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Teilnehmern von gestern abend mit, mit der Bitte, es dem Dachs zu sagen. Als mir dieser einige Zeit später begegnete und ich auf die Sache zurückkam, sagte er:Is bereits ge⸗ ännert un ausprowiert. Mer hawwe en Pack Schafswoll auf e Stängelche gebunne un mit Mehl bestreut, un mit diesem Puder⸗ pinsel neulich eme neugierige Fräulein iwwers Gesicht gefahre! Die is vom Schlag nett gerührt worde, awwer geschimpft hat se wie en Rohrspatz! Fräulein, hab ich ihr zugerufe, Sie sin selbst schuld dra', daß wir Sie etwas gepudert hawwe, denn warum hawwe Sie geguckt? Für ke jung Dam schickt sich's nett, das Fenster aufzemache, wenn ihr awends gekloppt wird! Gu' Nacht Fräu⸗ lein! A'genehme Ruh! Ach Frech, was hammer gelacht iwwer das Fräulein mit sei'm weiße Gesicht! So erzählte Klein in seiner trockenen Weise und verabschiedete sich mit der Bemerkung:Jetzt wird e Paus gemacht, der Rummel is in de ganz Stadt rum.

In der Schule waren wir zu Ostern eine Klasse höher gerückt, in die fünfte, in welcher die in Nr. 31 des Sonntagsgrußes bereits erwähnte Landkarte hing.

(Fortsetzung folgt.)

Grabinschriften aus alter Zeit.

Auf dem Friedhofe des pfälzischen, unweit der Ebernburg gelegenen Dorfes Feil⸗ Bingert findet sich ein Grabstein, dessen In⸗ schrift charakteristisch ist. Man sieht da eine jetzt von dichtem Buschwerk umgebene rote Sandsteinsäule, die, wie das früher dem Ge⸗ schmack der Menschen entsprach, oben ab⸗ gebrochen ist. Auf der Vorderseite ist zu lesen:Hier ruhet nach nützlichem Tagewerk das Sterbliche von Johann Michael Günther, vormals Bergverwalter und Gutsbesitzer, ge⸗ boren auf der Saline Theodorshalle den 1. e 1757, gestorben in Bingert den 3. September 1826 und mit ihm seine Gattin Katharina geb. Gundrum, geboren in Bacharach den 8. April 1755, gestorben dahier den 4. April 1829. Auf der der Friedhofspforte abgewandten Seite steht:

Was ist doch Pracht und Herrlichkeit Und alles Gut am Ende?

Nur herrlig in dem Gang der Zeit, Wird alles dann zur Blende.

Wie zittert nicht der reiche Mann, Der keines Armen Dank gewann, In Todes-Schacht zu fahren! Glückauf! getrost fahr ich davon,

Wo ich dort edler werde.

Glückauf, glückauf, wir kennen schon Den Mutterschoß der Erde.

Der ist so kühl, der ist so still,

Kein Schwadengift und kein Gerüll Kann uns dort weiter schaden.

Ueber dieser Inschrift sind zwei gekreuzte Bergmannsschlägel angebracht. Seitwärts steht:Dieses Denkmal errichteten ihre beiden noch hinterlassenen Söhne Theodor und Karl Günther aus kindlicher Liebe und Dankbarkeit zu ihrem Andenken mit man⸗ chem von ihnen unterstützten Nothleidenden. bis zu ihrem letzten Hauche. Auch Daten über das Leben dieser beiden Söhne finden sich auf der Säule.

Der Grabstein wie seine Inschrift sind recht interessant und eigenartig. In der Inschrift zeigt sich echte Volksppesie. Die orthographische Ungenauigkeiten(herrlig, Gerüll stattGeröll), die sich darin finden, deuten darauf hin, daß man diesen

Vers nicht aus irgendeinem Buche abge⸗

schrieben hat, sondern daß er von einem Manne aus dem Volke herrührt. Wunder⸗ schön ist hier auf das Leben des Bergmanns hingewiesen. Der Vers atmet ganz den Geist der Zeit, in der der Vernunftglaube herrschte. Diesem Vernunftglauben war jedoch tiefes Gefühl beigemischt, er strebte namentlich darnach, Gottes Gebote zu erfüllen. Dazu gehört auch, daß man den Armen beisteht. Der Mann, der unter diesem Grabsteine schläft, und seine Gattin, haben in den schweren Jahren der Not im ersten Drittel des vorigen Jahrhunderts, da arme Leute scharenweise nach den reicheren Gegenden kamen, um Gaben zu heischen, sich der Notleidenden angenommen.

Der Sohn und der Enkelsohn des Johann Michael Günther waren Besitzer der Ebern⸗ burg, bis diese vor einigen Jahren an ein Konsortium, dessen Präsident der Kreuz⸗ nacher Landrat von Nasse war, überging. Es bestand nämlich die Gefahr, daß die aus der Geschichte der deutschen Reformation berühmte Burg durch Uebergang in fremde Hände in ein katholisches Krankenhaus um⸗ gewandelt worden wäre. Damit wäre zweifel⸗ los ihr historischer Charakter verwischt worden.

Es gibt auch auf dem alten Gießener Friedhofe Grabinschriften charakteristischer Art. Im Mai 1663 trug sich hier ein Unglücksfall zu. Unser Kirchenbuch gibt dar⸗ über Auskunft, indem es unter dem 8. Mai 1663 folgendes schreibt:Herr Eberhard Stroh, Fürstlicher Stückkapitän und Zeug⸗ hausverwalter, seines altlers) 54 J. 2 Mon. Herr Erhard Friederich Stroh, der Mathe⸗ matischen Kunst Beflissener und Stückfenrich, seines Altlers) 25 Jahr 4 mon. 12 Tag, Johann Philipp Vetzberger, Bürger, Bender und Feuerwerker seines altlers) 54 Jahr 4 Monat 2 Wochen 2 Tag. Diese drey haben dem Herrn Grafen zu Weilburg auf seine Heimführung ein Feuerwerck gefertiget, wel⸗ ches durch etliche Schläg auf einen Sturm⸗ schuß angangen, wodurch sie jämerlich ver- sengt und erschlagen worden.