Ausgabe 
11.1.1834
 
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wohl will, während der Betruͤger, der Räuber, treibt er ſein Geſchäft nur fein pfiffig und etwas manierlich(d. h. läßt er ſich's zur rechten Zeit was Ordentliches koſten), auf Strafloſigkeit rechnen kann.

Der Klingelbeutel.

Wer in unſerer Gegend die Kirche beſucht (und wir hoffen und wünſchen von allen Wetter auern, daß ſie recht oft in ſich ſelbſt das Bedürfniß fühlen, das Gotteshaus zu beſuchen, nicht um die Welt dort zu ſehen, auch nicht um Kleider zur Schau zu tragen, ſondern um die Herzen gemeinſam zu Gott zu erheben), dem wird es gewiß ſchon auf gefallen ſeyn, daß während der Predigt der Klingel beutel herumgieng, und gerade dann die Aufmerk- ſamkeit und Andacht ſtörte, wo ſie am nöthigſten war. Warum wird dieſem Uebelſtande nicht abge holfen, wie es an vielen andern Orten ſchon längſt geſchehen iſt? Man wende mir nicht ein, es ſey nicht gut möglich; was anderwaͤrts möglich iſt, das iſt es auch bei uns. Aber wie faͤngt man es an, daß dieſes unangenehme Klingeln endlich aufhört? Nichts iſt leichter, als dies.

Entweder: es ſtellen ſich die Kirchenvorſteher gegen Ende des Gottesdienſtes, jeder an die ihm anzuweiſende Thür. Das werden ſie gewiß gerne thun, denn ihr Amt iſt ein ehrenvolles Amt, und durch das Stehen an der Thür ehren ſie ſich. Ein ſender dieſes hat recht vornehme Leute an der Kirch thüre ſtehen und für die Kirche ein Gefäß zum Sammeln milder Beiträge hinhalten ſehen. Das erkennt auch jeder verſtändige Mann, und nur ſolche wollen wir zu Kirchenvorſtehern.

Oder(und das halten wir eigentlich für das Paſſendſte): es gehen alle Jahr Einmal die Kirchen vorſteher von Haus zu Haus und erheben die mil den Beitrage fur das ganze Jahr. Wer die Kirche beſucht, wird gewiß ein Opfer von ſechs bis zwölf Kreuzer nicht ſcheuen. Wer aber die Kirche nicht zu beſuchen pflegt, bei dem rathen wir ganz beſon ders, zuzuſprechen, damit er an ſeine höheren Pflich ten erinnert wird. Ihr werdet's merken, ob er ſich getroffen fühlt, wenn er in Verlegenheit geräth und allenfalls fragt,ob man denn fur etwas bezahlen ſolle, wovon man doch keinen Gebrauch mache. Gezwungen wird niemand; aber es iſt doch recht

huͤbſch, wenn der Begüterte da nicht zurückbleibt,

wo der Arme ſo gerne ſein Scherflein reicht.

Den Einſender wurde es ſehr freuen, wenn er bald in dieſem Blatte Nachricht geben könnte, daß er nicht vergebens geſprochen hätte und wenig ſtens hier und da der läſtige und ſtörende Klingel beutel abgeſchafft würde.)

) Auch in Friedberg iſt der den Gottesdienſt ſo ſehr ſtörende Klingelbeutel noch zu Hauſe. Möchten bald Anſtalten zur Fortſchaffung deſſelben getroffen werden!

Die Redaction.

Bekanntmachungen.

ANN NN.N⁰νιιιει

(1 Dienſtag den 21. d. M., Nachmittags um 2 Uhr, ſoll auf den Antrag des Curators Fried. Wilh. Reuß die Hofraithe des verlebten Georg Sellner, beſtehend in einem geräumigen Wohnhauſe, einem großen Keller und Hinterbau, Hofraum, Stallung und Miſtplatz, in dem Hauſe ſelbſt, auf 6 Jahre öffentlich meiſtbietend verpachtet werden. Friedberg den 3. Januar 1834. Der Bürgermeiſter D. Fritz. (6) Endesunterzeichneter empfiehlt ſich mit ſeinen meiſtens ſchon bekannten Artikeln, insbeſondere aber: allen Sorten gewirkten Dochten, in einem ganz neuen zweckmäßigen Muſter; hanfenen Spritzen⸗ Schläuchen; ſeidenen und wollenen Flintenriemen; feinen wollenen Hoſenträgern; ganz feinen Einleg⸗ Kravaten; ſo wie überhaupt mit allen ſelbſtverfertig ten Goldſticker-, Poſamentier-, Knopfmacher- und Haarflechter-Arbeiten, bei welchen er ſich noch be ſonders durch reine und gute Arbeit, ſchnelle Bedie nung und billige Preiſe zu empfehlen wiſſen wird. Friedberg im Jan. 1834. J. V. Dorn, Knopfmacher u. Poſamentier. (7) unterzeichneter wuͤnſcht einige Jünglinge, welche ſich ausſchließlich der Mathematik widmen wollen, unter günſtigen Bedingungen als Schüler zu erhalten. Eine der Bedingungen iſt, daß für den Unterricht kein Honorar in Anſpruch genom⸗ men, und eine Andere, daß als Vorkenntniſſe Nech⸗ nen und Schreiben verlangt wird. Friedberg im Januar 1834. G. Bindernagel II., Großherzoglich heſſiſcher Kreisgeometer. (8) Ein braver Burſche, welcher Haus- und Feldarbeiten verrichten kann, wird auf Peterstag in Dienſt geſucht. Verſteht derſelbe auch etwas von Gartenarbeit, ſo iſt es deſto beſſer. Jakob Schlottner in Oberrosbach. (9) Unterzeichneter empfiehlt ſich mit ſeinem vor