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geſetzte obere geiſtliche Behörde erſtattet. Die Herren Beamten zu Aſſenheim ſowohl, als auch ſämmt⸗ liche Geiſtliche des Dekanats, welchen ſich einige von den gleichfalls eingeladenen Geiſtlichen aus Fried⸗ berg anſchloſſen, wurden erſucht, ſich nebſt den Orts⸗, Kirchen- und Schulvorſtänden von Oſſenheim und Bauernheim in einem näher bezeichneten Locale heute
um 11 Uhr einzufinden.— Nachdem wir verſam⸗
melt waren, begaben wir uns in geordnetem Zug in das Pfarrhaus, um den gar nichts ahnenden Jubelgreis zu beglückwünſchen. Hier, wo das ge⸗ räumige Zimmer die Menge kaum zu faſſen ver⸗ mochte, hielt Dekan Thud ichum eine eben ſo ein⸗ fache als überaus herzliche Anrede, in welcher er dem überraſchten Mann ſeine und der Anweſen⸗ den theilnehmende Gefühle ausdrückte, des bisherigen anſpruchloſen Wirkens deſſelben rührend gedachte, und damit endigte, daß er ihm, unter Eröffnung des Inhalts, ein allerhöchſtes Dekret überreichte, durch welches Se. Königl. Hoheit, der Großherzog, den treuen Diener der Kirche nach vollbrachter 52jähriger gewiſſenhaften Verwaltung ſei⸗ nes Amtes huldvoll zum„Kirchenrathe“ ernennt.—
O! wie ſtand der Mann in ſeiner Demuth da, kaum wiſſend, wie ihm geſchehen war;— hinter ihm die würdige Gattin,— ſeit 48 Jahren ſeine treue Lebensgefährtin,— und die Töchter, alle in⸗ nigſt gerührt! In dieſem Augenblick floß manche Thräne, und auch ich konnte, von ſüßen Gefühlen übermannt, die meinigen nicht zurückhalten.— In⸗ dem wir noch ſo verſammelt waren, trat der eben von Aſſenheim angelangte Herr Graf v. Solms⸗ Rödelheim in unſere Mitte und vollendete die freudige Ruͤhrung des Jubelgreiſes, indem er dem⸗ ſelben mit den huldvollſten Worten ſeinen Gluͤck— wunſch zu deſſen Ehrentag zu erkennen gab. Von dem Herrn Grafen eingeladen, einen Platz in deſſen Wagen einzunehmen, fuhr Herr Pfarrer Brod—⸗ reich hierauf mit demſelben zu dem nahen Wäld⸗ chen, wo uns ein Feſtmahl erwartete. Wir übrigen legten den kurzen Weg zu Fuße zurück, und fanden uns bei Herrn Aehle wieder zuſammen.
Während der im Freien zugerichteten Tafel, an welcher der Jubelgreis neben dem Herrn Grafen den Ehrenplatz einnahm und außerdem etliche und vierzig Perſonen ſaßen, herrſchte allgemeine Heiter⸗ keit, und weder der in den Wipfeln über uns to⸗
bende Sturm, noch der einigemal träufelnde Regen
waren im Stande, dieſe frohe Stimmung zu ver⸗
ſcheuchen. Sie gab ſich unter Anderm auch in den
paſſend gewählten Trinkſprüchen kund, und hielt
bis zum ſpäten Abend aus.— Auch unſer Jubilar zeigte in ſeinem 77ſten Lebensjahre eine ungemeine Rüſtigkeit, um welche ihn wohl mancher Juͤngere hätte beneiden mögen, wenn anders ein ſolches Ge⸗ fühl neben einer ächten Herzensfreude aufkommen könnte. Uebrigens iſt Herr Pfarrer und jetziger Kirchenrath Brodreich im Jahr 1762 zu Reichelsheim, mithin im Naſſauiſchen, geboren; er war zuerſt ſeit 1786 Rector zu Ortenberg, kam von da als Pfarrer nach Einartshauſen, und befindet ſich ſeit dem Jahre 1809 auf ſeiner gegenwärtigen Stelle.
Der Allgütige lege den Jahren des würdigen Greiſes noch mehrere zu, und erhalte ihm noch lange hinreichende Kraft, ſeines Amtes mit Freudigkeit zu warten! Mit dieſem innigen Wunſche ſchieden wir von ihm und kehrten ſehr befriedigt von den edeln Genuuͤſſen dieſes Tages nach Haus zurück.— Es muß ja nicht immer eine glanz⸗ und geräuſchvolle Laufbahn ſeyn, um auf ehrende Anerkennung ſich Anſprüche zu erwerben. Auch das ſtille, beſcheidene Wirken des Landgeiſtlichen iſt ein hoͤchſt achtbares und ſegensreiches, und wenn es als ſolches gewür⸗ digt wird, ſo gereicht eine ſolche Anerkennung eben ſowohl denen, von welchen ſie ausgeht, zur Ehre, als dem, welchem ſie zu Theil wird, zur wohlthuenden Ermunterung.)
Noch ein Ehrentag.
Eine ſolche Jubelfeier war auch dem Herrn Dekau Hauck zu Ockſtadt zugedacht. Aber allzugroße Be⸗ ſcheidenheit ließ den biederen Mann, der ſeit vielen Jahren ſeiner katholiſchen Gemeinde vorſteht und in dieſer Zeit vielen Segen ausſtreute, den Tag ſeiner Anſtellung verheimlichen; er war ohnehin koͤr⸗ perlich leidend. haben, wurde der Tag der Kirchweihe, der 27. Auguſt, zur Feier beſtimmt. Eine Deputation der Gemeinde,
) Nachdem Obiges bereits geſetzt war, kam uns noch eine andere Beſchreibung(d. d. Oſſenheim den 27. Auguſt 1838) zu, von der wir aber keinen Gebrauch mehr machen konnten. Die Redact.
Um darum einen Haltpunkt zu
ſteiger Fr


