Ausgabe 
11.10.1834
 
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Dem Verdienſte ſeine Kronen.

Gute Beiſpiele ſind uns immer willkommen, ſie mögen her ſeyn, woher ſie wollen. Diesmal kommen ſie vom Ueberrhein. Vor Kurzem erſchien ein Büchlein, das Nachricht giebt von dem Leben und Wirken eines wahrhaft großen Mannes, näm lich des verſtorbenen Pfarrers Oberlin zu Wald- bach, einem unweit Straßburg liegenden Dörflein. Aber, fragt mancher Leſer, was kann daher Großes kommen? Gedulde dich ein wenig, lieber Leſer, und du wirſt's gleich erfahren.

Im Jahr 1767 bat ein alter Geiſtlicher, daß man ihm den jungen, damals ſieben und zwanzig jährigen Oberlin zu ſeinem Nachfolger beſtellen möchte. Dieſer bedachte ſich eine Zeit lang, ob er auch dem ſchweren Berufe gewachſen ſeyn möchte, denn die Stelle hatte ein ſehr kärgliches Einkommen, die Gegend war rauh und unangebaut, die Bewoh ner aber waren arm und verwildert. Endlich nahm er ſie an, und erſchien mit dem Wahlſpruche,die beßte Stelle wäre die, wo man am meiſten Gutes wirkt, und dafür am wenigſten belohnt wird. So denken nicht alle die, welche heut zu Tage Aemter annehmen; unſer Oberlin dachte aber ſechzig Jahre lang nicht anders. Und was that er denn in dieſer langen Zeit? Wenn er Muße hatte, ſtu dierte er die Bibel in den Grundſprachen, oder be ſchäftigte ſich mit der Geſchichte und Naturgeſchichte. Den größten und ſchönſten Theil ſeiner Zeit wid mete er aber ſeiner Gemeinde, deren Vater, Lehrer und Muſter er wurde. Als er hinkam, da lebten die armen Leute in niedrigen und ſchmutzigen Hütten und nährten ſich theils von der Jagd, theils von Holzäpfeln und ſchlechten Kartoffeln. Von der übri gen Welt waren ſie ſo abgeſchnitten, daß man ihre Sprache faſt nicht verſtand, wenn je einmal einer an andern Orten erſchien. Von Chriſtenthum hatten ſie zwar etwas gehört, aber in die Herzen war es nicht gedrungen, denn ſie waren eben ſo unwiſſend, zank⸗ und ſtreitſüchtig, wie arm.

Er fieng an, in herzlicher Rede ihnen das Wort Gottes zu verkünden in der Kirche. Damit war er aber nicht zufrieden; er belehrte auch außer der Kirche Jung und Alt, in der Schule und in ihren Häuſern. Wenn er aber dem Geiſte und

Herzen ſeiner Pflegekinder Nahrung gegeben hatte,

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ſo wollte er auch ihr äußeres Leben verbeſſern, nahm ſelbſtSchaufel und Spaten, Hammer und Kelle in die Hand, half ihnen ihre Häuſer bauen, Wege verbeſſern, Brücken errichten, Mauern und Dämme aufführen, den ſchlechten Boden verbeſſern, die Wieſen bewäſſern, Gärten anlegen. Und wenn ſie etwas Ordentliches gezogen hatten, ſo unterwies er ſie, wie und wo man es verkaufen könne. Wenn einer krank wurde, ſo war er nicht allein Seelſor⸗ ger am Krankenbette, ſondern auch der Arzt(denn er hatte ſich früher eine Zeitlang mit Arzneikunde beſchäftigt). War gerade niemand da, ſo machte er auch den Boten, und holte die Arzneien in Straßburg ſelbſt. Wie wurde aber auch nach und nach ſein Dörflein und ſeine Heerde ſo ganz anders! Statt der ſchmutzigen Hütten ſah man reinliche, ſchmucke Häuſer, geordnete Wege und Stege, nach allen Seiten hin Handel und Verkehr; aus dem rohen, zänkiſchen Haufen wurde mit der Zeit nicht allein ein arbeitſames, rüſtiges, ſondern auch ein fröhliches, für ſeinen Stand genugſam gebildetes Völklein.

Das alles war das Werk Eines Mau nes. Er war aber noch mehr. Während überall die Greuel der Revolution wüuͤtheten, blieb ſein Dörflein faſt ganz verſchont, und erntete nur, was ſie Heilſames in ihrem Gefolge hatte. Dazu war ſein Dörflein, vor allem aber ſein eignes Haus, der Zufluchtsort für die Geächteten, für alle Unglücklichen, die hinkamen.

Er ſtarb am 1. Juni des Jahrs 1826, und man braucht wohl nicht zu ſagen, daß ſeine ganze Gemeinde einem ſolchen Hirten zu Grabe folgte, und trauerte, wie wenn jedem der Vater geſtorben wäre.

Glaubt ihr, ich erzaͤhlte euch ein Mährchen? Der Ort liegt keine fünfzig Stunden von hier, und kann taglich betrachtet, die Bewohner aber können ſtünd lich über ihrenverſtorbenen Vater befragt werden

Das Leben dieſes Mannes möchte jedem jungen Manne, welcher Lehrer oder Geiſtlicher werden will, zu empfehlen ſeyn, damit er Muth und Kraft ſich daraus ſchöpfe, ſein Leben dem Wohle der Menſch heit zu widmen. Wir wünſchen unſerer Wetterau auch einige ſolcher Männer. Wir haben wenigſtens der Dörfer etliche, wo ſis auf ihrem Poſten wären, und genug zu thun bekämen.