Obſtbaumzucht und zur Erlernung der Behandlung der Bäume eine Muſterbaumſchule an dem Sitze des Schullehrer⸗-Seminars errichtet und die Seminariſten zuweilen in ihren Erholungsſtunden dabei beſchäftigt werden möchten, damit ſie Liebe für den Obſtbau und Geſchick dazu erhielten, und beides wieder der Jugend ihrer Gemeinde mittheilen könnten. Wie der Herr Wirth„zum guͤldnen Kalb⸗ noch einmal geprellt wird.)
Der Herr Wirth„zum güldnen Kalb hatte gerade ſein Mittagsſchläfchen in dem Großvater⸗ ſeſſel gehalten, der neben dem Ofen ſteht und eine ganz beſondere ſchlafbringende Kraft beſitzt, als ein wohlgekleideter Fremder Schöppchen verlangte. Der Fremde ſah ſo vor⸗
nehm aus, daß der Herr Wirth erſt im Keller ſich
die Zeit nahm, ſeine gehörige Portion zu gähnen und den Schlaf aus den Aeuglein zu reiben. Kaum hatte er dem Fremden das Schöpplein mit „Wohl bekomm's Ihnen“ auf den Tiſch geſtellt, als zwei andere Herren kamen, die noch vornehmer ausſahen und eine ganze Flaſche„guten Weißen verlangten. Als er damit zurück kam, fiengen die Fremden an, Bekanntſchaft zu machen. Der geneigte Leſer weiß ja, wie die geiſtreichen Redensarten heißen. „Es iſt heute ſchön Wetter“ und„aufzuwarten
und„es ſteht alles recht gut im Felde, und„wäre
nur die frankfurter Meſſe ſo gut.“—
Von der frankfurter Meſſe an war man ein⸗ ander ſchon näher gerückt, und eben ſollte das Klaglied über dieſelbe weiter fortgeſetzt werden, als die beiden Nachgekommenen an der Hand des erſten Herrn einen glänzenden Ring bemerkten.—„Ein koſtbarer Ring“ ſagte der Eine,„der wäre meine Liebhaberei“, der Zweite.—„Es iſt wahr /, be⸗ merkte der Beſitzer,„der Ring iſt gut und ächt.“— „Das ſieht man ihm an“, meinte der Zweite, ich verſteh' mich auch ein wenig drauf.„Iſt Ihnen der Ring feil?“—„Warum nicht? wenn er gut be⸗ zahlt wird.“—„Was verlangen Sie für den Ring?“—„Für zwanzig Karolins iſt er mir feil.“
Der Herr Wirth war unterdeſſen ſchon ſo vor— gerückt, als es ſeine Wohlbeleibtheit zuließ. Jetzt, als er von 20 Karolins hörte, that er ſein Uebri— ges und rückte mit der Maſchine ſo nahe, daß die Augen Breſch ſchießen konnten. Soviel war ſein Brautring lange nicht werth, ob er ihn gleich„ganz
) In Wagners Volksbuch Seite 62 ſteht zwar eine Ge⸗ ſchichte, die ſich bei Schotten ereignete und mit der unſri⸗ gen viele Aehnlichkeit hat; wir können aber der Wahrheit gemäß bezeugen, daß die unſrige ein gutes Theil älter und nicht ſo nahe am Vogelsberge zu Haus iſt als jene. Nö⸗ thigen Falls rufen wir den Herrn Wirth zum güldnen Kalb ſelbſt zum Zeugen der Wahrheit an.
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vernommen haben, daß nämlich zur Förderung der
„Sie geben dem Herrn Ihren Ring; der H
hereintrat und ein
dick von Gold beſtellt hatte.„Zwanzig Karolin iſt viel Geld“, ſagte nach einigem Beſinnen de 5 77 Liebhaber; indeſſen wäre ich nicht abgeneigt, ihn Be kaufen, wenn ich bereits meine Gelder eingezogen hätte, die ich in der Nachbarſchaft einzukaſſiren habe
Bleiben Sie vielleicht einen Tag hier, ſo könne wir die Sache ordnen.“—„Das iſt nicht möglich verſetzte der Ring⸗Mann;»ich habe meine Waare bereits vorangeſchickt mit meinem Wagen, und dar ihn nicht lange allein laſſen.“—„Es ließ ſich ohne das machen“, meinte der unpartheiiſche Er
Wirth ſchießt das Geld vor bis morgen, und be den Ring ſo lange in Verſatz.“—„Ich kann daß dem Herrn Wirth nicht zumuthen“, ſagte der Lie haber, da er weder mich noch den Ring kenn Indeſſen gibt's doch einen Ausweg; ich laſſe ihn meine goldne Uhr Dabei in Verſatz.“— Und dam zog er eine gewaltige Uhr mit einer langen K und einem großen Spektakel dran(die Herren na ten's Berlocken) aus der Taſche.
Mehr bedurfte es nicht, um den Herrn W
zahm zu machen. Mit Vergnügen holte er di 0 zwanzig Karolins aus der Truhe, und empfieng 9 dafür den herrlichen Ring mit ſeinen koſtliche 8 Steinen und die prächtige goldne Uhr. So was de der Handel gemacht, und als auch der Wein bey) zahlt war, empfahlen ſich die Fremden, der Ein N
bis über's Jahr, die beiden Andern aber nur bid! morgen. Noch im Scheiden bemerkte der Fremde, dem die Uhr gehörte, der Herr Wirth möchte ſie ja nicht in's Feuchte legen, und morgen ein gutes Mittageſſen bereit halten; ſie würden bei gehöriger Zeit wieder da ſeyn. 77 Wer aber nicht kam, waren die zwei Herren Der Herr Wirth wartete den ganzen Tag und die e ganze Woche und den ganzen Monat und das gau Jahr umſonſt.„Aber was liegt mir dran, ſchmu zelte erz hab ich doch den koſtbaren Ring und die goldne Uhr.“— 1 In dieſer ſtillen Selbſtzufriedenheit lebte er ſo
lauge, bis der Herr Uhrmacher einmal Sonntags 8 bei ihm einkehrte, dem er die Sächelchen zeigte 21! Als der die Dinge nur ein wenig betrachtet hatte, r, gab er ſie ihm wieder zurück mit den Worten ple „Herr Wirth, der Ring iſt falſch und keine zwanzig(tent Batzen werth, geſchweige zwanzig Karolins. Bie
Uhr iſt auch nur verguldet nebſt der Kette und ich! den Berlocken. Sechs Gulden mag ſie aber doc, gekoſtet haben.“
Der Herr Wirth war nahe daran, einen Schlagfluß zu bekommen; die Fremden aber erſchie⸗
nen nimmer wieder, um ſie einzulöſen, und an(22 Ende fand ſich's, daß das drei abgefeimte Gauner, bene Kameraden waren, die nur des Herrn Wirths wegen Etbſ ſo fremd gethan hatten. J dtari


