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Bruchstück, das ganze, was Karl Zimmer⸗ mann davon vorfand, lautete:Die Keime alles dessen, was der Mensch wird und leistet, liegen in seiner Kindheit, und wäre es möglich, jede Biographie mit ausführlichen Nachrichten über die Erscheinun gen der Kin⸗ derwelt, über die erste Entwicklung der schlummernden Kraft, über die früheslen Re⸗ gungen und Neigungen zu beginnen, es würde darin der Schlüssel für das Kane nachfolgende Leben zu finden sein. Leider aber reicht die Beobachtunzsgabe des Men⸗ schen nicht bis in die gehrimnisvolle Werk⸗ stätte des kindlichen Gemüts, und am we⸗ nigsten vermag der Autobiograph dorther Aufklärungen zu geben, da er ohne Re ler ion, anfangs sogar ohne klares Selb bewußt ein durch die unbefangene und harmlose Jugend⸗ zeit dahin zegangen ist, beim Genusse der stets heiteren Gegenwart weder vor- noch rück⸗ wärts schaute und daher für das spätere Leben höchstens einige dunkle Erinnerungen rettet, welche er wie das Erbteil aus einem verlorene n Paradiese in sih trägt, welche aber in nichts zerrinnen, sobald das kalte Wort sie fassen und festhalten oder wohl gar der toten Schrift anvertrauen will. Tarum kann denn auch ich nur weniges aus dem eden Abschnitte meines Lebens andeuten.

Diese Aufzeichnung scheint in den ersten Anfängen steckengeblieben zu sein, jed zenfall? hat sie sich nicht erhalten. Zimmermann hat sich aber ernstlich mit dem Plane getragen, sein Leben selbst zu beschreiben. Von einem andern Ansatz, den er dazu genommen, hat sich ein Bruchstück erhalten, das neuerlich zum Vorschein gekommen ist. Die Gedanken über eigne Lebensbeschreibungen und Jugend⸗ erinnerungen, die Zimmermann in dem Fragment entwickelt, sind so schön, daß sie festgehalten zu werden verdienen. Was er über GoethesDichtung und Wahrh: it sagt ist, trotz der Widersinnigk⸗ il dieses Urteils, 3 5 chtlich auch bemerkenswert, zumal es von einem Manne von Zimmermanns Bedeutung ausgeht.

Wer weise ist, beginnt in Zeiten sich ein sicheres Kapital anzulegen, von dessen Zinsen er im Alter zehren kann, und von welchem er so viel, als nötig und nützlich ist, auch noch auf seine Kinder zu vererben wünscht⸗ Aber ein Tor ist, wer bloß für das leibliche Leben im Alter sorgt. Frühzeitig an Spar⸗ samkeit und Genügsamleit gewöhnt, ist der Körper auch in späteren Lebenstagen noch mit wenigem zufrieden. Dagegen wachsen die Forderungen des Geistes in Demel Grade, in welchem die Außenwelt ihm zu genügen aufhört; sein Leben, sein Wohlsein und Gedeihen, auch im hohen Alter noch, hängt von dem Reichtum ab, welcher in früheren Jahren in ihm niedergelegt ist,

und heischt und verdient also eine ungleich 1

sorgfältigere Pflege als der hinfällige Kör⸗

per. Gleichwohl versäumen es Unzählige, sich

diesen. Schatz im Gedächtnis niederzulegen und aufzubewahren.

Je älter der Mensch wird das sagt mir schon jetzo im 37. Lebensjahr: meine Er⸗ fahrung und ie mannichfachere, zum Teil schmerzliche oder wenigstens der Ver⸗ änderlichkeit unterworfene Schicksale er er⸗ lebt hat, desto weniger vermag ihn wie in den heiteren Tagen der Jugend die Gegen⸗ wart zu befriedisgen. Di? auf Erden noch vor ihm liegende Zukunft ist völlig ungewiß; oft getäuscht, unterläßt er es endlich, den Traumgebilden der am Sinnlichen hängen⸗ den Phantasie nachzuhängen; er gewöhnt sich, für dieses Leben nicht vieles mehr zu hoffen oder zu fürchten. So muß er denn immer mehr in sich selhst zurückkehren, und da in seinem Geiste, in seinem Glauben, das suchen, was er außer sich nicht mehr findet. Mit höherem Interesse umfaßt er daher jetzo die rein geistigen An gele zenheiten der Menschheit und nimmt mit ste igender Sehnsucht die Bilder der Ewigkeit in sich auf, welche sein frommer Glaube ihm vorhält.

.(Schluß folgt.)

Kirchliche Anzeigen. Sonntag, den 17. Dezember, 3. Advent. Stadtkirche. Vormitta ns 91/ Uhr: Plarrer Mahr. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäus sem inde: Pfarrer Mahr. Abends 5 Uhr: Pfarrer Becker. Abend⸗ mahl für die Markus gem inde. Jus end⸗

vereinigung der Matthäusgemeinde: Jed en Montag, abends 8 Uhr: männliche Abtei⸗ lung; jeden Donnerstag, abends 8 Uhr:

weibliche Abteilung. Montag, den 18. De⸗ zember, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirm'erten weiblichen Judend den Markus⸗ gemeinde. Mittwoch, den 20. Dezember, abends 8 Uhr: Aufführung 815 Weihnachts⸗ oratoriums von n Schütz.

Johannesbirche. 2 8 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Inkas demeinde: Pfarrer Bechtolsheimer. Abends 5 Uhr: Pfarrer Ausfeld. Abendmahl für die Johannes⸗ gemeinde. Abends 8 Uhr: Bibel⸗ besprechung im Johannessaal. Pfarrer Becker. Montag, den 18. Dezember, abends 728 Uhr: Konfirmandenverei gi ung der Lukas⸗ gemeinde, männliche Abteilung. Freitag, den 22. Dezember, abends/ Uhr: Kon⸗ fürmandenverei inigung für Mädchen aus der Johannesgemeinde.

Wartburgverein.

Sonntag, den 17. Dezember, abends 8 Uhr in der Turnhalle am Oswa'dsgarten(Stein⸗ 5 Weihnachtsfeier. Karten für den 8 2. Platz bei Frl. Weller(Rathaus), im 1 5(Diezstr. 150 und Musckhaus Busch (Kirchenplatzm).

Herantwortssch⸗ N Lange,

Afarrer Bechtolsdelmer Pruck und Perlag der Brühlschen Unwwerssinte- Buch- und Steinpruckeres.

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