Ausgabe 
15.8.1835
 
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M33.

Aus der Wetterau. (Mitte Auguſt.)

Für diejenigen unſerer lieben Leſer, welche etwas entfernt von uns wohnen, und doch gerne wiſſen wollen, wie's bei uns gegenwärtig ſteht, fühlen wir uns verpflichtet, Folgendes mitzutheilen.

Unſere Winterfrüchte ſind zum Theil ſchon ein⸗ gethan, zum Theil finden ſie ſich noch in Haufen 9 auf dem Felde. Im Ganzen dürfen wir über

dieſelben nicht klagen, obgleich die Erndte hier und da nur mittelmäßig, an manchen Stellen durch benen Mäuſefraß ſogar ſchlecht ausfällt; der n. Hein, Kern iſt vortrefflich, was ſich auch bei den vielen 4 Sonnentagen erwarten laßt. Viel geringer ſtellt Katha, ſich der Gehalt der Sommerfrüchte, die um einen A tüchtigen Regen zu guter Zeit zu kurz kamen. Hier ohn: Johan U und da laſſen ſich die Kartoffeln ziemlich gut an, beſonders zunächſt um Friedberg, wo ſie vor etwa drei Wochen einen durchweichenden Regen bekamen. An Fütterung iſt dagegen großer Mangel, und an

den 1b,* 40 Grummet iſt gar nicht zu denken, indem ungenieß⸗ 0 bare Rainpflanzen die Wieſen faſt überall, wo nicht

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und F. N angezeigt.

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urin alt. gewäſſert werden kann(und das iſt ſelten der Fall),

die Stelle der Futterkräuter eingenommen haben; tian eln andere Platze ſind ganz dürr. An mehreren Orten 8 1 iſt der Waſſermangel ſehr drückend, was wir recht

b. K gerne ertragen wollten, wenn wir, wie unſere Rhein⸗ ih n bewohner, ſtatt des Waſſers Wein bekämen. Aber wir bekommen nicht einmal Aepfel; nur hier 0 0 und da finden ſich Bäume, von welchen man ernd⸗ 9 ten kann. Einige Gebirgsbewohner der Nachbar⸗ ſchaft ſind recht übel daran; ihre Bäche ſind ganz

Sonnabend, den 15. Auguſt

Intelligenzblatt

a für die

51'opinz(Dberhessen

N g im Allgemeinen, * den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen. r

1835.

trocken, und wenn ſie ihre wenigen u Früchte mahlen wollen, müſſen ſie viele Stunden weit fahren, und können dort nur mit genauer Noth noch umtauſchen, oder verſaͤumen gerade jetzt in der dringendſten Zeit eine ganze Woche. Unſere armen Ziegenberger z. B. mit ihren Nachbarn jammern uns wahrhaft; ihr Usbach ſteht ganz trocken, und ihre Müller können dort jeden Tag ſpazieren gehen. Am ſchlimm⸗ ſten ſteht's aber mit ihrem Vieh, das nicht allein auf den Höhen, ſöndern ſogar in den Tiefen keine Weide, faſt kein friſches Grashälmchen mehr findet.

Aberder alte Gott lebt noch, und menſchen freundliche Herzen wird's in der Wetterau auch noch geben, wenn's ſchlimmer werden ſollte.

Bauernheim.

Die kleinen Dörflein haben auch ihre Geſchichte; welche zwar gewöhnlich ſehr kurz, aber für den Menſchenfreund oft erfreulicher lautet, als die von mancher großen Stadt, wie der geneigte Leſer ſich hier gleich überzeugen kann.

Dreiviertel Stunden von Friedberg liegt unweit. der Wetter an einer unbedeutenden Anhöhe, umge⸗ ben von fruchtbaren Obſtbäumen, das dem Grafen von Solms⸗Rödelheim zuſtehende Dörfchen Bauern. heim, in welchem man die ſogenannten Mahn zettel faſt nur dem Namen nach kennt, und ven Auspfändungen ſehr wenig weiß. Trotz dem ſind dort die Leute ſehr geſund, und vor einigen Jahren trug's ſich zu, dag man am Schluſſe dre