Ausgabe 
2.6.1838
 
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Feier am Himmelfahrtstage.

Am Himmelfahrtstage ſand zu Friedberg eine ſchöne Feier ſtatt. An dieſem Tage wurden nämlich in der ſ. g. Burgkirche drei taubſtumme Kinder confirmirt. Es war eine rührende und ergreifende Scene, wie dieſelben ihr Glaubensbekenntniß öffent⸗ lich und recht vernehmlich ablegten und dann das Abendmahl empfingen.

Saͤngerfeſt zu Ziegenberg.

Schon längſt wünſchten die beiden Singvereine zu Friedberg und Uſingen in unſerm freund lichen Ziegenberg zu einem gemeinſamen Sänger feſte zuſammen zu kommen. Der 27ſte Mai ſchien endlich der geeignetſte Tag.

Schon Vormittags zog eine fröhliche, an hundert Mann ſtarke Schaar, beſtehend aus dem Friedberger Singverein und den meiſten Zoͤglingen des Schul lehrer-Seminars daſelbſt, Herrn Rector Müller an der Spitze, unſerem romantiſchen Thälchen her auf, und kam hier gegen Uhr mit dem Geſange: Guten Morgen, guten Morgen, ihr Fluren voll Segen ꝛc. vor dem Hauſe des Herrn Wick an.

Unterdeſſen kamen auch einige Wagen mit ſten angefahrenz die Sänger ſetzten ſich in Bewegung und zogen auf die Terraſſe vor dem Schloß, wo ſie mit dem Choral begannen:Nun danket alle Gott ꝛc. und einHoſianna mit einem Doppelt⸗ Chor folgen ließen. Beides, beſonders aber das erſtere, nahm ſich herrlich aus. Der Wind kam dem Thale herauf, weßhalb die Zuhörer oben am Teich die Wirkung dieſes impoſanten Chorals am meiſten empfanden und zu würdigen wußten. Nur die Sänger ſelbſt zweifelten am Effekt, da ſie, ge wohnt in geſchloſſenem Raume zu ſingen, keine Luft erſchütterung um ſich empfanden, ſondern merkten, daß die Töne, kaum dem Munde entquollen, durch die Luftwellen weiter getragen wurden; ſie zogen deßhalb in den Wald zum ſ. g. Sophienplatz, wo ſelbſt mehrere Lieder aus der Geſanglehre des Herrn Rektor Müller mit vieler Präziſion vorgetragen wurden.

Gegen 12 Uhr kehrte der ganze Zug zurück nach Ziegenberg, wo unterdeſſen noch viele Gäſte zu Wa⸗ gen, zu Pferd und zu Fuß angekommen waren und immer noch ankamen. Während des Mahles herrſchte

heiteres ungezwungenes Leben: überall die unſchul digſte Fröhlichkeit.

Man hatte gehofft, der Uſinger Singverein würde kommen und ſich anſchließen; allein gegen 1 Uhr kam die Nachricht, daß er wegen des bei Prüfung der Confirmanden ſtatthabenden Gottes dienſtes ab gehalten würde.

Gegen 3 Uhr Nachmittags ſammelten ſich alle Sänger dem Schloſſe gegenüber an einem etwas erhabenen halbrunden Platze um eine Eiche. Die Zu hörer, worunter viele Landleute mit ihrer eigenthüm lichen Tracht aus den umliegenden Orten, bildeten einen großen Halbkreis und eine höchſt maleriſche Gruppe. Der Geſang begann, und zwar, wie es uns ſchien, viel reiner und kräftiger als am Vormittag. Wahrlich, es geht doch nichts über einen ſchönen Männergeſang und iſt nichts erhebender als ein Choral, beſonders

im Freien, wo Lieder, welche ſehr raſch geſungen

werden und worin Solo's vorkommen, ſehr an ihrer Schönheit verlieren. Aber es hat auch Alles ſeine Zeit. Gegen 5 Uhr wurde an demſelben Rondel noch einmal geſungen; allein man merkte, die Keh len waren ſchon zu ſehr in Anſpruch genommen worden, und fingen daher an etwas rauh zu werden. Zu guter Letzt zog noch der Friedberger Sing verein mit dem Liede:Wen grüßt der traute Sängerbund ꝛc. undJäger leben immer froh ꝛc. den Schloßberg hinauf, die meiſten Anweſenden ſchloſ ſen ſich ihnen an, was allgemeine Heiterkeit verbreitete. Ueberhaupt war es für Sänger und Hörer ein ge nußreicher Tag. Es herrſchte die ungetrübteſte Fröh lichkeit, welche das ſchoͤne Wetter ſehr begünſtigte. Dem Herrn Rektor Muller aber gebührt das Ver dienſt, durch ſeine Leitung den Geſang zu dem ge macht zu haben, was er war.

Möchten nur recht oft ſolche Sängerfeſte in allen Orten unſerer lieben Wetterau begangen werden; vielleicht hätten wir dann einmal das Glück ein Wetterauer Sängerfeſt zu feiern, das jährlich wiederkehrt.)

) So eben erhalten wir noch eine Beſchreibung dieſes Sängerfeſtes; wir bedauern aber, daß uns der Raum nicht erlaubt, dieſelbe in unſerm Blatte aufzunehmen.

Die Red.

Bekanntmachungen von Behoͤrden.

K Arbeits-Verſteigerung. 5 (549) Freitag den 8. k. M. Juni, Vormittags um 9 Uhr, ſollen auf dem Rathhauſe zu Friedberg

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