Ausgabe 
17.5.1834
 
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an die Kirchenvorſtaͤnde des Kreiſes.

Belreffend: Die Beitragspflicht der Gemeinden zu kirchlichen Bedürfniſſen.

Unter Bezugnahme auf Art. 20 der Verordnung über die Verwaltung des Kirchenvermögens mache ich Sie darauf aufmerkſam, daß es zweckmäßig ſeyn dürfte, wenn Sie in Anſehung der Beiträge von Gemeinden, welche in dem Kirchenvoranſchlage in Ausſicht genommen werden, beziehungsweiſe ein ähnliches Verfahren, wie das in vorſtehendem Ausſchreiben vorgeſchriebene, einhalten würden.

Friedberg den 15. Mai 1834.

Küchler.

Wo iſt der Gluͤckliche zu finden?

Der geneigte Leſer kennt doch wohl die Ge ſchichte vom kranken Könige? Wenn er ſie allenfalls vergeſſen haben ſollte, ſo will ich ſie ihm wieder zur Kurzweil erzählen, wie ich ſie in meiner Jugend von einem alten Kameraden gehört habe.

Es war einmal ein mächtiger König, der hatte alles, was er nur wünſchte; die köſtlichſten Speiſen kamen zu Dutzenden auf die Tafel(denn die vornehmen Leute haben keine Tiſche), und die Weinflaſchen zu ſechs Dutzenden, und waren aus Frankreich und aus Spanien, Johannisberger Eilfer und Tokaier Zweiundzwanziger, Conſtantia und Madera; dazu beſaß er die Diamanten meſtenweis und die Dukaten ſtanden in Malterſäcken da. Die nützten ihm aber alle nichts, da er krank wurde. Die geſchickteſten Aerzte verſammelten ſich um ſein Bette, und verſchrieben Arzneien über Arzneien, daß am Ende die Hofapotheken faſt ganz leer, die Apotheker ſteinreich wurden; der König aber blieb krank, und die Sache geſtaltete ſich immer gefähr⸗ licher. Da riethen ihm die Leute ſeines Gefolges (die verſtehen's immer am beßten), zum weiſen Manne zu ſchicken, der ſchon ſo viele glücklich kurirt habe. Sofort wurde der ſchönſte Wagen aus gerüſtet, mit vier der herrlichſten Roſſe beſpannt, und die Fahrt gieng zum weiſen Manne.

Als die Diener in deſſen Heimath angekommen waren und ſeine Wohnung ausgefragt hatten, ſchäm ten ſie ſich faſt, vor derſelben anzufahren; denn ſie war nicht viel großer wie der königliche Staats wagen und ſchwerlich mehr werth, wie Eins der vier prächtigen Roſſe. Indeſſen mußten ſie doch

hinein und ihren Auftrag anbringen. Der weiſe Mann ſträubte ſich zwar anfänglich, als er den Ruf bekam, vor dem Throne des großen Könige zu erſcheinen und ihm mit Rath und That beizu ſtehen; es half ihn aber nichts, denn die Herren, welche mitkamen, wußten's ſo ſchön zu ſagen(das verſtehen die Hofleute), daß ihm am Ende nichts übrig blieb, als ſeinen Sonntagsrock anzuziehen und ſich mit ihnen in den Wagen zu ſetzen, um zu dem Könige zu fahren.

Dieſer empfieng ihn ſehr gnädig, denn er be durfte ſeiner, und als er dieſes und jenes vom Wetter undwas es Neues gäbe mit ihm ge⸗ ſprochen, kam's an die Hauptſache, nämlich an's Helfen. Es iſt noch viel Hoffnung da, ſagte der weiſe Mann, und er hatte noch nicht ausgeſpro chen, ſo wurde ſchon ein Buch Papier mit Gold ſchnitt und ein Dintenfaß von lauter Perlen mit den beßten hamburger Glaskielen(das Stück war unter Brüdern zwölf Kreuzer werth) herbei gethan, damit er das Recept zur Geſundheit aufſchreiben könnte. Der weiſe Mann ſchob's aber wieder zurück, denn das Schreiben war überhaupt ſeine Sache nicht, und das Recepteſchreiben war ihm vollends zuwider.Es geht auch ohne Feder und Dinte, Ew. Majeſtät, bemerkte er.Hier kann nur Eins helfen.Was ſteht zu Befehl? Y, rief's von allen Seiten, denn bei Hof ſind die Leute gar ausnehmend gefällig.Das Hemd eines vollkommen Glücklichen brauchen wir zur Kur, verſetzte der weiſe Mann.Das Hemd eines Glücklichen 2 fragten ſie alle naſe⸗ rümpfend.Eines Glücklichen? Da

wurd' es mäuschenſtille, denn keiner hielt ſich für