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tokollen Fällen,
zuwirken, je öfter er da einen Halt ſuchte, wo doch eigentlich keiner zu finden iſt.
Der wahrhaft edle Menſch, derjenige, welcher es ſich zur Aufgabe ſeines Lebens machte, nicht nur ſelbſt fromm und tugendhaft zu ſeyn, ſondern auch Frömmigkeit und Tugend umher zu verbreiten; der, welcher ſeine Pflichten, die ihm als Menſchen, als Glied einer Familie, als Glied des Staates oblie⸗ gen, immer redlich zu erfüllen ſtrebt, welcher alles thut, was er kann, daß des Schlechten immer we⸗ niger, des Guten immer mehr werde; ein ſolcher Menſch— und ein ſolcher ſoll doch eigentlich jeder zu werden ſich bemühen— kann nicht wohl am Ende ſeines Lebens die Ueberzeugung gewinnen, daß alles eitel ſey. Wenigſtens wüßte ich es mir gar nicht als möglich zu denken, daß derjenige, welcher es ſich zur Aufgabe ſeines Lebens machte, Menſchenwohl und Menſchenglück zu verbreiten, zu einer ſolchen Ueberzeugung gelangen kann, wenn er auch noch ſo oft in ſeinen Beſtrebungen gehindert wurde, oder Undank einärntete, wo er wenigſtens den Beifall der Beſſern erwarten konnte. Ich habe auch noch von Keinem gehört, daß es ihn am Ende ſeines Lebens gereut hätte, einen ſolchen Weg verfolgt zu haben; und wenn das nicht, ſo konnte er auch nicht ſagen, daß alles eitel ſey.
Darum wüßte ich denn ſchließlich für jeden keine beſſere Lebensregel als die: Handle ſtets ſo, daß
du am Abend deines Lebens nicht zu ſagen
brauchſt: Es iſt alles eitel!
Die Fliegenwedelhaͤndler.“)
Jenſeits des Hausberges bei Butzbach lie— gen nicht weit von einander zwei ziemlich kleine Oertchen, Espa, zum Herzogthume Naſſau gehörig, und das unter großh. heſſiſcher Hoheit ſtehende noch unbedeutendere ſolmſiſche Oes. Aus dieſen Orten zuerſt(aus welchem von beiden man anfieng, vermag Einſender nicht anzugeben) zogen ſchon ſeit wohl zwölf bis ſechszehn Jahren einzelne Menſchen all— jährlich nach England, verfertigten dort die dem
) Der Leſer wird gebeten, ſich vor der Hand mit dieſen Nachrichten zu begnügen, bis wir in den Stand geſetzt ſind, gründlichere zu liefern.
Die Redaction.
Leſer wohlbekannten Fliegenwedel, und nachdem ſie eine gehörige Menge abgeſetzt, zogen ſie, mit einigen engliſchen Goldſtücken verſehen, wieder in die Heimath. Das Gold reizte zu größerer Theil— nahme; es zogen bald mehr mit und ſuchten dort Erwerb, auch ohne Fliegenwedel. Bald wurde Muſik dort gemacht, bald getanzt nach deutſcher Weiſe oder geſungen. Auch das geſiel und wurde bezahlt. Wenn's ſchlecht gieng, war nichts ver— loren, denn man bettelte ſich hinein und wieder heraus. Später fand ſich, daß die jungen fröſchen Mädchen den reichen Engländern beſonders wohl gefielen. Das merkten ſich die Fliegenwedelhändler, und dungen ſich Mädchen auf eine beſtimmte Zeit, die mitgenommen, dort gemeinen Wollüſtlingen Preis gegeben wurden und als Gefallene mit gerin— gem Lohne wieder zurückkamen. Der größte Theil des Sündengeldes war in den Händen derer ge— blieben, die ſie mitgenommen hatten. Das ärgerte die andern, und es gab Proceſſe. Hierdurch wur— den die Behörden hauptſaͤchtlich aufmerkſam gemacht. Es gab vor Gericht ſchreckliche Scenen: Eltern verlangten ihre Kinder wieder, die— wer weiß in welchen gemeinen Händen— zurückgeblieben waren; andere wollten Erſatz für gräßliche Krank— heiten, die ſie als Folgen der Ausſchweifung mit— gebracht hatten. Die Regierung verbot endlich, Kinder und Mädchen mit nach England zu nehmen. Aber man wußte das Verbot zu umgehen, und miethete junge Leute aus Gegenden, wo die Polizei nichts von dem Verbote wußte oder nicht erwartete, daß die gemietheten jungen Leute zu ſolchen Zwecken und für dieſe Reiſe benutzt wurden. Genug, bis jetzt konnte dieſer ſchmählichen Art von Broderwerb noch nicht Gränzen geſetzt werden, im Gegentheile verbreitete es ſich nachgerade über mehrere Orte; denn die goldenen Münzen, welche hier mit eilf und mehr Gulden bezahlt wurden, lockten gewaltig. Es mögen auch hier und da noch andere Mittel als die angedeuteten angewandt worden ſeyn, um ſich etwas zu erwerben. Wenigſtens ſoll man ſchon koſtbare goldene Repetiruhren bei ſolchen Fliegen— wedelhändlern geſehen haben, die auf dem gewöhn— lichen Wege nicht wohl erworben ſeyn konnten. Wer überwacht dieſe Leute? Wer weiß, wozu ſie ſich im fernen Lande all gebrauchen laſſen?
Wenn aber das auch alles nicht, ſo iſt die bis


