Einzelbild herunterladen

ist un⸗ auf die rungen id nicht ider zu 2 selbst⸗ hepaar wenn n einer n An⸗

abbiner gegen wahre untgabe [Anzeige m wird erboten, Kreise enbahn, ost noch er einen hristen, Rog⸗ hweizen, bt und Möhren, n, Obst 10 Eier, kermehl. stellung n Seife

inn, den agt, der ser Leib eibt, da

veiß ich Auf ihn

uther.

½ Uhr: Pfarr⸗

Gottes⸗

r: Pro⸗ 8 Uhr:

4235

/ Uhr: 5 Uhr:

ags achmit⸗

idruckerei

Sonntagsgru

Gemeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen

5

Nr. Gießen, Sonntag n. Neujahr, den 5. Januar 1919 8. Jahrgang

Herr, bleibe bei uns! Evangelium des Lukas 24, 29. Und sie nötigten ihn und sprachen: Bleibe bei uns; denn es w zill Abend werden, und der Tag hat sich geneigt. Und er ging hinein, bei ihnen zu bleiben.

Es ist merkwürdig, wie manche Jugend⸗ erinnerungen uns durch das ganze Leben be⸗ gleiten. Der Schreiber dieser Zeilen war noch ein Junge, als er, durchs Städtchen am Spätnachmittag des Silvestertages schlen⸗ dernd, die Glocken der lutherischen Kirche läuten hörte, die zum Gottesdienste riefen. Die Eltern waren der N Kirche angegliedert, und es bestand leider eine scharfe Spannung zwisch zen beiden Lagern. Aber dem Jungen ward weich ums Herz, 5 so schlich er die Treppe zum Orgelchor hin⸗ auf und drückte sich dort in ein Eckchen. Der Gesang war verklungen, der Pfarrer betrat die Kanzel. Die untergehende Sonne warf durch die Scheiben einen wunderbar ver klärenden Schimmer über Haus und Ge⸗ meinde, und in diesem Augenblick klang von unten her: Herr bleibe bei uns, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt. Der alternde Mann weiß nicht mehr, was der Knabe damals alles noch ver⸗ nommen, nur das Eine: er war so tief er⸗ griffen, daß ihm die Tränen mit Gewalt in die Augen kamen. Als er der frommen Mutter hinterdrein den heimlichen Gang und das Erlebnis beichtete, legte sie ihm wie seg⸗ nend die Hand aufs Haupt. Jahre und Jahr⸗ zehnte sind seitdem verflossen, aber immer wieder um die Jahreswende hat er die Glocken läuten hören, die Sonne purpurn, untergehen sehen und den altvertrauten Kanzelgruß vernommen. Jedes Jahr war damit ein anderes Bangen, n und Hoffen verknüpft; tritt uns doch aus dem gleichen Wort stets neuer Geist, den äußeren und inneren Erlebnissen angemessen, ent⸗ gegen. Diesmal aber möchten schier wieder Tränen, anderer Art, ins trübe Auge treten. Ja, es ist Abend worden, und der Tag hat sich geneigt über tausend stolzen Hoffnungen 85 b Vaterlandes und der eigenen

e. Zerflossen ist der Glanz; wir Aelteren

i al können uns trotz alles guten Willens

und auch mancher ehrlie ch gewandelten Ueber⸗ zeugung nur schwer in die neuen Verhält⸗ nisse finden, 96 das Herz ist uns in wehen Augenblicken manchmal bange bis zum Brechen. Zur Stunde herrscht das Chaos, und selbst über seine Hoffenssterne jagen immer wieder dunkle Sorgenwolken. Und

doch, vielleicht gerade jetzt löst sich aus den Tiefen unseres Wesens und Empfindens einmal mit Urgewalt die Bitte los: Herr, bleibe bei uns! Jene wunderbar ergreifende Geschichte der Emmausjünger, nun erleben wir sie an uns selbst in ihrer ganzen Wucht; sollten wir nicht auch, wenn unsere Augen nicht mehr gehalten werden, ihres köstlichen Trostes teilhaftig werden? Den Beiden da⸗ mals war ebenfalls eine Welt zerbrochen!

Wir aber hofften, daß er es sei, der Israel

erlösen solle! Und nun lag er schon drei Tage im Grabe, und mit dem Gerücht von seiner Auferstehung hielten sie es nicht an⸗ ders wie die Zwölfe selber:es erschien ihnen wie ein leeres Geschwätz und sie glaubten es nicht. Aber, ob auch unerkannt, wandelte schon leibhaftig der unter ihnen, den sie für immer vernichtet glaubten, und als der Tag sich neigte, brach 5 das Brot mit ihnen, enthül lte sich sein Leben, sein

Geheimnis und sein Sieg heiliger denn je

zuvor. Auch heute wandelt er, mag sein un⸗ erkannt, durch unsere Zeit und Welt. Immer folgt dem Abend ein neuer Morgen; wartet nur, auch unsere Augen werden geöffnet bei uns vielleicht nur noch im Glauben, bei unseren Kindern und Enkeln aber im Schauen und Erfassen. Auch von unsern Tagen heißt es:Mußte nicht Christus solches leiden und zu seiner Herrlichkeit ein⸗ gehen? Denn das Golgatha wiederholt sich immer wieder und erschütternder, 5 85 die ganze Menschheit durchdringt und das Ostern. des G ottesreiches auf Erden anbseche en kann. Sind wir so trägen Herzens, zu glauben? Wir wären seiner nicht wert! Nur eines muß uns wie Feuer im Herzen brennen, das stetig gleich sich bleibende Gebet: Herr, bleibe bei uns! Mögen andere darüber lächeln oder auch spotten, mögen wir selbst auch manchmal traurig auf dem Wege stehen bleiben, wie damals die Jünger von Em⸗ maus: wenn wir uns nur immer wieder, bie sie, von der Seele reden, was uns drückt, dann wird es selbst, wenn der Tag sich neigt, lich hter und lichter werden und verklärender Schimmer sich über uns breiten, wie eiast in der kleinen lutherischen Kirche.sch

Geschichten und Bilder aus Alt⸗Gießen

12. Der Zug des Todes im Dreißigjährigen Kriege.

Gen Bernhard Wezel, inder im Hospital 63 Jahr alt(Der, der nach Kemmerer die