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N 2 rovinz
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Intelligenzblatt
für die
berhessen
im Allgemeinen, den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
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Alterthuͤmer zu Friedberg“. ö(Beſchluß.) Wir gelangen nun zur eigentlichen Burg, und werden hier eine noch reichere Ausbeute um ſo eher finden, als hier Gelegenheit gegeben wurde, tiefer 77 weiter in das Innere zu ſchauen.
Schon längſt kommen an dem nördlichen Ab—⸗
1 ange der Burg, beſonders da, wo vor etwa zehn
Fahren ein Steinbruch angelegt wurde, und auch da, wo bisher die Soldaten ihre Zielſcheiben ange⸗ legt haben, wodurch jedesmal etwas Boden aufge⸗ lockert wurde, einzelne Scherben zu Tag, die der ſtenner für römiſche erklären muß. Einſender fand daſelbſt nicht nur im Jahr 1829 einen ſehr inter— iſſanten Legionsſtein, welcher beſagt, daß die Vexrilla— ſier) der vierzehnten Legion ihn verfertigt, ſon⸗ dern außerdem ſpäter nach und nach mehrere be— trächtliche Reſte von ſolchen Gefäßen, die aus ſ. g. ſemniſcher Erde(terra sigillata) gebildet und zum Theil mit ſinnreichen Figuren, wie Jagden u. dgl.
erziert oder mit Stempeln der Verfertiger verſehen
ind. Eins führt z. B. den Namen IAXNVARIVS
gar ſchön gearbeitet. Sodann erſchienen Stücke einer
Gußmauer, eine faſt ganz erhaltene Lampe, auf⸗
) Während des Druckes dieſer Abhandlung ſind dem Schrei⸗
ber einige Reſte von römiſchen, aus lemniſcher Erde ver—
fertigten Gefaͤßen eingehändigt worden, welche bei Gra—
bung eines Kellers unweit dem Platze, wo ſonſt der ſ. g. Auguſtiner⸗Pfuhl war, da, wo vor einigen Jahren die Scheunen abbrannten, zu Tage gefördert wurden.
) Es iſt von dem Steine gerade ſo viel übrig, um die Inſchrift vexillarii leg. XIIII. beſtimmt leſen zu können. 7
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Sonnabend, den 25. Juli
1835.
fallend große Enden von Hirſchgeweihen, woran zum Theil die Spuren einer Sage ſichtbar ſind, Reſte von Glasgefäßen, darunter eins von drei pariſer Linien Dicke, und außerdem Mehreres von Metall, wie eine eichelartige Verzierung, eine Agraffe (Fibula) u. a. m. Man ſieht aus dieſem Allem deutlich, daß hier Schutt aus den Römerzeiten zu finden iſt).
Noch weit reicher iſt die Ausbeute in dem In— nern der Burg. Bei dem im April dieſes Jahres vorgenommenen Planiren des Straßen-Bodens zum Behufe der Legung eines neuen Pflaſters fanden die Arbeiter zuerſt mehrere Münzen. Einige derſel— ben ſind aus jüngerer Zeit und ſogenannte Kreuz⸗ ober Händelheller frankfurter Gepräges, wie ſie Lersner im erſten Bande ſeiner Chronik von Frank— furt zu Seite 450 auf der erſten Tafel(II, 1. 29 hat abbilden laſſen. Die drei andern, welche mir
) Unmittelbar über dem Steinbruche ſieht man ſehr genau folgende Schichten übereinander, die uns Stoff zu einer kurzen Geſchichte der Stadt abgeben: 10 Felſen als fe— ſter Urboden; hierauf 2 Damm-Erde, welche ſich in; Verlaufe der Zeit über denſelben gebildet; dann 3) Stein— geröll, welches bei Errichtung des römiſchen Caſtrums hingeſchüttet wurde; nun folgt 4) ein mit Scherben ro miſcher Gefäße gemiſchter Grund. Dies iſt demnach der von Römern herrührende Schutt. Auf dem— ſelben folgt wieder 5) Steingeröll, das wohl bei den Befeſtigungs-Anlagen im Mittelalter hierher gekommen ſeyn mag, und über demſelben bildete ſich 6) wieder eine Damm Erde im Laufe der letzten Jahrhunderte. Es bedürfte übrigens keines großen Scharfblickes, um an dite Schichten die Geſchichte des Ortes zu knüpfen.


