Ausgabe 
11.1.1834
 
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Frau ande 1

Intelligenzblatt

für die

A

Id. Vrovinz(Oberhessen

im Allgemeinen; den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

Sonnabend, den 11. Januar

Wie weit erſtreckt ſich denn eigentlich die Wetterau?

Die Frage: wie weit erſtreckt ſich die Wetterau? Welches ſind ihre Gränzen? iſt leichter aufgeworfen, als beantwortet. Bei der Beantwortung ſelbſt kommt es gar ſehr darauf an, wer dieſe Frage thut.

Denken wir uns zuerſt einen Liebhaber der Geſchichte, welcher gerne wiſſen möchte, wie weit ſich vor ungefähr tauſend Jahren derjenige Gau, welcher unſerer Wetterau den Namen gab, und welcher damals Wettergowe oder Wettereiba geſchrieben wurde, erſtreckt habe, ſo wird es nicht ſchwer, ihm die alten Gränzen anzugeben. Fangen wir bei Butzbach an, ſo zog die Gränze auf der nördlichen Hohe, da wo jetzt eine Ziegelbrennerei ſteht, weſtlich ſo, daß Hochweiſel, Maibach, ſelbſt Uſingen, Wehrheim noch zu demſelben gehörten. Suͤdlich ſind Rodheim und Okarben Gränzorte. Dann geht die Gränze der Nidda herab an die Nidder, berührt bei Fechenheim und Dörnigheim den Main und zieht dieſen hinauf bis zur Kinzig, und dann dieſer nordöſtlich entlang bis hinauf nach Gelnhauſen. Von Gelnhauſen zieht ſie weſtlich nach der Schneeſchmelze des Speſſarts bis gen Lorhaup ten im ſogenannten Freigerichte, wendet ſich alsdann wieder nach dem Kinzigthale, ſo daß die bayer'ſchen Orte Burg⸗Joſſa und Orb noch zum Wettergau ge zählt werden, bis jenſeits Steinau Cim Churheſſi ſchen.) Hierauf geht's nach dem Vogelsberge, wo Volkardshain, Hartmannshain, Herchenhain, Bräun

geshain Gränzorte ſind(die feldkrücker Hoͤhe gehört nicht mehr dazu), zwiſchen Grünberg und Laubach nach Lich, welches noch zur Wetterau zu rechnen iſt, und von dort zieht endlich die Gränze auf dem alten Pfahlgraben nach Butzbach, wo wir aus giengen.

Späterhin zog man den Kreis noch weiter und machte die Wetterau zu einer Provinz, über welche ein Landvogt geſetzt war. Vom dreizehnten Jahr hundert an werden Frankfurt, Friedberg, Wetzlar und Gelnhauſen die vier wetteraui ſchen Reichsſtädte gar oft genannt, und in dem Landfrieden von 1359, welchen der Erzbiſchof Gerlach von Mainz mit dem damaligen Landvogte der Wetterau, Ulrich von Hanau, ſchloß, wird noch viel weiter gegriffen, und die Gegend am Rheine bis Lahnſtein, von da bis Montabauer und Weſterburg auf der andern Seite Schlüchtern, ſogar Werthheim am Maine zur Wetterau gezahlt. Eben ſo hat der geiſtliche Herr, Erasmus Albe rus, welcher vor etwa 300 Jahren eine Beſchrei bung der Wetterau lieferte, dieſelbe gar groß ge nommen, nämlich von Mainz bis Gelnhauſen, und von Gießen bis Seligenſtadt. Eben ſo wenig genau nahm's die Ritterſchaft, deren Canton am Mittel- Rheinſtrome die mittelrheiniſche Reichsritterſchaft) ſich in die wetterauiſche, rheingauiſche, einrich'ſche und weſterwäldiſche theilte und ſeinen Sitz zu Fried berg hatte, wie die älteren Friedberger noch recht gut zu erzählen wiſſen. Die Freunde der Naturge ſchichte, beſonders der Pflanzen- und Inſektenkunde nehmen's faſt eben ſo weit, und zählen wenigſtens