günſtig iſt, nicht nur dem Boden nach, ſondern auch weil die Lage an dem öſtlichen Abhange des Gebir⸗ ges demſelben die erſten Strahlen der Morgenſonne verleiht, welche das Obſt vorzüglich verlangt. Hoffent⸗ lich werden die Bewohner ſich immer mehr überzeu⸗ gen, daß in dem Obſtbau ihr Reichthum liegt. An ihnen iſb es nun, dieſen Reichthum gehörig zu be⸗ nutzen. f i Außerdem beſitzt Rosbach auch noch viel Wald. In demſelben liegt nach Wehrheim zu, un⸗ weit dem Pfahlgraben, ein etwas über 24 Mor⸗ gen haltendes Stück, die Capersburg oder Cär— bersburg genannt, noch vor wenigen Jahren der Pfarrei, gegenwärtig aber der Gemeinde gehörig. Ueber dieſe Capersburg hoffen wir bei einer anderen Gelegenheit beſonders zu reden, da ſie es verdient,
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daß ihrer weitläufiger Erwähnung geſchieht. Für
jetzt wollen wir unſere Nachrichten über Rosbach ſchließen, und wünſchen uns nur noch für das, was wir gegeben, nachſichtsvolle Leſer.
Gedanken-Spaͤne.
Wer iſt der freieſte Mann?
Der iſt der freieſte Mann, welcher des äuße⸗ ren Zwanges der Geſetze nicht bedarf, um als Menſch und Bürger ſeine Pflichten zu erfüllen.
Wer iſt der ſchlechteſte Mann?
Der iſt der ſchlechteſte Mann, welcher Fröm⸗ migkeit und Tugend zur Schau trägt, und das Laſter bewahrt und nährt in ſeinem Herzen.
Kleine Buͤcheranzeige.
Heſſiſches Volksbuch ꝛc. Von Georg Wil⸗ helm Juſtin Wagner. (Beſchluß.)
Auszuſtellen haben wir an dem Büchlein zuerſt, daß manche der gegebenen Aneedoten und Nachrich⸗ ten zu unbedeutend oder zu wenig paſſend ſcheinen, um als Muſter für einen kräftigen, arbeitſamen,
biederen und unverdorbenen Landmann zu dienen
oder als Merkwürdigkeit der Nachwelt im Munde des Volkes aufbewahrt zu werden.
Schon gleich mit der erſten Erzählung wiſſen wir nicht recht, was anfangen, da ſie mehr Intereſſe für den Verfaſſer als für das Publikum hat. Eben ſo halten wir die Nummern 10, 15, 16, 18 für unbedeutend, die leicht mit weit vorzüglicheren hät⸗ ten vertauſcht werden können. Von den ſpäteren ſind eine Menge noch unbedeutender, wie Nro. 37 5 das weiter nichts enthält, als daß einem Kinde zu Dieburg eine Bohne in die Luftröhre gekommen,
woran es geſtorben ſey, oder Nro. 41, 43 ꝛc. Wie viel könnte man ſammeln, wenn ma et gewaltſamen Todesfalle, der ſonſt nichts Merkwür. diges in ſeinem Gefolge hat, oder jedem Brand, der in einem Dorfe ſtatt hatte, Nachricht geb wollte, und was nützt's der Jugend?— Wir neh⸗ men indeſſen dieſe Nachrichten als Dreingabe für die vielen andern Artikel, welche wir ganz geeign, finden, wie Nro. 2, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 11, 12, 13, u. ſ. w. u. ſ. w. Bei Nro. 31„Gefährliches Sp 10 1 hätte wohl bemerkt werden können, daß jener Knabe Rettig, der Sohn eines Schuhmachers zu Gießen, welcher von ſeinen Kameraden aufgehängt, nahe daran war, durch das gefährliche Spiel ſein Leben zu verlieren, gegenwärtig Profeſſor der Theologie zu Zürich iſt. Zu Nro. 35 wollen wir nachträglich hinzuſetzen, daß der Knabe zu Bingen, welcher ſo heldenmüthig mit dem Fremden, der ſich in's Waſſer geſtürzt, zu deſſen Rettung gerungen, von dem Augen⸗ blicke ſo mächtig ergriffen wurde, daß er leider in 1 der Folge die fallende Sucht bekam. Einſender die⸗ 1 ſes ſah ihn einige Jahre ſpäter in dieſem traurigen Zuſtande. i 5 9 Wenn es der Raum geſtattete, hätten wir wohl Luſt, eine und die andere der gegebenen beſſeren Ine Erzählungen unſern Wetterauern zu Liebe mitzuthei⸗ Nicht len. Vielleicht geſchieht's ſpäter einmal. 5 Die ſchwächſte Seite des Büchlein ſcheint— 0 in der dritten Abtheilung zu liegen. Es klingt ſchon gar ſonderbar, wenn vornen eine„Geſchichte von Heſſen kommt, gleich darauf„Bruchſtücke aus der Geſchichte/ und dann„Kriegsereigniſſe“ von Heſſen gegeben werden. 5. 1 Wie wir ſchon bei der ſichtbaren Bekanntſchaft des Verfaſſers von ſeiner Umgegend, eine genauere Kenntniß der entfernteren Gegend, beſonders von Oberheſſen vermißten, ſo vermiſſen wir hier gauz beſonders Vertrautheit mit ſolchen Schriften, die ihm von nöthen waren. Wie viele herrliche Muſter von Frömmigkeit, Heldenmuth, Fleiß ze. finden wir in den früheren Zeiten unſeres Volkes; wie Manches der Art enthalten ſelbſt unſere alten Chroniken! Wie manche beſondere Gebräuche und Sitten finden wir hier und da in den Weisthümern, deren wir ſo viele noch beſitzen, daß Grimm in ſeinen deutſchen Rechtsalterthümern mehr als 50 allein aus unſerm Großherzogthume Heſſen anführt, die er für ſein Werk benutzt hatte! Wie manches Bemerkenswerthe geben uns die Geſchichten dern Städte unſeres Landes?— Von dem Verfaſſer eines ächten Volksbuches verlangen wir das alles benutzt und mit Fleiß und Umſicht geſammelt, ohne daß man darum der Sache das Gelehrte anzuſehen braucht. Ein ſolches Buch aber zu ſchreiben, iſt(17 nicht leicht, und fordert den Sammlerfleiß von zehn, zwanzig Jahren, der unſern Büchern abzugehen ſcheint.
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