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ſchön geſchmückte Catafalk, der auf alle Gemüther einen mächtigen Eindruck machte, und den Anweſen⸗ den den Wechſel und Unbeſtand alles Zeitlichen zurief.
Der feierliche Trauergottesdienſt begann mit einem— das Gemüth ergreifenden Trauer-Chorale, welcher unter Mitwirkung des in Frankfurt garni⸗ ſonirenden k. k. öſterreichiſchen Muſik-Corps meiſter⸗ haft ausgeführt wurde. 8
Herr Pfarrer Eckrich von Obererlenbach hielt darauf eine angemeſſene Trauerrede, ſchilderte in klarem Vortrage die rühmlichſt bekannten Tugenden und Verdienſte des hingeſchiedenen letzten deutſchen Kaiſers mit Nutzauwendung des bibliſchen Textes: „Ich habe einen guten Kampf gekämpfet, die Lauf⸗ bahn vollendet, und den Glauben bewahret“, II. Timoth. 4. 7., und erwarb ſich durch ſeine prunk⸗ loſe und herzliche Rede den ungetheilten Beifall.
Auf die Trauerrede folgte das hohe Amt, welches Herr Pfarrer Eckrich und zwei benachbarte Herren Geiſtliche, Herr Pfarrer Bertram zu Vil⸗ bel und Herr Pfarrer Caſtello von Holzhauſen, durch einen reinen und ergreifenden Choral⸗Geſang verherrlichten.
Die während des ganzen Gottesdienſtes be— ſtandene lobenswerthe Ordnung und die von Seiten des gräfl. von Ingelh. Herrn Rentmeiſters Ehehalt rühmlichſt bewieſene Sorgfalt zur Verherrlichung des Feſtes, ſo wie der von Seiten des Ortsvorſtandes und aller Bewohner gezeigte Anſtand gegen alle Anuweſenden verdienen noch beſonderer Erwähnung, und beweiſen deutlich, daß die Gemeinde Obererlen⸗ bach nicht nur ihre alte Liebe und Verehrung gegen
Misbräuche während deſſe
feſtes. Daß aber in baue Zeiten oft gewaltige N ben ſtatt fanden, iſt viel x,;
leicht nicht jedem bekannt. Unſere Vorfahren, welche
auf feine äußerliche Zucht hielten, ſahen ſtrenge,
daß die Faſten gehalten wurden. Die Tage von Aſchermittwoch bis Oſtern waren allgemeine Trauer⸗ tage, und an dem Tage der Kreuzigung Chriſti ſollte der Schmerz ſo recht ſichtbar gemacht werden. Keine Glocke ertönte, kein Schornſtein rauchte. Um
ſo fröhlicher war dagegen das Volk am Oſtertage,
und dieſe Freude mußte dann auch in der Kirche
bemerkbar ſeyn. Am beßten glaubte man dies durch 1
Aufführung von Comödien zu bewirken. In jeder
Kirche fand eine ſolche zur höchlichen Beluſtigung
des jungen und alten Volkes ſtatt. Nach und nach wurde aber damit ein ſolcher Misbrauch getrieben, war oft der ſchändlichſte Unfug gerade an der ge⸗ heiligten Stätte, daß die Obrigkeit ſolches Aergerniß nicht mehr duldete. An mehreren Orten wurden die Oſter-Comödien ſchon mehrere Jahre vor der
ſelbſt proteſtantiſchen, dauerten ſie bis zum ſieben⸗ zehnten Jahrhundert fort. noch im Jahr 1597 in der Kirche Comodien aufge⸗ führt. Ob damals auch noch Oſterfeſtſpiele, iſt Einſender dieſes nicht bekannt. 5
Wie feiern aber wir die Oſtern?
Friedberg.
Wer unſer Friedberg in zehn Jahren nicht ge⸗ 10
ſehen hat, der erkennt es an manchen Orten kaum
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Reformation verboten. An anderen dagegen, und 1
In Friedberg wurden
das gräflich von Ingelheim'ſche Haus bewahret, ſondern auch keiner religiösgebildeten Gemeinde nachſtehet.
Möge daher das ſchöne Feſt ſeinen guten Zweck nicht verfehlen, und in den Herzen aller Verehrer des ſelig geſtorbenen Kaiſers Franz J. eine aufrich⸗
tige Gottes- und Bruderliebe erwecken, dann würde gewiß das theuerſte Vermächtniß des erhabenen Regenten,„ſeine Liebe, auf alle jene übergehen, die nach ſeinem erhabenen Beiſpiele wandeln.
wieder; ſo ſehr hat es ſich hier und da verändert — und verbeſſert, kann man mit Recht ſagen. Dieſe Verbeſſerungen verdanken wir großentheils unſerm thätigen Bürgermeiſter, ſo wie dem übrigen Vorſtande der Stadt. In unſern Nebengaſſen war's ſonſt faſt nicht durchzukommen; jetzt ſind ſie faſt alle gepflaſtert oder chauſſirt. Eine— obgleich noch AN etwas ſparſame Beleuchtung haben wir ſeit einigen 1 Jahren auch. Die Hauptwege außerhalb der Stadt ſind auch chauſſirt. Hier und da kann man ſchon an Verſchönerung denken; wenigſtens wird mite Spaziergängen der Anfang gemacht. Was die Stadt durch Entfernung einiger Häuſer am mainzer und fauerbacher Thore gewonnen, ſieht jeder Fremde; eben ſo ſichtbar iſt, um wie vieles die Straßen
Oſterfeſtſpiele. Die Leſer unſers Intelligenzblattes wiſſen ſo gut wie Schreiber dieſes die Bedeutung des Oſter⸗


