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der auf einer wissenschaftlichen Reise in Königsberg in den Schauplatz des Krieges geraten war, und mit großem Eifer in den Lazarethen gearbeitet hatte. Hier ward er, wie so viele Treffliche in jener schauder⸗ vollen Zeit, das Opfer seiner Kunst. Die Mutter hatte diesen harten Schlag mit großer Standhaftigkeit ertragen, und ver⸗ mied nicht, daran erinnert zu werden. So kam denn sehr natürlich die Rede auf den geliebten Todten, den ich selbst in Halle gekannt hatte.

Man meint gewöhnlich sagte sie im Laufe des Gespächs, es sei weit härter, Kinder in der vollen Kraft ihrer Jahre und der vollen Reife ihrer Ausbildung zu ver⸗ lieren, als in dem zarten Alter, wo doch alles kaum Blüthe und ungewisse Hoffnung sei. Das ist aber nicht mein Gefühl. Man kann diese vielleicht früher vergessen, weil weniger Einzelnes an ihre flüchtige Erschei⸗ nung erinnert. Aber will man denn ver⸗ gessen, was man geliebt hat? Ich habe doch die Freude genossen, die Entwickelung des Geistes meines Eduard, die redliche Anwen⸗ dung seiner Kraft zu sehen; weiß, daß er

Gegen Abend näherten wir uns Land⸗ stuhl. Schon von fern sahen wir die Ueber⸗ reste der denkwürdigen Burg, wo vor drei Jahrhunderten Franz von Sickingen hauste. Wir verließen unsere Wagen, um desto freier die Gegend zu überblicken, die sie einst beherrscht hatte. Nah am Wege liegen drei große Quadersteine über einander. Der oberste mit einer rätselhaften Inschrift, die wahrscheinlich längst den Fleiß der Antiquare beschäftigt hat, deren Deutung mir aber unbekannt geblieben ist.

Während die übrige Gesellschaft die nö⸗ thigen Anstalten für unser Unterkommen in dem alten, kleinen Städtchen übernahm, machte ich mit Hu. von Wedell einen Ver⸗ such, etwas Nähers über die Geschichte des Stammhauses des Ritters und seiner Burg zu erkunden. Man wies uns an den ersten Geistlichen oder Dechanten des Orts Hrn. Micg, Auch war er ganz der Mann, den wir suchten, da er schon selbst geraume Zeit an einer Sammlung von Nachrichten über das Altertümliche der Gegend ar⸗ beitete, und dabei mit großer Gefälligkeit

den Zweck meiner Erziehung erfüllt, we⸗

nigstens gezeigt hat, was er noch hätte

leisten können; weiß, daß er rühmlich im Dienste derer endete, die ja auch Blut und Leben für eine große Sache daran gegeben hatten. Hat er doch nicht blos als hülfloses Kind in dunklen Gefühlen, sondern als Knabe, als Jüngling, seine Mutter mit Bewußtsein gekannt, und mit Liebe an ihr gehangen. Eben daher knüpfen sich an sein nun freilich vorübergegangenes Dasein, so

oft ich an ihn denke, so viele einzelne

schöne Erinnerungen. Das hat mich aufgerichtet.

Wohl, erwiederte ich, ist jede Mutter selbst in ihrem Schmerz glücklich zu nennen, die so von ihrem Sohne sprechen darf. So fühlten ja auch die großen Frauen der Vorzeit, wenn man ihnen die Leichname im ehrenvollen Kampf gebliebener Söhne zurückbrachte. Dazu, sagte jene Spartanerin, als man sie über den Verlust des Einzigen siegend Gefallenen beklagte, dazu hatte ich ihn geboren. Wenn Homer bei der Er⸗ wähnung an der Jugendblüthe hinsterben⸗ der Krieger, mehr als einmal bedauernd hinzusetzt: Kurz nur blüht ihm das Leben, und den Eltern konnt' er die Pflege nicht lohnen, so hat er nicht daran gedacht, daß es ja nicht der einzige Erziehungslohn ist, die Pfleger der Kindheit im Alter zu er⸗ nähren, daß es einen weit höheren giebt, der Erzieher würdig gelebt und geendet zu haben.

Das patriotische Gefühl unseres Reisen⸗ den zeigte sich in besonders rührender Weise, als er unweit Kaiserslautern die Burg Landstuhl besuchte, auf der im Jahre 1523 Franz von Sickingen sein Ende gefunden hatte. Von dem Besuch dieser historischen

Stätte berichtet Niemeyer:

unsern Wünschen entgegen kam. Er sprach das Deutsche so gut, daß wir Anfangs den französischen Emigrirten mehr an der Fein⸗ heit der Sitten erkannten, wodurch sich die meisten dieser Geistlichen, auch bei geringen und beschränkten Kenntnissen, von vielen deutschen katholischen Landpfarrern doch auf⸗ fallend unterschieden. Seine Bibliothek war klein aber ausgesucht, und ein Beweis, daß er mit der neueren und älteren, deutschen und ausländischen Literatur bekannt war.

Wir konnten unsre Wanderung in seinem Garten anfangen: denn hier endete das letzte Gemäuer des alten Schlosses der alten Felsenburg, jetzt nur noch eine große Ruine, Man sieht indeß die Ueberreste des alten Rittersaales und zeigt das Gewölbe, in welchem der verwundete Ritter endete. Dem Kenner der Geschichte jener Zeit darf ich nicht sagen das Franz von Sickingen, Luthers Zeitgenoß, in die Reihe jener frei⸗ sinnigen Männer wie Ulrich von Hutten, einigermaßen auch Götz von Berlichingen ge⸗ hörte, denen der Druck kleiner Fürsten, be⸗ sonders der schwelgenden Bischöfe und geist⸗ lichen Regenten unerträglich ward, und die eben daher auch die Sache des großen Refor⸗ mators gar bald zu der ihrigen machten, ob er wohl selbst nicht wünschte, daß man für sie mit andern Waffen als dem Schwerdt des Geistes, dem Worte Gottes, kämpfen möchte. Eine Fehde mit Trier, Pfalz und Hessen endete mit seinem Tod(1523). Die Ueber⸗ macht umringte seine Burg. Eine Kugel zer⸗ splitterte in der Nähe, wo er auf der Mauer stand, einen Balken. Tödlich verwundet trug man ihn herab. Das Schloß ward ühergeben. Die Fürsten drangen ein. Das Schicksal des Ritters, dem kein Anderer an Tapferkeit und Mut und Geist gleich kam, versöhnte sie mit dem Sterbenden. Sie umgaben ihn mit Teil⸗

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