8 Durchgang der Venus“(Leipzig, O. Janke
Erzählungen. Soweit sie geschichtlicher Art waren, verwandte er großen Fleiß auf die Vorarbeiten; denn sein Ziel war es, die größte geschichtliche Treue zu erreichen. Er unternahm zu diesem Zweck Ausflüge, um die Stätten, wo seine Erzählungen spielten, aus eigener Anschauung kennen zu lernen.
Seine ersten schriftstellerischen Versuche sind zwei Aufsätze im„Allgemeinen Anzeiger und Nationalzeitung der Deutschen“. Der erste,„Verbesserung des Orgel⸗ spiels“(1845 Bd. 1 Sp. 2113— 2114), wendet sich gegen die hessische Staats regie⸗ rung, die gegen das Unwesen, wie in vielen Dorfkirchen die Orgel mißhandelt und die Wirkung einer erhebenden Predigt durch entheiligende Nachspiele beeinträchtigt wurde, verordnet hatte, daß sich die Organisten im Großherzogtum nur einer durch den Hof⸗ organisten Joh. Christian Hch. Rinck ver⸗ anstalteten Sammlung von Vorspielen be⸗ dienen sollten, das bedeute einen Stillstand in der Entwicklung der Kunst, ja einen offen⸗ baren Rückschritt, weil hierdurch die Kunst des Phantasierens zugrunde gehe. In dem Aufsatze„Der Kirchenbesuch der Kinder“(ebd. 1846 Sp. 2334— 2336) will er den Religionsunterricht zu einem Gottesdienst im kleinen gestaltet wissen und lehnt es ab, daß die Kinder vor der Konfir⸗ mation die Kirche besuchen. Bei den Auf⸗ sätzen zeichnet er nicht seinen ganzen Namen, sondern mit J. R. In den Jahren 1857 und 1858 folgten unter dem Pseudo⸗ nym Kurt Falkner in dem„Illustrierten Familien⸗Journal“ die kleinen Erzählungen „Nur keine Ueberraschung“(Bd. 7, 1857, Nr. 186) und„Der Speculant“ (Bd. 8, 1858, Nr. 216-219).
Nach einer Novelle„Der Kaiser⸗ stuhl“, die er 1865 in der Didaskalia (43. Jahrg., Nr. 231—247) veröffentlichte, erschien im n Jahre bei Ch. E. Koll⸗ mann in Leipzig sein erstes selbständiges Werk, der zweibändige historische Roman „Ein Fürst und seine Räte, der ein Kapitel aus der pfälzischen Geschichte be⸗ handelt und eine Frucht seiner Vorliebe für Heidelberg ist. Hierauf folgten im Jahre 1869 die Erzählung„Ottenhausen“ (Novellen⸗Zeitung, 4. Folge, 7. Jahrg., Leipzig 1869 Nr. 1—3) und der ebenfalls bei Kollmann verlegte dreibändige Roman „Künstlerstreiche“, in dessen Mittel⸗ punkt der Abt Vogler steht, das Jahr 1872 brachte die Betrachtung„Umgesattelt“ (Die bunte Welt, Leipzig 1872) und einen anonymen Aufsatz„Das Reichskam⸗ mergericht in Wetzlar“(Europa, Chronik der gebildeten Welt, 1872 Nr. 13 und 14). Nach achtjähriger Pause und unter dem Pseudonym Richard Forstner er⸗ schien bei Otto Janke in Berlin sein letztes Werk, das zuerst in der deutschen Roman⸗ Zeitung(Jahrg. 17, Bd. 2 u. 3) und dann in Buchform veröffentlichte Roman„Der
1880, 3 Bde.), wohl das Beste, was er ge⸗ schaffen. Bei dem darin vorkommenden „Amselturm“ des Herrn von Röhrichthausen hat er wohl die Ruine Dreieichenhain, bei dem platanenumgebenen Platz mit dem Brunnen ohne Wasser wohl den Mathilden⸗ platz in Darmstadt im Auge gehabt.
Einen äußeren Erfolg hatten seine ge⸗ schichtlichen Erzählungen nicht zu verzeich⸗ nen. Von Nachteil für ihn war es, daß der Verlag der beiden ersten Romane, Koll manm in Leipzig, einging. Seine Werke sind durch⸗ weg flott geschrieben, haben aber fast durch⸗ weg den Mangel der Weitschweifigkeit und der Vorliebe für entbehrliche Episoden.
An unveröffentlichten Werken hinterließ er„ein Zeitbild aus dem siebenzehnten Jahrhundert“,„Kriegeslärm und Waldesstille“, in dessen Mittelpunkt die Zerstörung von Worms durch die Franzosen im Jahre 1689 steht, und eine kleinere Erzählung aus den Zeiten des Reichskammer⸗ gerichts„Streit und Strafe“ Beide Werke verdienten es, noch veröffentlicht zu werden. Eine Erzählung aus dem Treißig⸗ jährigen Krieg, an der er in der Mitte der 1860er Jahre arbeitete und die sein Bruder illustrieren sollte, ist verschwunden.
Nicht nur in Jägers Naturschilderungen, sondern auch in der Wahl der beiden Pseudo⸗ nyme, die er bei einigen Werken gebrauchte, tritt seine Vorliebe für den Wald und das Weidwerk zutage. Ohne selbst je Jäger ge⸗ wesen zu sein, kannte er alle Jagdausdrücke und war ein begeisterter Freund der Waldes⸗ schönheit, die er in der Umgebung von Darmstadt in reichem Maße genießen konnte. Auf weiten Spaziergängen zu allen Jahres⸗ zeiten fand seine Phantasie reichen Stoff. Hörte er einen Hund in der Ferne anschlagen oder fiel ein Schuß, zog ein Bussard seine Kreise oder öffnete sich ein malerischer Aus⸗ blick, so gestaltete sich ihm das alles zu Er⸗ lebnissen, die dann sein weiter arbeitender Geist in Zusammenhang brachte.
Jäger beschloß sein Leben am 23. April 1892 zu Darmstadt. Er hinterließ eine Witwe und zwei Söhne. Seine Witwe überlebte ihn um fast fünfundzwanzig Jahre. Sie starb in Altersverblödung am 29. Oktober 1916 im Philippshospital bei Goddelau.
Gehört Jäger auch nicht zu den Größen des deutschen Parnasses, so verdient er es doch, daß die heimatliche Geschichtsforschung und die heimatliche Literaturgeschichte sein bei seinem hundertsten Geburtstage gedenkt; denn sie hat auf Einzelheiten einzugehen, und gerade darin liegt ihre Stärke.
Ein Straßenbild Kameruns. Von Missionar Heinrich Walther⸗Beuern.
(Schluß.) Zuguterletzt machte sich die Spinne doch auf den Weg. Sie nahm ihre
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