Ausgabe 
15.3.1834
 
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7.

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Meinung war, daß von Fauerbach bei Fried berg die Rede ſey, führte die Mannſchaft gerade dem Feinde vor die Augen, und das Reſultat mußte wohl unglücklich ausfallen. Wäre der Bote der Gegend kundiger geweſen, und hätte die Ver⸗ bündeten nach Fauerbach bei Münſter geführt, ſo würden ſie von da dem Feinde in den Rücken haben fallen konnen, und wahrſcheinlich glücklicher geweſen ſeyn. So hängt oft das Schickſal eines Treffens, ja einer großen Schlacht und mit ihr das Leben vieler Tauſende von einer ſcheinbar geringfügigen, unbedeutenden Urſache ab! Eben dies muß uns zu der Ueberzeugung führen, daß es eigentlich gar nichts Geringfügiges, Unbedeutendes im großen Gange der Dinge gibt.

Der Erbprinz von Braunſchweig hatte aber damals ein ſolches Andenken an den Johannisberg erhalten, daß er ihn auch als Feldherr und Herzog in der Folge nicht vergaß. Denn als er im Jahr 1792 bei ſeinem Feldzuge in die Champagne nach der Gegend von Valmy kam, wo die große Kanonade ſtatt fand, nach welcher er zum Rückzuge gezwun⸗ gen wurde, rief er ahndungsvoll aus:Das iſt ja der Johannisberg bei Friedberg! Es war auch einer, aber ein zweiter und zwar ein größerer. Die Gegend muß wohl Aehnlichkeiten mit dem unſrigen darbieten.

Schulſach en.

Wir waren immer der Meinung, daß, wenn es beſſer werden ſoll, man mit den Schulen und Schullehrern anfangen müſſe. Es wird auch noch eine Zeit kommen(und wir hoffen, ſie iſt nicht ſehr entfernt), wo das Schul-Lokal nicht wie ſonſt eine unfreundliche, dunkle Kammer, ſondern das ſchönſte und ſauberſte Zimmer im ganzen Dorfe iſt, in das die Eltern mit Freuden ihre Kinder ſchicken, weil ſie wiſſen, daß ſie dort nicht nur an Körper geſund erhalten werden, ſondern auch an Geiſt erſtarken und zu braven Menſchen ſich heranbilden. Auch das hoffen wir noch zu erleben, daß der Lehrer nirgends mehr nöthig haben wird, ſeinen Laib Brod oder ſein Scheit Holz oder ſein Gebund Stroh im Dorfe ſich zuſammen zu betteln, ſondern daß er von der Gemeinde honorirt wird, dann

aber auch mit Freude und Liebe ſeinem ſchweren und ehrenvollen Amte oblieget. Der Anfang iſt u. A. bereits in Großkarben gemacht, woher uns Fol gendes mitgetheilt wird, dem wir mit Freuden ein Plätzchen geben in unſerm Blatte.

Dies großkarber Gemeinde hat in den letzten Tagen des verfloſſenen Jahres in Beiſeyn des großh. Kreisſekretärs Hrn. Cameſaska einen Ver⸗ trag abgeſchloſſen, nach welchem die Beſoldung des Lehrers in dem genannten Orte nach der Steuer pflichtigkeit erhoben und vierteljährig an den Lehrer ausbezahlt werden ſoll. Dadurch verſchwinden die Namen der Feſtlaibe, Glockenſichlinge, Schul und Holzgeld u. ſ. w., und der Lehrer trägt das beruhigende Bewußtſeyn in der Bruſt, zukünftig nicht mehr vom Schweiße der Armen zu leben. Möchten dieſem Beiſpiel viele Gemeinden folgen!

Werden dadurch die Schulen nichts anders, als das, was ſie früher waren Gemeinde anſtalten ſo kommen ſie doch dem, was ſie werden ſollen Staatsanſtalten näher.

Bekanntmachungen.

NN Gläubiger-Aufforderung.

(92) Der hieſige Ortsbürger und Schuhmacher

Abraham Schmidt beabſichtigt nach Nordamerika

auszuwandern. Rechtsanſprüche an denſelben ſind

binnen drei Monaten dahier anzumelden, gegen

falls die Entlaſſungsurkunde ertheilt werden wird.

Friedberg den 13. Febr. 1834. Der großherzoglich heſſiſche Kreisrath des Kreiſes Friedberg. Küchler.

(107) Die auf Dienſtag den 11. März angekün⸗

digte Arbeitsverſteigerung wird Hinderung wegen

nicht an dieſem Tage, ſondern Montag den 17. d.

M., Nachmittags 2 Uhr, in hieſigem Rathhauſe

abgehalten, beſtehend in Pflaſterarbeit, Fuhren in

hieſiger Stadt, für Beifuhr und Abfuhr der Steine

und des Schuttes, Meſſen des Kiſſes und Klaftern

der Steine, ſowie Chauſſiren verſchiedener Stellen

und Abbrechen des Pförtnerhauſes am fauerbacher

Thore, öffentlich an Wenigſtnehmende ausgeboten

werden, was hiermit zur öffentlichen Kenntniß ge bracht wird.

Friedberg den 6. März 1834. Der Bürgermeiſter D.

Fritz.