Ausgabe 
26.4.1834
 
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Stunde ſüuͤdlicher liegenden Anhöhe das Schloß Münzenberg erbauten. Kaum ſieht man noch einige Spuren jenes alten Schloſſes. Auf der rechten Seite des Thores finden wir die weitläufigen Oekonomiegebäude nebſt einer Mühle. Dem Thore gegenüber ſteht der lange Burſenbau, auf dem ſonſt der Pater Burſarius ſeine vielfachen Ge ſchafte zu beſorgen hatte. Er iſt jetzt die Wohnung des Pachters. Links von demſelben ſteht ein altes, nicht unintereſſantes Gebäude, das freilich jetzt weder ſeiner urſprünglichen Beſtimmung noch ſeinem Namen gemäß benutzt wird; es heißt das Paradies. Wir gehen weiter, und bemerken unter den übrigen Gebäuden noch folgende: 1) Das alte ſogenannte Capitelhaus, deſſen Decke von zehn Säulchen getragen wird, die kreuzfoͤrmig aus vier Rundſtäben ohne eigentliche Pfeiler gebildet und ſechs Fuß hoch ſind. Gegenwärtig iſt dieſes Gebäude, wenn wir nicht irren, ein Schaafſtall. Auch der Weinkeller verdient eines Beſuches; er beweist, daß von den ehrwürdigen Herren jener Spruch:der Wein er freuet des Menſchen Herz-/, nicht unbeachtet gelaſſen wurde. Es iſt ein Gewölbe von 42 Schritt Länge und 13 Schritt Breite. Einſt lagen hier rings⸗ umher die Stückfäſſer gefüllt von den geſuchteſten Weinſorten. Die Decke wird von ſechs Säulen getragen; dieſe verhindern aber nicht, daß ein großer Wagen darin bequem herumfahren kann.)

Noch ſteht endlich aus neuerer Zeit das große Gebäude, worin ſich die Wohnung des Abtes, der Speiſeſaal ꝛc. befand.

Zerſtoͤrt dagegen ſind die weitläufigen Kreuz gänge, zerſtort iſt das Bibliothekgebäude, und die Bibliothek iſt auch nicht mehr da. Was aber am meiſten den Beſchauer mit Wehmuth erfüllt, iſt der Anblick von den Trümmern der Kirche. Noch im Jahr 1802 ſtand dieſes herrliche Gebäude, eine Zierde der Gegend, eins der ſchönſten Werke der Kunſt, großentheils aus uralten vorgothiſchen Zeiten. Gegenwärtig ſieht man nur noch die gewaltigen Mauern und einen Theil der Pilaſter mit ihren

7) Für die gelehrten Herren Leſer müſſen wir bemerken, daß ſich zu Arnsburg auch ein recht huͤbſches Archiv befin det. Es iſt zwar einmal ein ſolcher Herr da geweſen und hat das Copialbuch geſtohlen; aber auch ohne das ſollen

noch merkwürdige Beiträge für die Geſchichte dort zu finden ſeyn.

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einfachen und ſchoöͤnen Knaͤufen. Andere dagegen mit einem[Theil des Gewölbes liegen auf dem Boden. Aber noch in den Trümmern erkennt man die Größe und Schönheit des Ganzen, und um ſo ſchmerzlicher vermißt man dieſes, da es nur wegen Gewinnung der Steine und der Beſoldung des Geiſtlichen zerſtört wurde. Was davon nicht ver⸗ nichtet iſt, ſteht nur darum noch, weil die Feſtigkeit des Ganzen hier und da der Vernichtung Trotz bot. Eine herrliche Thüre hat ſich bis jetzt erhalten; ſie wölbt ſich im Halbzirkel, ſo daß von einem Knauf zum andern ein Rundſtaab läuft. Auch an ihr, wie überall, Schönheit in der Einfachheit.

Die manchfachen, zum Theil herrlichen Grab ſteine, welche ſich ſonſt hier fanden, ſind ebenfalls bis auf wenige zerſtört, oder werden zu gemeinen Zwecken benutzt. So finden ſich die des Philipp von Falkenſtein, der Alheidis von Hanau, und, was die Friedberger am meiſten ſchmerzen wird, jenes berühmten Rudolph nirgends mehr, der aus Friedberg von der bekannten Familie Ruhl zum eiſernen Hute ſtammt, erſt Probſt zu Wetz⸗ lar, dann Biſchof zu Verden wurde, und der Ver faſſer der goldnen Bulle Kaiſer Karls IV. ſeyn ſoll. Der Verluſt dieſer Grabſteine iſt um ſo mehr zu bedauern, als man ſich auf die Richtigkeit der Umſchriften, wie ſie uns in einer Schrift von 1774 gegeben wurden, nicht verlaſſen kann. Zwei Grab ſteine haben ſich erhalten; beide ſind ſo ſchön, daß ſie den Verluſt der übrigen noch mehr empfinden laſſen. Der Eine iſt der des Johann von Falken ſtein, der im Jahr 1365 ſtarb. Der Ritter iſt mit kunſtreicher Hand auf dem Steine abgebildet. Die ehrwürdige Geſtalt hat eine Haube auf, und hält in der rechten Hand das Schwert, in der linken aber den Helm, deſſen Spitze mit einem Hundlein endet. In der Einfaſſung befindet ſich links ein Engelchen, rechts ein Heiliger; in den vier Ecken aber ſtehen vier Wappen). Das Ganze iſt ein wahres Meiſterwerk der Kunſt aus einer ſchönen Zeit, und verdiente wohl einer ſorgfältigen Abbil ) Die Umſchrift anno domini mo. ccc' Urv' vii. ll. scptembris. obijt. Dominus. Joh. de. Salckenstepn. cujus. memoria. apud. superos. sit. in benedictione. führe ich deswegen hier an, je doch ohne die Abkürzungen, die ſich im Drucke nicht gut wie dergeben laſſen, weil er in der oben erwähnten Schrift Nro. 4 S. 86 unrichtig gegeben iſt.