Ausgabe 
25.1.1834
 
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und Auflaſſung geben könne. Hieraus erhellt, daß ſie an einem Orte geſtanden haben muß, wo ſie der Zankapfel zwiſchen beiden kriegführenden Staaten werden mußte. Es geht aber auch aus dieſen und anderen Nachrichten hervor, daß ſich die Bürger ihrer, beſonders aber des dabei liegen den Friedhofes bedienten, um von da aus die Burgbewohner bequem und ſicher beſchießen zu konnen.) Die alte Molther'ſche Chronik be merkt ebenfalls:aus dieſer Capelle müßten die Bürger ohne Zweifel der Burg großen Schaden zugefügt haben. Eben dieſe Chronik fügt aber zu gleicher Zeit hinzu,ſie wäre damals zwar abge brochen, aber an keinem andern Orte der Stadt wieder aufgebaut worden. Daß andere ſpätere Chroniken der Stadt daſſelbe ſagen, nimmt uns nicht wunder; denn es hat gewöhnlich eine die andere ohne Weiteres abgeſchrieben und derſelben nachgeſprochen. Daß aber Molther ſolches ſagt, der nicht leicht etwas ungeprüft annimmt, darüber iſt ſich zu wundern. Die Capelle wurde näm lich, wie weiter unten urkundlich bewieſen werden wird, damals nicht abgebrochen, ſondern blieb noch geraume Zeit hindurch ſtehen. Die Sache hatte aber eine ganz andere Wendung genommen. Durch mancherlei Schickſale war die Stadt im Verlaufe des vierzehnten Jahrhunderts von ihrer Kraft und Blüthe herabgekommen. Während die Kaiſer ihre Burg in Schutz nahmen, hatte Karl IV. im Jahre 1349 die Stadt an Günther von Schwarz burg verpfändet, und die Burg wußte es ſo ge ſchickt einzurichten, daß ſie nach und nach in den Beſitz der Pfandverſchreibung kam, und daß dieſe Pfandſchaft für unablöslich erklärt wurde. Nun mußten die Bürger dem neuen Burggrafen huldigen; die Kämpfe hörten auf, und an ihre Stelle traten Neckereien, Quälereien, Proteſtationen und Proceſſe. Doch davon bei einer andern Gelegenheit!

Es iſt ſehr wahrſcheinlich, daß die Bürger in Betreff der Catharinen-Capelle ſich an die damals allmächtige Geiſtlichkeit gewendet und durch ſie nicht allein vor der Hand die Erhaltung derſel ben, ſondern ſogar eine gewiſſe Aufnahme bewirkt

) Ich werde an einem andern Orte zu beweiſen ſuchen, daß bei dem Baue der beiden Stadt-Kirchthürme ebenfalls eine Feſtung gegen die Burg beabſichtigt wurde.

haben, und zwar durch ſolche Mittel, wie ſie da mals der Geiſtlichkeit genugſam zu Handen waren. Eine bis jetzt noch ungedruckte Urkunde vom Jahre 1387, deren Aechtheit durchaus nicht in Zweifel gezogen werden kann, gibt uns nämlich, außer dem daß ſie den Beweis von der Fortdauer der Capelle darlegt, die Verſicherung des Biſchofes Hermann, Vicarius des Erzbiſchofes Adolph von Mainz, daß alle diejenigen, welchedie innerhalb Friedberg gelegene Capelle der heiligen Catharina zu ihrer Erbauung beſuchen, vor dem Bilde der Heiligen hinterander drei Pater noſter und drei Ave Maria beten, die Hände aufheben ꝛc. ꝛc. und an⸗ dächtig das Wort Gottes in der Capelle hören, einer vierzigtägigen Indulgenz(Ablaſſes) genießen ſollen.

Wer die damaligen Zeiten kennt, wird nicht in Abrede ſtellen, daß ein ſolcher Indulgenzbrief mehr Kraft hatte, wie der Befehl eines Kaiſers, auf dem ohnehin der Bannſtrahl des heiligen Vaters ſchwer gelaſtet, und daß er geeignet genug war, das Fortbeſtehen der Capelle trotz des Söhnbriefes zu bewirken.

(Beſchluß folgt.)

Bekanntmachungen.

N

(10) Montag den 27. dieſes Monats, Morgens

um 9 Uhr, ſollen in hieſigem Rathhauſe die nach⸗

gelaſſenen Immobilien der verlebten Jakob Herolds

Wittwe öffentlich meiſtbietend verſteigert werden.

a) In der Gemarkung Stadt Friedberg:

S. 45. Nro. 268. Eine Hofraithe, in Wohnhaus, Scheuer, Stallung und Grund beſtehend, an Chriſtian Joſt und Georg Schakay gelegen.

Gärten:

S. 238. Nro. 55. 36 Ruthen Garten zwiſchen der Koͤhler- und Kloſtergaſſe, an Balthaſar Schmidt, 18te Gewanne.

S. 116. Nro. 5. 122 Ruthen in der 2ten Ge wanne an der Hockenmühle, an Jakob Breit wieſer.

S. 154. Nro. 17. 19 Ruthen in der 17ten Ge⸗ wanne an der Langgaſſe, an Jakob Bechſtein.

Ackerland:

S. 308. Nro. 35. 137 Ruthen im Groswartfeld, an Heinrich Chriſtian.

S. 308. Nro. 36. 65 Ruthen daſelbſt, an ihm ſelbſt zu beiden Seiten.

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