Ausgabe 
31.10.1835
 
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Der Schumachergeſelle Joſ. Bihler, Sohn eines Amtsdieners aus Offingen in bayr. Landge⸗ richte Günzburg, trat vor zwei Jahren zu Lahr im Badiſchen in Arbeit bei einem kranken Meiſter,

den er mit Frau und fünf Kindern dreiviertel Jahr

ernahrte und pflegte., Als dieſer ſtarb, pflegte er die gleichfalls erkrankte Wittwe bis zu ihrem Tode;

dann brachte er die fünf Waiſen bei braven Bür⸗

gern unter, und verwendete dazu noch die letzten fünf Gulden ſeiner Baarſchaft. Erſt als er fortge⸗ gangen war, wurde ſeine That bekannt; die Stadt⸗ behörde ſammelte dreiundſiebzig Gulden, die fur ihn verzinslich angelegt wurden, und machte im Amts⸗ blatte ſeinen Edelmuth öffentlich, ſo wie durch ein beſonderes Schreiben in deſſen Geburtsort bekannt.

Warnung vor dem Branntwein.

Die Mäßigkeitsvereine in Nordamerika, welche nicht nur gegen den übermäßigen, ſondern gegen jeden Genuß des Branntweins, als Getränk, gerich tet ſind, beweiſen, daß man die nöͤthigen Folgen dieſes Gifttrankes kennen gelernt und eingeſehen hat, und die erfreulichen, raſchen Fortſchritte dieſer Ver⸗ eine beweiſen, daß man dies täglich mehr einſieht. Möchten unſere Landsleute aus fremden Schaden klug werden, und zeitig durch freiwillige Entſagung den übeln Folgen vorbeugen, welche der Genuß dieſes Getränkes nach ſich zieht, und von denen ich Einige zur Warnung anführe, um darzuthun, welchen verheerenden Einfluß auf Sittlichkeit und Lebensglück die Liebe zu dieſem Getränke hat, wenn ſie einmal Leidenſchaft geworden iſt, was ſie ſo leicht wird.

Die hier gegebenen Nachrichten betreffen Eng⸗ land und ſind aus einem Artikel einer deutſchen Zeitſchrift genommen. ö

Die Armenſteuer fuͤr England und Wales allein beträgt jährlich 56,000,000 Thlr., zwei Drittheile davon, alſo 37,000,000 Thlr. werden durch die Trunkenheit nöthig!). Ferner hat man berechnet, daß vier Fünftel aller Verbrechen in England unter dem Einfluſſe des Brannt⸗

) Eine Note ſagt: das heißt wohl ohne Zweifel: Zwei Drittheile verarmen durch den Trunk, und würden ſich außerdem ordentlich nähren, ohne den Armenkaſſen zur

Laſt zu fallen.

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weins seng n Hälfte der Wahnſinnigen in England ſind Trunkenbolde geweſen; von 495 Verrückten, die binnen vier Jahren in das Irrenhaus zu Liverpool aufgenommen wurden, hatten 257 erweislich ihre Vernunft durch dieſes Laſter verloren. Die fürch⸗ 0

terlichen Verwüſtungen des Kopfes und Herzene,

welche die Trinkſucht hervorbringt, verdienen 2, wohl auch bei uns ernſter ieee zu werden.

P Firchens a zu u Rodheim.

Rodheim hat bekanntlich zwei Kirchenvon denen die eine, die ehemals lutheriſche, im Jahre 1732 von Graf Reinhard von Hanau erbaut wurde, die andere dagegen, die früher reformirte, nunmeh⸗ rige Hauptkirche, Leuch) als uralt baeich net wird.

Daß diefes nicht der Fall itt mögen die Leser aus nachſtehenden Auszügen aus den Gemeinderech⸗ nungen von 1585 und 1586 erſehen, welche zugleich in Bezug auf die Größe des Handwerkslohns und den Peeis der Materialien zur damaligen J ae eſſant ſeyn dürften. 1

1585. 1

Für 6900 Ziggelen uff den New E 1

20 fl. 45 5 8.

1580.

Für Dill zum Newen Kirchbaw Kelle zu

Stuffen als man erſtmahls geklaubt 1 fl.

Dem Fenſtermacher Von Friedberg Vonn Fen⸗ 3 fl. 1 f 6 d. 1

ſter in New Kirchenbaw

1 e 1 0 2) Wir werden auf die in unſerer Wetterau leider ſehr 1

häufig gewordene Trunkſucht und die ſchrecklichen Folge welche der übermäßige Genuß des Branntweins nach ſi zieht, ſeiner Zeit zurückkommen, und wollen hier nur de Gelegenheit benutzen, unſere Landsleute vor jenem Laſt und dieſem Gifte zu warnen.(D. Red.)

* Hanauiſches Magazin Bd. 4. S. 247. 260

r) Unſern Leſern wollen wir dabei bemerken, daß um dieſ⸗ Zeit der Reichsgulden zu 14 Loth 16 Grän fein ge⸗ prägt 6 85 und, da deren% Stück auf die Mark gingen 2 fl. 22 kr. unſers jetzigen Geldes werth war. Da 24 Schilling 1 Gulden und 9 Denar 1 Schilling machen ſo wird es unſern Rechenmeiſtern ein Leichtes ſeyn, die Angaben nach unſerm Gelde zu berechnen.

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