Ausgabe 
10.5.1834
 
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Die Ausſtände durfen demnach nicht unter Art. 20 in Einnahme gebracht, ſondern es muͤſſen die

ſelben je nach ihrem verſchiedenen Grunde unter den einſchlägigen Artikeln in dem Voranſchlage mit ſo viel vereinnähmet werden, als davon bei thätigem Betriebe in dem betreffenden Jahre muthmaßlich

eingeht.

In dem Berathungsprotocolle wird dagegen unter den betreffenden einzelnen Artikeln die

wirkliche Größe und die Urſache der Ausſtände erörtert und die muthmaßlich davon eingehbare

Summe berechnet.

6) Schließlich bemerke ich, daß für die Bemühung der Aufſtellung der Kirchenvoranſchläge keine Vergütung ſtatt findet, wohl aber Abſchrift-Gebühren für den Voranſchlag und das Berathungsprotocoll gebilligt

werden. Friedberg den 6. Mai 1834.

Kuͤchler.

Der Weg zum Reichthum. (Beſchluß.)

Was würdet ihr denken von einem Fürſten oder einer Regierung, die eine Verordnung heraus gäben, worin ſie euch bei Strafe der Einker kerung oder Sklaverei verböten, euch vornehm zu kleiden? Würdet ihr nicht ſagen, daß ihr frei wäret, daß ihr das Recht habt, euch nach Belieben zu kleiden, und daß eine ſolche Verordnung ein Ein⸗ griff in eure Rechte und eine ſolche Regierung ty ranniſch ware? Und doch ſeyd ihr im Begriff, euch unter eine ſolche Tyrannei zu ſtellen, wenn ihr euch um ſolcher Kleidung Willen in Schulden ſtürtzt. Euer Gläubiger hat die Macht, euch nach Gutdün⸗ ken eurer Freiheit zu berauben, indem er euch auf Lebenszeit in den Kerker wirft, oder euch als Skla ven verkauft, wenn ihr ihn nicht bezahlen könnt. Wenn ihr euren Handel gemacht habt, denkt ihr vielleicht wenig an Bezahlung; aber der arme Richard ſagt:Die Gläubiger haben ein beſſeres Gedächtniß, als die Schuldner; die Gläubiger ſind eine abergläubiſche Sekte, genaue Beobachter feſt geſetzter Tage und Zeiten. Der Tag kommt heran, eh' ihr's vermuthet, und die Forderung wird gemacht, eh' ihr im Stand ſeyd, ſie zu bezahlen; oder wenn ihr daran denkt, wird der Termin, der Anfangs ſo lang ſchien, außerſt kurz ſcheinen. Die Zeit wird ihren Ferſen ſowohl, als ihren Schultern Flügel an⸗ geſetzt zu haben ſcheinen.Die haben kurze Faſten⸗ zeit, die auf Oſtern Geld zu zahlen haben. Jetzt glaubt ihr euch vielleicht im Wohlſtand und daß ihr eine kleine Ausgabe ohne Nachtheil ertragen könnt; aber:

So viel du nur kannſt, leg' für's Alter zurück; Gar oft trüben Wolken der Frühſonne Blick.

Der Verdienſt kann eine Zeit lang dauern und un

ſicher ſeyn; aber immer, ſo lange ihr lebt, bleibt die

Ausgabe ſtändig und ſicher; undes iſt leichter zwei Schornſteine zu bauen, als einen rauchend zu er halten, wie der arme Richard ſagt. Geht alſo eher hungrig zu Bette, als daß ihr mit Schulden aufſteiget.

So viel ihr nur könnt, ſucht euch zu erwerben. Was ihr erworben, das ſucht zu erhalten; dies iſt der Weiſen Stein; er wird all euer Blei in Gold euch verwandeln.Und wenn ihr den Stein der Weiſen gefunden habt, dann werdet ihr ſicher nicht laͤnger klagen über ſchlechte Zeiten, oder daß die Steuern ſchwer zu bezahlen ſind.

4) Dieſe Lehre, meine Freunde, iſt Vernunft und Weisheit; doch vertraut bei allen dem nicht zu ſehr auf eignen Fleiß und eigne Klugheit, obwohl herr liche Dinge; denn ſie könnten vereitelt werden ohne den Segen des Himmels; und darum erflehet demü thig dieſen Segen, und ſeyd nicht hartherzig gegen die, ſo ihn jetzt zu entbehren ſcheinen, ſondern tröſtet und unterſtützet ſie. Bedenkt, daß Hiob litt und nachher glücklich war.

Und nun zum Schluß:Die Erfahrung iſt eine theure Schule; aber die Thoren lernen in keiner andern, und kaum in dieſer, wie der arme Richard ſagt. Denn es iſt wahr:Wir können wohl guten Rath geben, aber nicht das Betragen. Allein be denkt:Wem nicht zu rathen iſt, dem iſt nicht zu helfen; und weiter:Wenn ihr keine Vernunft hören

wollt, wird ſie euch auf die Finger klopfen, wie

der arme Richard ſagt.

So endete der alte Mann ſeine Rede. Die Leute hörten ſie und billigten die Lehre und

thaten gleich darauf das Gegentheil, grade als ob,

es eine gewöhnliche Predigt geweſen wäre, denn die