ueber den alten Umfang der Stadt Friedbeig. d
Vor einigen Tagen fand ſich in einem vor dem mainzer Thore von Friedberg gelegenen Garten ein gewölbter Keller, der wohl von einer früher daſelbſt geſtandenen Wohnung herrührt, welche wahrſchein⸗ lich durch einen Brand untergieng, da man im Junern Kohlen fand. Es gab dieſes Auffinden des Kellers Veranlaſſung zu mancherlei Vermuthungen und Betrachtungen über die Größe und den bedeu⸗ tenden Umfang, welchen die Stadt vor den gewalti⸗ gen Feuersbrünſten im Jahr 1383 und 1447 gehabt haben ſoll.
Der Unterzeichnete benutzt dieſe Gelegenheit, ſeinen Mitbürgern hierüber einſtweilen Folgendes mitzutheilen, was ſich nur allein auf urkundliche Nachrichten ſtützt. Vielleicht findet er in ſpäteren Zeiten mehr Muße als jetzt; er wird dann ſeinen längſt gefaßten Plan auszuführen ſuchen, aus den vielen Materialien, die er ſeit mehr als 16 Jahren geſammelt, ſeinen lieben Landsleuten eine Geſchichte von Friedberg zu geben, worin er das, was hier nur kurz angedeutet werden kann, weiter auseinan⸗ der zu ſetzen hofft.
Alles, was ſich bisher hat auffinden laſſen, deutet darauf hin, daß die Burg älter iſt, als die Stadt, und aus den Trümmern eines römiſchen Caſtells ſich erhob. Eben ſo werde ich durch Urkun⸗ den, welche wir beſitzen, zu beweiſen ſuchen, daß der Umfang der eigentlichen Stadt lange vor jenen Feuersbrünſten nicht größer war, als er jetzt iſt, daß man aber, als in den Zeiten ihrer Blüthe ſich eine bedeutendere Menge von Menſchen herzu— drängte, frühe ſchon genöthigt wurde, vor der Stadt ſich anzuſiedeln, und daß ſo nach und nach mehrere bevölkerte Vorſtädte entſtanden.
Folgendes liefert hierzu den Beweis: Schon im Jahr 1293 geſchieht der Vorſtadt und der Mauern zum erſten Male urkundlich Erwähnung; nur iſt nicht angegeben, welche Vorſtadt darunter zu verſtehen ſey. Doch bleibt das gewiß, daß die Vorſtadt zum Garten darunter nicht begriffen iſt, weil ſie zur Burg gehörte. Der Kaiſer Adolph von Naſſau gab damals der Stadt das Privile⸗ gium, daß die Bewohner der Vorſtadt mit den Bewohnern innerhalb der Mauern der Stadt gleiche Rechte haben, aber auch gleiche
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Verpflichtungen mit denſelben tragen müß⸗ ten.(Die Urkunde liegt in dem Stadt⸗Archiv, iſt aber noch nicht ganz, ſondern nur theilweiſe gedruckt in Wagner Schediasma de vita Adolphi regis. 1775. Folg. Es beſteht dieſes Werk aus einigen Schulprogrammen.) Zehn Jahre ſpäter geſchieht abermals der Stadtmauer in einer bis jetzt auch noch ungedruckten Urkunde Erwähnung. Im Jahr 1304 erklärt nämlich Bruder Reinhardt, der Gardian der Minnerbrüder(des ſ. g. Barfüßer⸗ Kloſters), daß er von der Stadt die Erlaubniß erhalten habe, ſich ein Pförtchen durch die Stadt⸗ mauer in dem Kloſtergarten, welchen ihm König Adolph gegeben, zu brechen, unter der Bedingung, daß es, wenn Krieg(Vrlouge; auf holländiſch heißt noch jetzt Orlog der Krieg) entſtünde, zuge⸗ mauert werden könnte. Der Barfüßer⸗Kloſtergarten lag weſtlich von der ſ. g. Freiheit, und war da, wo jetzt der Preuſſer'ſche, Fritz'ſche und Groß'ſche Garten iſt; demnach iſt die Gegend jenes Pförtchens leicht aufzufinden.— Eine andere Urkunde aus dem Jahr 1343 theilt uns über die Stiftung der Leonhards Kirche(der jetzigen ſ. g. Todtenkirche) das Nähere mit. Es wird dabei ausdrücklich be⸗ merkt, daß dieſe Kirche vor dem mainzer Thore (extra portam Moguntinam) liege; Beweiſes ge⸗ nug, daß unter dieſem Thore kein anderes gemeint ſey, als das im Jahr 1827 abgebrochene, da das alte Kirchengebaude noch ſteht.— Eine weitere Urkunde von 1346 erwähnt der beiden Capellen, nämlich der des h. Leonhard und der h. Barbara, als außerhalb der Stadtthore liegend(extra portas opidi Frideberg). Auch hierdurch wird bewieſen, daß die eigentliche Stadt damals ſowohl gegen das mainzer als gegen das fauerbacher Thor hin ſchon ihren jetzigen Umfang hatte.— Zu eben dieſer Zeit muß wohl die Stadtmauer einer Reparatur bedurft haben, denn laut eines Briefes von 1346, in deſſen Beſitze die Stadt iſt, ertheilt Kaiſer Ludwig der Bayer den Bürgern der Stadt Friedberg auf vier Jahre Nachlaß der
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) Die erſtere Urkunde iſt in Würatweln dioc. Mog. Tom. III pag. 37 abgedruckt. Die letztere iſt ungedruckt und* befindet ſich im alten Privilegien⸗Buche der Stadt. 0 Die Barbara⸗Capelle lag bekanntlich vor dem fauerbacher Thore.
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