und ſo lange verfolgten, bis er in der Verzweif— lung 75 um der unangenehmen Umgebung los zu werden, ihnen etwas darwarf. Nach und nach verlor fi ch hier und da dieſe Belagerung, und es ſchien, als wollte ſie bald ganz verſchwinden und als ſollte der Fremde endlich ungeſtört reiſen dürfen.
Seit einiger Zeit aber beginnt der Unfug von Neuem. Schreiber dieſes wurde kürzlich auf der Straße zwiſchen Vilbel und Butzbach, namentlich zu Ober⸗ woͤllſtadt mehrmals von einer Heerde acht- bis
wölfjähriger Knaben ſo arg und ſo lange heimge⸗ 1 7 daß endlich der Kutſcher, des Unfugs müde, dieſelben mit der Peitſche forttreiben mußte. Es geſchah nun, was zu erwarten war; die bereits alles Schaamgefühls baren Knaben fingen nun an, von Weitem auf die gemeinſte Art zu ſchimpfen und ſo 1g ſchaͤndliche Gebährden zu machen, daß es wahrhaft empörend war.— Sie ſind aber ſchlau genug, dieſe Knaben, die rechte Zeit wohl wahrzunehmen; ſobald ſich ein Gensd'armes in der Nähe zeigt, verſchwin⸗ den ſie in ihre wohlbekannten Schlupfwinkel.
Wie iſt dem Uebel abzuhelfen? Könnte man nicht unmasgeblich die Bürgermeiſter dafür verant⸗ wortlich machen? Sollte man nicht den Eltern bei⸗ bringen konnen, wie nachtheilig für die Sitten ein ſolcher Unfug iſt, und wie leicht aus einem ſolchen
1 jungen Straßenbettler ein alter Straßenräuber wer—
den kann? Von dieſer Seite betrachtet, wird es aten ſchon eines jeden Reiſenden Pflicht, niemals einem erz Hat] ſolchen Knaben ein Almoſen zu verabreichen, weil 99 jede Gabe zu neuen Betteleien ſpornt und von Ar⸗ 4 beitſamkeit und Schulbeſuch immer mehr entfernt. erz
Ein Reiſender.
vorſchützen
ſienge ihrt
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uur Schul Born oder Brunnenbuͤcher.
am be; Die Reinigung der Brunnen zu Friedberg, wel—
fir das che bekanntlich eine ziemliche Tiefe haben, war von alten Zeiten her für die Nachbarſchaft eine Pflicht,
3. und wurden alljährlich für jeden zwei„Bornmei⸗
ſter“ gewählt, welche die Aufſicht hatten über die Brunnen und zugleich Rechnung über Einnahme und Ausgabe führten in gewiſſen Büchern, die man
uc de Brunnen bücher nannte. den Duff Wir wollen unſern Leſern ein Paar Nechnun— felgen zen aus einem ſolchen alten Brunnenbuche zur Er⸗
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göͤtzlichkeit vorlegen. Sie werden daraus erſehen, daß man dabei nicht vergaß, jedesmal was übrig blieb in Fröhlichkeit miteinander zu verzehren, damit die Rechnung hübſch leicht zu führen war.
Erſte Rechnung.
Ao 1602 haben beyde Bornmeiſter Ambro⸗ ſius Heller und Hanß Seipp ihre Rechnung gethan wie folgt
e Innahme 2 fl. 9 ß(Schilling) 7 hl. Feggeldt bei den Bur⸗ gern von 65 Heerdtſteden zu 1 Alb. aufgeho⸗ ben worden 1 fl. 15 ß bei den Juden wie hiebevor verzeichnet erhoben worden 8 vom Seil erhoben, ſo zum Bardtbrunnen ge⸗ braucht worden Summa Innahm thut 4 fl. 8 ß 7 hl. Ausgab 1 ß 5 hl. für ein Nagel in die Roln 1 ß̃ für Schmer zuen Roln 7 hl. für zwo ſchlieſſen zuen Roln 10 f für 1 ½% Acht mes Brandtwein vndt Weck ſo zum Anfange des Brunnenfegens iſt geholt worden 4 ß einem in den Brunnen zu fahren vndt zu fegen geben 4 hl. für ſchmer zur großen lorn ſo zu Außfegen gebraucht worden, geben Summa Ausgabe thut 17 ßf̃ 7 hl.
Innahm ondt Ausgabe gegen einander vergli— chen vbertrifft Innahm die Ausgabe in 3 fl. 15 f iſt bey der Geſelſchaft desmal in frölich— keit vffgangen.
Heut den Aten Septembris Anno 1628 haben des Ihars geweßene Bronnenmeiſter mit nahmen Herr Engelbrecht Weylandt vnnd Nielaß Bopp vor der Nachparſchaft ihre rechnung gethan vnnd hat Innahm die Außgab vbertroffen mit 5 Reichsthlr und 2 Kopfſt. welcher Vortheil alſo balt durch eine Ehrliebende Nachparſchafft in Frölichkeit bey Johann Eobalden dem Jüngern verzehrt worden. 5
Wir wollen auch noch aus ſpäterer Zeit eine Rechnung beiſetzen.
Rechnung über Einnahm und Ausgabe au St. Catharina Brunnen von 1763 bis 1764 von beyden Brunnen⸗Meiſter Joh. Henrich Hermann als Aelterer und Andreas Melchior als Jüngerer


