Ausgabe 
24.1.1835
 
Einzelbild herunterladen

U.

.

Da es ferner keinem der beitragenden Mitglie-

derr gleichgültig ſeyn kann, wie eine ſolche Verwal r

tung ſtatt findet, wie die Kaſſe ſteht, ſo wünſchten

wir zweitens bei allen eine Veröffentlichung der

Jahresrechnung und eine Commiſſion zur Prüfung derſelben. Iſt dies ja bei andern Anſtalten der Fall; warum ſollte es nicht bei den Wittwenkaſſen geſchehen? Wir ſind überzeugt, daß die Mitglieder viel lieber ihren Beitrag keiſten würden, wenn ſie wüßten, wie die Rechnungen ſtehen.

Endlich wünſchten wir die Stimme verſtändiger Männer darüber zu vernehmen, ob es nicht möglich wäre, eine allgemeine Wittwenkaſſe, nicht allein für alle Staatsdiener, ſondern für alle Staats-

bürger zu errichten? Wenn eine allgemeine Brand

Verſicherungsanſtalt zu gründen möglich war, wozu alle Häuſerbeſitzer gezwungen werden konnten; ſo ſcheint uns die Gründung einer ſolchen Wittwen

aſſe, obſchon nicht ohne Schwierigkeit, doch nicht

in das Reich der Unmöglichkeiten zu gehören. Wie mancher Vater, der jetzt mit Schaudern an ſeinen Tod denkt, würde alsdann beruhigt dem Ende ſei nes Lebens entgegen ſehen können!

An die Redaction.

Unter der Ueberſchrift:

Neues Schulhaus zu Butzbach findet ſich in Ihrem Blatte Nro. 2 d. J. ein Bericht über die bei Gelegenheit der Legung des Denkſteines ſtattgehabten Feierlichkeiten. Referent ſcheint Augen⸗ und Ohrenzeuge des ganzen Herganges geweſen zu

ſeyn, denn ſeine Erzählung iſt im Ganzen richtig; nur das, was er am Ende von den Gaſtmahlen

ſagt, iſt es zum Theil nicht, und bedarf daher einer Berichtigung. Nach Beendigung der Feierlichkeiten am Schul⸗

hausbau begaben ſich die beiden großh. Beamten, die zu dieſem Behufe von Friedberg hierher gekom⸗

men waren, wieder in das Poſthaus, um, weil es grade um dieſe Zeit war, das Mittagsmahl dort einzunehmen. Zu ihnen geſellten ſich noch in gleicher Abſicht, außer dem Geiſtlicheu von Hochweiſel, die beiden hieſigen Geiſtlichen, ſowie der Beigeordnete von hier, wozu noch der Bauaufſeher kam. Aus dieſen wenigen Perſonen, die ſich gelegentlich, ohne

alle Einladung, hier zuſammengefunden hatten, be

19

ſtand die ganze Tiſchgeſellſchaft. Irrig iſt es hier nach, daß auch der Gemeinderath, wie es in jenem Bericht heißt, an dieſem Mahle Theil genommen hätte.

Das Abendeſſen in dem Gaſthauſe zum Stern betreffend, ſo verhielt es ſich hiermit alſo: Einige Glieder des Gemeinderathes, ſowie des Kirchen- und Schulvorſtandes hatten ſich Mittags beim Aus einandergehen am Schulhausbau verabredet, daß ſie Abends zu einem frugalen Mahle im Stern wieder zuſammenkommen wollten, wozu dann ſpäter hin auch noch einige andere Bürger eingeladen wur den, jedoch ſo, daß die ganze Geſellſchaft nicht ſtär ker als 14 16 Perſonen war. Auch hier lag demnach kein Plan zu etwas Ganzem zu Grunde, ſondern auch dieſe Verſammlung mußte als Parti kulargeſellſchaft, vereint um auf ihre Weiſe den Abend hinzubringen, betrachtet werden. Es war mit einem Worte bei Anordnung der in Rede ſtehen den Feierlichkeit auf ein das Ganze ſchließendes Mahl gar kein Bedacht genommen worden, und Niemand, der zu einem ſolchen nicht eingeladen wurde, konnte ſich dadurch für zurückgeſetzt halten.

Man glaubt hiernach nicht, daß die Bürger Butzbachs die bei weitem der Mehrzahl nach an jenem Tage von Gaſtmahlen nicht das Mindeſte gewahr worden ſind getroffen werden können von der durch jenen Bericht veranlaßten Rüge der Redaction, welche allerdings unter andern Umſtan den und unter der Vorausſetzung, unter der ſie, wie man zu glauben geneigt iſt, ausgeſprochen wurde, gerecht hätte ſeyn konnen.

Butzbach, am 13. Jan. 1835.

Die deutſchen Titulaturen. (Auszug aus einer Vorleſung.)

Meine Herren, wir haben viel Schönes und Herrliches von unſern Vorfahren erhalten; aber Schöneres und Herrlicheres gibt es nichts als die Titulaturen, und es ſcheint, als wenn ſie in ihnen die Blüthe ihres Geiſtes und Herzeus(ſie machen beiden gleich viel Ehre) ſo recht hätten zei gen wollen. Denn das werden doch ſelbſt ihre ärgſten Gegner(ſogar das Ehrwürdigſte hat heut zu Tag ſeine Gegner und Anfechter) einräumen müſſen, daß in dieſen Titulaturen etwas wahrhaſc