Ausgabe 
2.5.1835
 
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Marienſchloß, einſt und bis zum Jahr 1803 ein Ciſterzienſer-Nonnenkloſter, gegenwärtig eine Staats-Strafanſtalt. Ueber ſeinen Urſprung weiß der Geſchichtſchreiber unſeres Landes, Schmidt, nichts anzugeben. Dagegen bemerkt eine im Jahr 1774 unter dem Abte Bernhard von Arnsburg bei Gelegenheit des ſechshundertjährtgen Jubiläums erſchienene Schrift), das Kloſter ſey unter dem Abte Gerlach im Jahr 1330 von Johann von Rockenberg gegründet worden. Die Quelle, wo raus dieſe Nachricht geſchöpft wurde, iſt zwar nicht angegeben; indeſſen läßt ſich an der Aechtheit der ſelben um ſo weniger zweifeln, als die Schrift un ter den Auſpicien des Abtes herauskam, und die Aebte von Arnsburg das Viſitationsrecht von Ma⸗ rienſchloß bis zur Auflöſung hatten. Daß dieſem Kloſter Marienſchloß die Kirche zu Rockenberg gehörte, daß im Jahr 1368 die Aebtiſſinn, Schwe⸗ ſter Getzele, auf den Kirchenſatz zu Oppershofen verzichtete, daß im Jahr 1466 der Erzbiſchof Adolph von Mainz bei einer Viſitation die Nonnen wegen ihrer Verſchwendung und Ausſchweifung verjagte und andere einſetzte, daß endlich im Jahr 1678 dieſes Kloſter das ärmſte von allen geweſen, iſt anderwärts ſchon erzählt worden*). Hier fügen wir nur die hiſtoriſche Notiz bei, daß das Kloſter im Jahr 1803 mit Rockenberg an Heſſen fiel und bald darauf als ſolches aufgehoben wurde. Das Grabmal der letzten Vorſteherinn Edmund a Dietz, geboren im Jahr 1754 und geſtorben 1827, ſteht auf dem Kirchhofe zu Rockenberg unweit dem der 1825 verſtorbenen älteren Schweſter, der Maria Cäcilia Dietz, der letzten Priorinn des adeligen Kloſters Oehlinghauſen in Weſtphalen.

Bandes ſeiner Geſchichte von Heſſen, und daraus ſchöpfte zum Theil Wagner den im Zten Bande ſeiner Beſchreibung des Großherzogthums Heſſen gegebenen Artikel. Wer ſich von dem gegegenwärtigen Zuſtande von Marienſchloß ge⸗ nau unterrichten will, dem empfehlen wir ein im Jahr 1833 unter dem Titel:Gelegenheits⸗Gedichte und Eini⸗ ges aus meinem Leben von Ph. Freſenius erſchienenes Werkchen, welches neben ganz unbedeutenden Gedichten eine ſehr ausführliche und gründliche Beſchreibung dieſer Strafanſtalt liefert und woraus die im 2ten Hefte der vaterländiſchen Berichte gegebenen Nachrichten gro⸗ ßentheils geſchöpft ſind.

) Commentatio historica de Antiquo romano castro Aquilæ vulgo Arnsburg etc. S. 83.

) Bei Schmidt II. S. 161.

Aus jenem ſtillen kloſterlichen Aufenthalte wurd N ſpäter eine der früheren Beſtimmung ganz entgegen⸗ geſetzte Anſtalt. Da, wo ſonſt die Nonnen ſtille wanderten oder

ihre Gebete verrichteten, hört 17

man jetzt Kettengeklirre, Hammer- und Axtſchläge] de

und Geräuſch der Waffen. Der Böſewicht erzittert ſchon vor dem Namen Marienſchloß, der fried liche Bürger aber ſieht hier eine dem Staate und 1 folglich ihm ſelbſt heilſame Anſtalt. Wer möcht kein Intereſſe daran haben, ſich hier näher umzu ſehen? 9

Jedem Beſchauer aber müſſen zwei Dinge gleich auffallen, und, mit welcher vorgefaßten Meinung er auch kommen mag, für die Anſtalt und ihre Vorſteher einnehmen, Ordnung und ene ohne welche aber auch jede Anſtalt der Art nicht 1 gedeihen konnte. Du findeſt in dem engen Raume* neben der aus 60 Mann unter einem Lieutenant 4 beſtehenden Wache und dem aufſehenden Perſonale, 5 gegen drei- bis vierhundert Verurtheilte beider Ge- ſchlechter, unter denſelben die größten Verbrecher, der Abſchaum der Menſchheit, und überall fan 0 J du Ordnung, überall Arbeitſamkeit, ohne daß ein? das andere ſtört, und dabei in den Schlaf- und Arbeitszimmern, die du beſucheſt, eine Reinlichkeit, wie du ſie kaum für möglich hältſt.

Welche Umſicht, welche Sorgfalt gehörte dazu, eine ſolche Anſtalt zu ſchaffen! Welcher Fleiß, welche Geduld und Unermüdlichkeit, um mehr als 300 Züchtlinge in dem engen Raume zuſammen u halten, und nicht nur von ferneren Verbrechen ab⸗ zuhalten, ſondern an Fleiß und Ordnung zu ge⸗ wöhnen und am Ende mit ihrer Hülfe ein Kapital N von 10 bis 12,000 Gulden jährlich zu gewinnen!?! Wir wollen die Männer nicht nennen, die ſich hier verdient machten; ſie mögen als Lohn das Bewußt⸗ ſeyn treu erfüllter Pflichten in ſich tragen. bern wünſchen wollen wir ihnen, daß ſie nicht müde wer den möchten in ihren ſchweren und mühſamen Ge, ſchäften, die zum Theil ſo verſchiedener Art ſind. n

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Beantwortung auf eine fruͤhere Anfrage. 1 1 In Nro. 4 unſerer diesjährigen Blätter befand ſich u. A. die Anfrage, ob niemand nähere Nag richten über den bei Bönſtadt ſtehenden Wartthurm

mitzutheilen wüßte.