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Morgen des Winters von 1829 auf 183 wo wir am 2. Februar 19 Grad hatten. Am Abend des 16. und am Morgen des 17. war wieder eine ziem⸗
etwas Weniges geringer, als an a
liche Abnahme derſelben bemerkbar, indem der Ther,
mometer nur 13 Grad zeigte. Da ſie indeſſen be⸗
reits in die Wohnungen eingedrungen iſt, ſo fangt.
ſie an, auch bei 13 Grad empfindlich zu werden. Dann kam am Morgen des 18. ein ſchärferer Nord⸗ wind, bei welchem der Thermometer 12¼ Grad zeigte.
Von einem Unglücksfalle haben wir, Gott ſey Dank,
noch nichts vernommen; doch wünſchen wir um un—
ſerer dürftigen Brüder willen, daß der Winter
kein gar zu ſtrenges Regiment mehr ausüben möge; wir vertrauen hierbei auf unſer altes Sprüchwort, daß ſtrenge Herren nicht lange regieren.
Den Kartoffelbeſitzern aber rathen wir, ihre Keller wohl zu verſchließen, denn die Kartoffel iſt ein gar zartes Weſen, das nicht gerne mit dem Win⸗ ter ſich viel zu ſchaffen macht. 115
Der Kirchengeſang zu Petterweil. (Auszug eines Schreibens.) Gelegenheitlich einer Reiſe durch, die Provinz Oberheſſen berührte ich am Sonntag vor Weihnachten den Ort Petter weil. Der Wirth, bei dem ich einkehrte, war ein ſchlichter aber ſo gefälliger junger Mann, und ſein Benehmen ſo anſprechend, daß ich
mich hierdurch veranlaßt fand, bei ihm zu übernach⸗
ten. Am Abende verſammelte ſich in dem Wirthszimmer eine Anzahl junger Männer und Burſchen, die ſich in ländlicher, jedoch gauz ſolider Weſſe unter einander vergnügten, während ich mich mit dem munteren Wirthe beßtens unterhielt. Von der Reiſe ermüdet, war ich eben im Begriffe mich zu betten, als meh⸗ rere der Gäſte, die ſich um einen beſondern Tiſch gruppirt hatten, einen dreiſtimmigen Geſang anſtinm⸗ ten, welcher mich ſo ſehr anſprach, daß ich mich nicht entwehren konnte, noch länger zu verweilen.
Von dem Wirthe erfuhr ich nachher, daß dieſe Verſammlung der zu Petterweil kuͤrzlich entſtan⸗ dene Singverein ſey, der ſich zum Ziele geſetzt habe, den Geſang überhaupt, insbeſondere aber den ſo ſehr verwahrloſten Kirchengeſang zu verbeſſern, und daß dieſer Singverein am folgenden Feſttage ſich
zum erſtenmale im Gotteshauſe hören laſſen wolle.
Dies beſtimmte mich zum Kirchenbeſuche an dieſem Tage. Hier fand ich, daß der Geſang der beiden erſten Lieder, welche die Gemeinde anſtimmte, durch⸗ aus nicht geeignet war, ſich zu erbauen und das religiöſe Gefühl zu wecken. thut hier die Verbeſſerung des Kirchengeſauges ſo noth! Ich war froh, als derſelbe zu Ende war, denn nun mußte ja wohl die Reihe an den Sing⸗
nie an ankepge dem Waſſer. gewährt dieſe
Gott! dachte ich, wie
verein kommen. Dieſer nun, ich muß es geſtehen,
fuhrte einen ſo ſehr ſeierlichen dreiſtimmigen Geſang lach A Geſauglehre, aus, daß ich ganz übekraſ t und nicht nur mein vorher beleidigtes Gehör wieder verſöhnt, ſondern auch das Gemüth hierdurch erhoben wurde. Hiernach hielt der Herr Pfarrvicar Kreß eine dem Feſte entſprechende kurze aber wahrhaft ergreifende gehaltvolle Rede. Durch ſolche Predigt und durch ſolchen Geſang muß auch der zerſtreüteſte Menſch zur Andacht geſtimmt und ſein Gemüth zum Göttlichen hingezogen werden.— Heil der Gemeinde in welcher der Sinn für einen beſſeren Kirchengeſang erwacht iſt! Möchten doch
die Leiter dieſes Singvereins und alle Glieder des⸗
ſelben in ihrem lobenswerthen Unternehmen ſtand⸗ haft beharren und ihr Beiſpiel recht viele Na ch⸗ ahmung finden. V. X.
Bekanntmachungen von Behoͤrden. N M k. f BF d (938) Die in hieſiger Stadt gelegene, mit drei
Mühlgängen verſehene ſtädtiſche Mühle, welche ſchon
ſeit zweihündert Jahren ihre Exiſtenz bewährt hat, und bisher verpachtet geweſen iſt, ſoll erb⸗ und eigen⸗ thümlich an den Meiſtbietenden verſteigert werden. Das Mühlengebäude nebſt dazu gehörigen Oeco— nomie⸗Gebäuden ſind noch neu, befinden ſich in gutem baulichem Stande, und es fehlt der Mühle Beſondere Vortheile Mühle noch dadurch, daß ſie wenig Concurrenz hat, und daß das nöthige Holz zur Unterhaltung der Gebäude und des Werkes gegen ein jährliches, verhältnißmäßig ſehr geringes Aver— ſüm aus den fiscaliſchen Waldungen unentgeldlich verabfolgt wird. 5 i Steigliebhaber werden eingeladen an dem zur Verſteigerung anberaumten Termin auf Petri-Tag 1838, Morgens 10 Uhr, auf dahieſigem Rathhauſe zu erſcheinen. Die näheren Verkaufsbedingungen werden unmit⸗
telbar vor der Verſteigerung bekannt gemacht; jedoch werden auch ſchon vorher auf frankirte ſchriftliche
Anfragen dieſelben mitgetheilt. 919
Nidda den 10. Oktober 1837.
Der großh. heſſ. Bürgermeiſter ae Pr. Borberg.
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Hofraithe⸗Verſteige rung,
(1103) Donnerſtag den 1. Februar 1838, Vor⸗ mittags um 11 Uhr, ſoll in hieſigem Rathhauſe die zur Verlaſſenſchaft des verklebten Adam Groß.
gehörende Hofraithe Nro. 78, in der beßten Lage der Stadt auf der Hauptſtraße gelegen, beſtehend in Wohnhaus, Brauhaus, 2 Scheunen, 1 Farbhaus und Ställen nebſt großem Hofraum, worin Färbe⸗
dahier ſodam thar dahler mehrer abgett gangel welche und a wollen 6 We Schul pothet,
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