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Das großherzoglich heſſiſche Landgericht Friedberg
an ſämmtliche großh. Buͤrgermeiſter und Beigeordnete des Bezirks.
Betreffend: Die Form der Berichtserſtattungen.
Wir haben verſchiedentlich bemerkt, daß mehrere großh. Bürgermeiſter und Beigeordnete, wenn ſie, von uns dazu aufgefordert, Berichte an uns erſtatten, nicht die in unſeren Reſcripten vorkommende, ſondern andere willkührlich gewählte Rubriken gebrauchen. Dies hat die nachtheilige Folge, daß wir oft blos errathen müſſen, zu welchen Akten die eingehenden Berichte gehören ſollen, wodurch, wie Sie von ſelbſt ermeſſen werden, unnöthige Weiterungen und nicht ſelten nachtheilige Geſchäftsverzögerungen entſtehen.
Wir empfehlen Ihnen daher, künftig in Ihren Berichten jedesmal die von uns gewählten Rubriken, auch wenn Ihnen ſolche unzweckmaßig und nicht erſchöpfend ſcheinen ſollten, beizubehalten.
Friedberg den 15. Mai 1834.
In Beurlaubung des Landrichters, Weber.
Dian
an ſaͤmmtliche großh. Buͤrgermeiſter und Beigeordnete des Bezirks.
Betreffend:
Die Einſendung der Vormundſchaftsrechnungen.
Wir beauftragen Sie, ſämmtlichen Vormündern, denen nicht etwa ausdrücklich eröffnet worden iſt, daß ſie nur von mehreren Jahren zuſammen Rechnung zu ſtellen hätten, bekannt machen zu laſſen, daß ſie die rückſtehenden Rechnungen bei Vermeidung von 1 fl. 30 kr. Strafe für jeden Säumigen bis läng⸗
ſtens zum 15. Juni d. J. bei uns einzureichen haben.
Friedberg den 16. Mai 1834.
In Beurlaubung des großh. Landrichters, Weber.
Geſchichtliche Darſtellung der Hauptmomente, durch die ſich unſer wetterauer Ackerbau vom Ende des dreißigjaͤhrigen Kriegs bis zur ge— genwaͤrtigen Zeit erhoben hat, nach den von mir geſammelten datis.“)
In keinem Fach der Wiſſenſchaften war man ſo ſehr und ſo lange zurückgeblieben, als in der Agri— cultur oder Landwirthſchaft; achtzig bis neunzig Jahre verfloſſen nach jenem verheerenden Kriege, ohne daß die geringſten Fortſchritte in demſelben gemacht wur⸗ den. Aeußerſte Armuth, die ſo groß war, daß ſich der Landmann ſeine nothwendigſten Bedürfniſſe durch den Tauſch verſchaffen mußte, weil es ihm an Geld
„) Wir verdanken dieſen Aufſatz einem Veteranen unſerer Wetterau, dem Herrn Rentmeiſter Leopard zu Melbach. Indem wir ihn hier einem größeren Kreiſe mittheilen, wünſchen wir, daß er für andere denkende Männer Ver— anlaſſung zu ähnlichen Mittheilungen werden möchte.
Die Redaction.
und Allem gebrach, und wo man den ſchon glücklich ſchätzte, der ſich in dem Beſitze von Bett und einer Kuh befand, nach dem Sprüchworte damaliger Zeit: „Bett und Kuh, deckt viel Armuth zu“,— herrſchen— der Aberglaube“), tief eingewurzelte Vorur— theile und verjährte Mißbräuche, ſo wie der Unwerth der landwirthſchaftlichen Erzeug— niſſe bei den geringen Abgaben und Bedürfniſſen, ließen den Landmann an nichts weniger denken, als an Verbeſſerung ſeines Ackerbaues, der damals als bloßes Nahrungsmittel und nicht als gewinn bringendes Gewerb von ihm angeſehen wurde. Oh ihm gleich im ſpaniſchen Erbfolgekrieg etwas mehr Geld durch den beſſern Verkauf ſeiner Früchte einige Jahre zufloß, ſo war dieſes zu unbedeutend und zu vorübergehend, als daß es bei ihm in der Cultur— art eine erſprießliche Veränderung hervorgebracht hatte. Erſt in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, die in Abſicht der Frucht- und Güter—⸗
*) Man leſe darüber M. Coleri œcοαοmia ruralis et domestica.
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