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uſt 1837.
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Butzbach.
Intelligenzblatk⸗
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für die
im Allgemeinen,
IN 31.
Ueber den Geſang bei offentlichen Leichenbe⸗ gaͤngniſſen. (Beſchluß.) 5
Das wäre denn eine traurige Antwort, welche nur zur eiligen Abſtellung dieſes Geſangs anrathen fonnte, weil hier, wie in der Kirche, gewiß nicht der Platz iſt, wo die Kraft der Lungenflügel ſich fund geben darf. An der Stelle dieſes Geſaͤnges ſollte vielmehr der Geſang eines wohl eingeübten Chores treten, deſſen Mitglieder dazu gewöhnt waren, durch ſanften Geſang nur ſanfte Empfindungen her⸗ vorzurufen. Wird es aber überhaupt jemals dahin kommen, daß man auch in kleineren Orten im Stande iſt, ein gutes Sängerchor zu bilden? Freilich ge⸗ hörte dazu—— doch der Leſer mag das Uebrige errathen.—
Vielleicht wäre es überhaupt am zweckmäßig⸗ ſten, bloß am Grabe einen ſanften Geſang anzu⸗ ſtimmen in dem Augenblicke, wo der Sarg einge⸗ ſenkt werden ſoll. Denn hier würde er, gut gelei⸗ tet und ausgeführt, auf alle Anweſende einen an⸗ genehmen, zur frommen Andacht ſtimmenden Ein⸗ druck machen. Dieſe Wirkung wird aber durch den vorhergegangenen Geſang über die Straße ganz unmoglich gemacht. Denn es gibt nichts Gräßli⸗ cheres, als einen Geſang, welcher im Gehen aus⸗ geführt wird, während die Sänger in einer ſo langen Reihe hintereinander folgen, daß die Hin⸗ terſten die Vorderſten nicht hören, ſo daß aller Takt unmoglich iſt, ein Theil dasjenige wieder⸗ holt, was der andere ſo eben geſungen hat, und zuletzt jeder Einzelne um einige Sylben vor oder hinter den übrigen Sängern iſt. Wer ſich in der Mitte eines ſolchen Zugs befindet, oder als Zu⸗ ſchauer zur Seite ſteht, vernimmt keinen Geſang mehr, ſondern ein barbariſches Geſchrei, da jeder auf ſeine eigene Fauſt das Wort ſingt oder ſchreit, welches ihm zuerſt ins Auge fällt. Kommt der Zug in die Nähe der Kirche, wo ſich nun noch ein ſtar⸗
den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen. . K::——K.
Sonnabend, den 5. Auguſt
1837.
kes Geläute mit dem Geſange miſcht und dieſen übertäubt; ſo iſt das ganze furchtbare Getöſe eines Tumults zu vernehmen, welches den Hörer mit Grauen erfüllt. Mit dieſen zerreißenden Eindrü⸗ cken tritt man nun auf den Todtenhof und fühlt alle dieſe Mißtöne noch in allen Nerven und Ge⸗ beinen und iſt kaum im Stande ſich von dieſem Schauder zu erholen, bis der erſte Act der Einſen⸗ kung erſcheint, fuͤr welchen nun kein Theilnehmen mehr übrig iſt, und aus dieſem Umſtande iſt es erklärbar, warum die Einſenkung ſelbſt auf die Freunde des Verſtorbenen keinen beſonderen Ein⸗ druck mehr zu machen pflegt: ihre Gefuͤhle ſind durch das Vorhergegangene ſo zerſchmettert, daß die ſanfteren Eindrücke ohne Wirkung bleiben müſ⸗ ſen.— Die Anwendung von dem Geſagten macht ſich leicht. Laßt den Geſang über die Straße weg: denn er läßt nicht nur keine Andacht zu,— welche doch dabei ſeyn ſollte,— ſondern er lautet oft ſo, als ob man der Andacht ſpotten wollte, und trägt ſehr viel dazu bei, daß man auch in der Kirche heilige Lieder ſo häufig ohne Andacht abſingt. Ueber den Geſang überhaupt, und den Kirchengeſang ins⸗ beſondere, ſoll künftig eine Mittheilung—
Anekdote aus dem Leben.
Bevor der Pfarrer L. von V. zu ſeiner neuen Gemeinde G. uͤberzog, beſuchte er den Ort und natürlich auch den Bürgermeiſter und deſſen Fa⸗ milie daſelbſt. Nachdem er die Lokalitäten beſehen, auch hier und da einen Wunſch geäußert hatte, welcher bis zum Ueberzuge mit ſeiner Familie er⸗ füllt ſeyn mochte, reißte er zurück nach V. Später ſchrieb er dem Bürgermeiſter den Tag ſeines Ein⸗ treffens in G. und ſchloß:„Auch einen freundlichen Gruß von Haus zu Haus.“ Der Bürgermeiſter, dem dieſe Redensart fremd ſeyn mochte, hatte nichts Eiligeres zu thun, als den Gruß des Pfarrers dem Ortsdiener mitzutheilen, der ſich denn auch
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