unternehmen leicht ausführbar machen. Und daß unter den Bürgern ein recht tüchtiger Sinn für das Beſſere überhaupt, für Verſchönerung Ihrer Kirche insbeſondere herrſcht, davon bin ich vollkommen überzeugt. Wenn ich nicht ſehr irre, ſo habe ich in einer der letzten Nummern des Re⸗ gierungsblattes von einem Vermächtniſſe von 300 fl. geleſen, welches eine dortige Wittwe der daſigen Stadtkirche ausſetzte.“) Das iſt ein nachahmungs⸗ werthes Beiſpiel; es belegt zugleich das, was ich
*) Die Wittwe des verſtorbenen Metzgermeiſters und Kir⸗ chenvorſtehers Johannes Kromm vermachte in der That, wie Nro. 17 des Reg. Bl. beſagt, dieſe Summe der Stadtkirche zu Friedberg. D. Red.
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