Ausgabe 
30.5.1835
 
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1 5 5 Gemarkung, war bis zum Jahr 1817 Eigenthum

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fand ſich unmittelbar bei der Quelle eine fur den Pachter beſtimmte Wohnung. Der geringe Pachter⸗ trag verhinderte die Beibehaltung dieſes baufällig gewordenen Hauſes, und deswegen wurde ſelbiges abgebrochen, ohne wieder hergeſtellt zu werden.

Die Geringhaltigkeit der mineraliſchen Beſtand⸗ theile des Waſſers veranlaßte den Verſuch, eine Quelle von größerer Reichhaltigkeit aufzufinden, und ſo wurde im Jahr 1796 der mit guten Quaderſteinen ausgemauerte Brunnenſchaft zugedeckt und außer Ge⸗ brauch geſetzt, dagegen wenige Fuß von demſelben ein neuer gegraben, und die Quelle neu gefaßt. Der Erfolg entſprach aber der Erwartung nicht, indem ſich der Gehalt des Waſſers durch dieſe wenn gleich koſtſpielige Unternehmung nicht verbeſſerte. Zwanzig Jahre ſpäter nahm man den alten Brunnen wieder in Gebrauch, behielt aber dennoch den neugegrabenen bei. Der in der neueren Zeit ſehr bedeutend ver⸗ mehrte Waſſerabſatz hatte auch eine Steigerung des Beſtandgeldes zur Folge, und ſo boten ſich die Mittel dar, die eingegangene Pachterwohnung wieder zu errichten, was vor ungefähr 8 Jahren geſchah. 5

Zum weiten Transport iſt übrigens das Waſſer nicht geeignet, daher ſich deſſen Abſatz hauptſachlich auf die beiden nahe gelegenen Städte Frankfurt und Offenbach beſchränkt. Der Handel mit demſelben er nährt, des geringen Preiſes ungeachtet, viele Familien in Vilbel, da der Abſatz an die genannten beiden Orte wohl an 200,000 Krüge reichen oft auch mehr in einem Jahr betragen mag.

2) Derokarber Sauerbrunnen /,

früher von den Bewohnern der nächſt gelege⸗ nen Ortſchaften derSülzbrunnen genannt, (das denſelben umgebende Gelände heißt nochdie Sülz)) liegt in der groß- und kleinkarber

) Die Namen Sülz und Selz kommen bei Salzlacken, Sauerbrunnen ꝛc. öfters vor, und ſind beide Ausdrücke Eines

Urſprunges mit Salz. Wir haben über dieſen Brunnen

ſchon mehrere Beſchreibungen. Die des Tabernaemonta- nus(Bergzaberner) von 1605 iſt uns nicht zu Geſicht ge⸗ kommen. Dagegen kennen wir eine im Jahr 1820 erſchie⸗ nene Schrift von Dr. Karl Chriſtian Nonne, und eine andere von Dr. Heinrich Hoffmann in Darmſtadt. Letztere berührt auch die Nachrichten der früheren Gelehr⸗ ten. Außerdem beſitzen wir noch einen von Fehr verfer⸗ tigten und dem Burggrafen Joh. Erwin von Greiffen⸗ elau ſo wie den beiden Burgbaumeiſtern gewidmeten Kupfer⸗ ſtich, welcher den Grundriß undProſpeet des Karber

der Burg Friedberg, und ging von dieſer als eine Domäne an das Großherzogthum Heſſen über. Bis

zum Jahre 1812 ließ die Burg Friedberg den

Brunnen durch einen an demſelben in dem da⸗

bei befindlichen Häuschen wohnenden Aufſeher ver

walten, d. h. das Waſſer für einen geringen Betrag an diejenigen verkaufen, die wie die Einwohner der nächſt gelegenen drei Ortſchaften, Okarben, Groß⸗ karben und Kleinkarben, zur unentgeltlichen Be⸗ nutzung des Brunnens nicht berechtigt ſind. Der durch dieſe Verwaltung entſtandene Koſtenaufwand ließ kaum einen reinen Ertrag übrig, daher von 1812 an eine Verpachtung jedoch auch nur gegen ein ge⸗ ringes Beſtandgeld,) erfolgte. Der Pachter erweiterte die Wohnung, und ließ einige Nebengebäude dabei aufführen. Der Abſatz des Waſſers nahm ſeit dieſer Zeit einen ſehr bedeutenden Aufſchwung, beſonders um deswillen, weil man den Gehalt ſeiner minera⸗ liſchen Beſtandtheile und deren Wirkungen immer beſſer kennen und würdigen lernte. Mit dem im Jahr 1827 erfolgten Ableben des bis dahinigen Pachters übernahm ein anderer und zwar ein angeſehener Kaufmann in Offenbach den Brunnen, und brachte denſelben durch den merkantiliſchen Betrieb des Geſchäfts in einen vorher nie in dieſer Ausdeh⸗ nung bekannt geweſenen Ruf. Hieraus laßt es ſich auch erklären, daß der jährliche Waſſerabſatz, haup ſachlich nach Frankreich, in die Schweiz, nach Baiern, ꝛc. mehrere hundert Tauſend Krüge betragen ſoll.

Nachdem von Seiten der Domänen⸗Verwaltung 1

zu der Umgebung des Brunnens Gelände von be⸗ deutendem Flächengehalt acquirirt worden war, ver⸗

wendete ſolches der neue Pachter zu ſchönen Garten

und Bosquet-Anlagen, und erhöhete ſomit, ſowie durch Erbauung eines zur Gaſtwirthſchaft beſtimm⸗ ten neuen Hauſes ꝛc. ꝛc. die Annehmlichkeit, welche

die anmuthige und reizende Lage des gon alten Linden

Suͤlz-Brunnens darſtellt aus den Anfange des vori⸗ gen Jahrhunderts. Cine merkwürdige Beſchreibung des Brunnens giebt derWetterauiſche Geographus⸗ unter dem Artikel Großkarben; wir werden uns aber hüten, ſie unſern Leſern wieder zu geben, da wit die Gränze der Schicklichkeit nicht zu verletzen willens ſind. f f e e eee 0. *) Wir hatten von 60 Gulden gehört, die Herr Köhler jährlich bezahlte.

Die Redact.

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