Ausgabe 
18.1.1834
 
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der Charakter der aͤchten Kuhpocken erkannt und der Unterſchied ähnlicher Erſcheinungen an den Eutern der Kühe, Wind-, Waſſer⸗, Steinpocken, Warzen, Geſchwülſte, entzündete Knoten von In ſektenſtichen, Beulen, Blaſen, welche nicht mit den ächten Kuhpocken verwechſelt werden dürfen, ergiebt ſich hiernach von ſelbſt.

Die ſternbacher Capelle.

Sternbach iſt eins von den vielen Doͤrfern der Wetterau, die wegen mancherlei Schickſale unter gegangen ſind, und deren wir ſpaͤter gelegentlich erwähnen werden. In einer Urkunde vom Jahre 1231 vermacht der Ritter Heinrich von Wick ſtadt mit ſeiner Gemahlinn Kunegundis ſeine Beſitzungen zu Wickſtadt und Sternbach dem Kloſter Arnsburg. In eben dieſem Jahre, einige Monate ſpäter, wird in einer zweiten Urkunde u. A. der Pfarrer Rudolph von Sternbach (Sterrenbach) genannt. Damals ſollte inner halb vier Jahren eine Mauer um den Pfarrkirchhof auf Koſten des Arnsburger Kloſters ſo ſtark, wie die Kirchhofsmauer zu Florſtadt(Flagestatt) auf⸗ geführt werden; wenn ſie aber ſpäter ſchadhaft würde, ſo ſollten die zur Pfarrei Gehörigen ſie auf ihre Koſten repariren.(Noch ſind wenige Trümmer dieſer Mauer ſichtbar.) Auch im Jahre 1237 ver macht jener Heinrich von Wickſtadt unter A. 20 Morgen Wieſen, die er als Lehen von Büdin gen beſaß, welche urſprünglich von dem Kloſter Fulda herrühren, dem genannten Kloſter zu Arns burg. 9)

Zur Pfarrkirche von Sternbach gehörten auch die nähere Capelle von Wickſtadt und die entferntere von Bauernheim.

Dies iſt es ungefähr, was wir in alten Schriften von Sternbach finden. Noch ſteht die Kirche in dem Walde eine viertel Stunde von Wickſtadt.) Es führt ein Weg, wenn wir nicht irren, nach Altenſtadt daran vorbei.

) Dieſe Urkunden ſtehen in Guden. cod. Dipl. Tom. III, p. 1100. 1102. 1110.

** Nicht im Walde bei Oſſenheim, wie in Wagners Be ſchreibung des Großherzogthums Heſſen, einem ſonſt ſehr brauchbaren Buche, Theil III, S. 276 zu leſen iſt.

Der hintere Theil der Kirche rührt ſeiner Bauart nach aus dem fünfzehnten Jahrhundert. Als ich im Herbſte 1833 näher ſuchte, fand ſich auswendig am Chore eine bisher mit Speiß verdeckte Inſchrift anno. dm. meccclu(1455), welche das beſtätigte. In dem Inneren befindet ſich ein altes Sanctuarium(eine Niſche zum Aufbewahren geweihter Gegenſtände) mit einem Vera-Ikon), wohl auch aus jener Zeit. Auch der Schlußſtein des Chorgewölbes bildet ein ſolches Vera-Ikon. Der übrige Theil des Gebäudes iſt neueren Urſprunges. Neben der Kirche ſteht ein Heiligen Häuschen, worin ſich ein aus einem einzigen Holz blocke nicht ohne Kunſt verfertigtes Bildniß von Maria mit Chriſtus befindet.

In früheren Zeiten wurde ſtark nach dem wunderthätigen Bilde der Mutter Gottes zu Sternbach gewallfahrtet. Noch jetzt findet man nicht ſelten einzelne Menſchen, welche dort ihre Gebete verrichten.

Die Kirche mit dem Häuschen, mitten unter den Bäumen des Waldes, hat in der That nicht nur etwas Anziehendes und wahrhaft Maleriſches, ſondern ſogar etwas Ergreifendes. Dem Wanderer, der an einem ſchoͤnen Sommermorgen den Wald beſucht, welcher von Blumen duftet und von dem melodiſchen Geſange der Vogel widerhallt, wird es eigen zu Gemüthe, wenn er plötzlich vor dieſem Gotteshauſe ſich befindet; unwillkührlich hebt ſich das Herz in hoheren Schlaͤgen, faltet ſich die Hand zum Gebete, und wendet ſich der Blick nach oben zum Vater des Lichtes. Kein Wunder, wenn hier Gebete verrichtet werden!

Ph. D.

) Man verſteht darunter bekanntlich das Bild des Hauptes Chriſti, das nach der Sage ſich in das Schweißtuch ein prägte und ſo erhalten wurde. Der noch jetzt gebräuchliche Name Veronika iſt nach dieſem Worte gebildet und beſagt dasſelbe. Hieran knüpft ſich auch die Legende von der heiligen Veronika.

Bekanntmachungen.

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(1) Dienſtag den 21. d. M., Nachmittags um 2 Uhr, ſoll auf den Antrag des Curators Fried. Wilb. Reuß die Hofraithe des verlebten Georg Sellner, beſtehend in einem geräumigen Wohnhauſe, einem