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läuterungen beigefügt werden. Sehr häufig handelt es sich in den Protokollen um ein Vorgehen gegen die Entheiligung des Sonn⸗ tags und Störung des Gottesdienstes. Große Autorität scheinen die Kirchenkonvente nicht gehabt zu haben; denn viele der Geladenen sind einfach nicht erschienen. Die Derbheiten, die hier wiedergegeben werden, wolle man mit der Anschauungsweise der alten Zeit entschuldigen. . 1707.

Die Buben, welche vergangenen Sonn⸗ tag in der Kirch so muthwillen getrieben, seynd auf die Pforte gesetzet worden. Die Stadtpforte lag da, wo heute Marktstraße und Bahnhofstraße zusammenstoßen, sie ist in den 40ger Jahren des vorigen Jahr⸗ hunderts niedergelegt worden. Ungezogene Knaben, die während des Gottesdienstes keine Ruhe hielten, wurden dort eingesperrt; wie lange das jedesmal geschah, wird nicht gesagt.

Der Schumacher bey der Sonne, welcher

die Steckerothin hat(d. h. geheiratet hat), soll des Sonntags arbeiten, welches der Opfermann ihm untersagen soll.

Ist der Studenten halber erinnert wor den, daß sie so sehr unter denen Predigten von der Bühne zur Kirch hinauslaufen und die Leuthe sich daran sehr ärgern. Soll von der Cantzel gesagt, und die Thüren unter der Predigt zugehalten werden.

Der böse Schneider Philipps Schöndörfer ist wegen seiner gottlosen Händel ins Ge fängnüß gesetzet, gehet bey vielen Jahren in keine Kirche..

In der Maygasse bey Henrich Kann soll ein Gesellschaftswesen und Spiel seyn, wel- ches soll inhibirt werden.

Am Sonntag hat der Reuling in der Neustadt und noch einer Nahmens Baltzer am reichen Sand Spielleuth gehabt, sollen darüber gestrafet werden.

Der Sporer vorm Walthor, Texstor ge⸗ nannt, führt eine böse Kinder-Zucht, die Kinder gehen in keine Schul und treiben allen Muthwillen auf den Gassen, ist bevor im Pfarrhauß erinnert worden, so aber nichts helfen wollen, soll deßwegen vor den Herrn Oberschultheiß eitirt werden. Un⸗ verständlich ist hier die BezeichnungSpo⸗ rer, die später noch einmal wiederkehrt. Vielleicht war es eine mundartliche Be⸗ rufsbezeichnung. Zu dieser Zeit lebte hier ein Textor, der Messerschmied war. Jeden⸗ falls hat in diesem Falle die Ermahnung gefruchtet; denn eine weitere Aufzeichnung sagt:Der Sporer hat seinen bösen Sohn zum Pastetenbecker gethan, welcher ihn zur Kirch und guten Zucht zu halten, dem Herrn Secretario versprochen hat.

1708. Der Strumpfstricker Senckeisen soll mit seinem Weibe wegen ihrer Schlägerey und Uneinigkeit künftigen Convent zitirt wer-

den. In der nächsten Sitzung wurde no⸗ tiert:Der Strumpfstricker Senckeisen ist nicht erschienen, sein Weib aber hat sich sistiret und klaget sehr über dessen Boßheit, Zänckerey, Branntweinsauffen und der⸗ gleichen.

Johannes Löber in der Neustadt ist ein Ertzsäufer und Flücher(Flucher), der den Teuffel selbst ruffet, ist zwar vor den Kir⸗ chenconvent citiret aber nicht anzutreffen gewesen, soll künftig bey Straffe erscheinen.

Mit dem Strumpfstricker Senckeisen hat man doch Ernst gemacht; denn es heißt: ist etliche Tage incarceriret gewesen und hat beym Herrn Oberschultheiß Besserung versprochen. 5

Der Herr Obrist soll ersuchet werden, des Sonntags die Patrouille wieder herum⸗ gehen zu lassen, um die Säuffer und Spieler aus denen Bier⸗ und Branntweinhäusern sonderlich unter der Predigt herauszuholen.

1709. f

Von nächtlichem Unfug berichtet der Ein⸗ trag:Weil das Töpffewerffen an die Häuser der Leuthe des Abends so überhand nimmt, so soll wol achtgegeben, auch auf der Cantzel erinnert werden.

Der Schuhmacher Hartmann in der Traubel(Gasthaus zur Traube) wohnend, lebt mit seinem Weib gar übel, sollen ge⸗ schreckt werden, vorm Kirchenkonvent künftig zu erscheinen, wo sie sich nicht werden mit⸗ einander versöhnen. 5

(Fortsetzung folgt.)

Zum hundertsten Geburtstage Viktor habichts. Von Dr. jur. et phil. Karl Esselborn. (Schluß.)

Die Herbeiführung eines besseren kirch⸗ lichen Zustandes der Gemeinde war eine schwierige, nur allmählich zu lösende Auf⸗ gabe. Mit der größten Peinlichkeit ging daher das Oberkonsistorium an die Auswahl und entschied sich zuletzt für Habicht, der sich im Jahre 1865 ohne Erfolg um die zweite Pfarrstelle in Alsfeld beworben hatte. Am 16. April 1870 erfolgte seine Ernen⸗ nung für Rüsselsheim, und am 16. Mai trat er sein dortiges Amt an.

In dem bald darauf entbrannten deutsch⸗ französischen Kriege wax er besonders für das in Rüsselsheim errichtete große Reserve⸗ lazarett tätig, weshalb ihm auch das Hessi⸗

e Sanitätskreuz verliehen wurde. Im Jahre 1872 wurde er von der Dekanats⸗ synode des Dekanats Groß-Gerau einstim⸗ mig zum Dekan gewählt. In demselben Jahre trat er als Mitglied in die Kreis⸗ schulkommission ein. Wie in seiner früheren Stellung, so erwarb er sich auch hier das Vertrauen der höheren Behörden wie auch der Geistlichen und Laien des Kreises. In