Ausgabe 
10.1.1835
 
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Nachdem nun noch, nach Handwerksſitte, der Kreis⸗ baumeiſter, der Kreisrath und der hieſige Maurer⸗ meiſter Debus, welcher die Maurerarbeit an dem neuen Schulhauſe uͤbernommen, durch drei Hammer⸗ ſchläge auf den Denkſteln den Bau gleichſam beſie⸗ gelt, ſangen die Schulkinder noch einige Strophen von dem vorhin erwähnten Liede. Der zweite hieſige Geiſtliche, Pfarrer Hammann, ſprach dann ein Dankgebet, nach deſſen Beendigung die ganze Ver ſammlung in das Lied: Nun danket alle Gott dc. einſtimmte. Ein Segensſpruch, gleichfalls von dem zuletzt genannten Geiſtlichen geſprochen, beendigte eine Feier, welche in dem Andenken aller Anweſen⸗ den gewiß noch lange fortdauern wird.

Nach Beendigung der Feierlichkeiten. verſammel⸗ ten ſich die oben genannten großherz. Beamten, die hieſigen Geiſtlichen, der Gemeinderath ꝛc. in der

Poſt bei einem Mittagsmahle, ſowie des Abends

die meiſten Mitglieder des Kirchen- und Schulvor⸗ ſtandes im Gaſthauſe zum Stern dahier zu einem Abendeſſen. Bei beiden, zur Verherrlichung des

ſchoͤnen Tages veranſtalteten Mahlen herrſchte recht

viel Heiterkeit.) * Ty 2.

Die Zeiten des dreißigjährigen Krieges. Vierte Gabe. (Aus dem Jahr 1632*).

Den 6. Martii kam ein Oberſter des Nachts umb 12 Uhr vor das onderſte Vſer thor(zu Fried⸗ berg) mitt ettlichen wagen, gab ſich vor den Och ſen ſtirn auß, hiebe daſſelbe uff, wolt quartir in der ſtatt machen: blieb in der Bſer gaſſen, des morgens zog er durch die ſtatt, macht ſich gar unnütz vnd wolte es der Statt gedenken.

8 Maji haben 2 Schwediſche Conſtabler vnd

*) Das alles iſt recht erfreulich; weniger erfreulich aber war uns eine andere Mittheilung, daß man nämlich vergeſſen babe, zu dieſen Gaſtmahlen auch die Lehrer zuzuziehen. Bei einer ſolchen Gelegenheit hätte man gerade ſie am we⸗ nigſten vergeſſen dürfen. Butzbach hat ja ſonſt manche wackere Bürger; warum ſuchen ſie nicht eine Ehre darin, ihre Lehrer zu ehren, denen ſie doch ihr Liebſtes anvertraut daben? Die Redaction.

**) Aus(Molther) Chronik S. 306, zwar äußerſt un⸗ leſerlich geſchrieben, daher auch mehrere Wörter zweifelhaft und faſt nur zu rathen, aber dennoch nicht unintereſſant für den Geſchichtsfreund.

5 1 ö * 7 89

der Ober Schultheiß von Hanaw ettliche Stück auß

der Burg von Thürmen vnd Mauern gethan:

J) Eine halbe Carthaune mitt Fiſchſchuppen daruff der Ritter St. Gorg, vnd dieſſe Jahrzahl 1510(2), auch dieſſe reimenHilf Ritter S. Jörg auß noht, wo vns Hielff von nöthen thut. Oben herumbMeiſter Steffen von Franckfurt.

2) Eine halbe Carthaune daruff 1506. Oben herumbSchel(2) heiß ich: mitten:Hanß fiſcher /: undenBingen(2) goß mich.

3) 5 Falkonetlein einer Form mitt eim Adler ohne jarzahl. 5

4) 1 Falkonetlein mitt einem Wappen 1503.

5) 1 Falkonetlein, daran ein Fendrich vnd 1528.

6) 1 Falkonetlein, daran 1519.

7) 2 kleine meſſene(2) pff rädern.

8) 40 Tonnen pulver. 0

9) ettliche Wagen mitt kugeln.

10) ettliche Stucke ohne räder. ä

Den gten nach Frankfurt geführt, haben 2 ſtuck' bei der wahrt loßgeprant. N

Den 12 Maji ſeind Hartman zur Sonne 2 pferd außgeſpant von des jungen L. Moritzen(Land⸗ grafen Moritz von Heſſen⸗Caſſel) geſind, dieweil man ihnen alhie kein quartier geben wollen.

(Fortſetzung nächſtens.)

Türkiſche Gerechtigkeit.

Sie ſteht ſonſt nicht in ſehr gutem Rufe; doch gibt's auch Ausnahmen, wie der Leſer aus folgen⸗ dem Geſchichtchen erſehen kann, das wir vor Kur⸗ zem in einem Buche gefunden haben.

Zwei Chriſten machten ſich miteinander auf den Weg von Salonika nach Janina(les war zur Zeit des berüchtigten Ali Paſcha, der uns Aelteren aus den Zeitungen noch ziemlich bekannt iſt), und einer derſelben, dem das Geld ausgieng, ſah ſich in der Nothwendigkeit, ſeinen mitreiſenden Freund zu erſuchen, ihm eine anſehnliche Summe zu borgen. Dieſer verlangte keine Bürgſchaft für die Wiederbezal des Geldes, indem er ſich auf das wörtliche rechen ſeines Freundes verließ, daß er die Schu werde. Endlich er

Schuldner zeigte ſich hier ſo undankbar und ſo un⸗ gerecht, daß er nun gar nichts davon wiſſen wollte, je einen Heller Geldes von ſeinem Freunde empfan⸗

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Ziel der Reiſe heimbezahlen. en ſie Janina; aber der