Teil der Offiziere der Abteilung, die ganz hier Ortsunterkunft bezogen hat, findet sich allmählich ein. Das Gespräch dreht sich um die unerwartete Veränderung in der Ab⸗ teilung und um unsere voraussichtliche wei— tere Verwendung. Wir sind nämlich weit
hinter die Kampflinie gezogen worden. Wer⸗
den wir aus dem Beskidenkorps heraus— genommen, auf der Bahn verladen und nach einem anderen Kriegsschauplatz gesandt wer⸗ den? Oder soll uns nur noch für einige Tage Ruhe gegönnt werden, um uns dann für eine andere Division, die der Ruhe bedarf einzusetzen? Keiner weiß es. Und dann die große Veränderung. Major Wangemann ist vorgestern nach Deutschland 1 6 5 gekehrt, da er aus Gesundheitsrücksichten nicht mehr im Felde bleiben konnte. Ich bedauere seinen Weggang sehr; er hatte eine sehr glückliche Hand bei der Auswahl der Feuerstellungen., womit auch die geringen Verluste der Abteilung zusammenhängen. Hauptmann von Hirschberg erhielt die Füh— rung der Abteilung. Das ist mir sehr lieb, da ich ihn schon lange kenne und sehr gut mit ihm stehe.
Als gestern abend die Pferde der Dorf— bewohner von der Weide kamen. saßen auch verschiedene 16 bis 17jährige Mädchen dar— auf, ohne Sattel, und galoppierten zur großen Freude der Soldaten über den großen Platz, daß es eine Lust war, sie zu sehen.
(Schluß folgt.) b
Zum hundersten Geburtstage bintor habichts. Von Dr. jur. et phil. Karl Esselborn.
Die Tageszeitungen pflegen verdienter Männer und Frauen zu ihren Lebzeiten und nach ihrem Tode bei bestimmten Ge⸗ legenheiten zu gedenken. Meist ist der fünf⸗ zigste oder ein späterer durch eine runde Zahl ausgedrückter Geburtstag die erste Ge⸗ legenheit dieser Art, dann folgen beim Tode die Nachrufe und Nekrologe, und später gedenkt man ihrer beim hundertsten Ge— burtstag. Meist zum letzten Male; denn die Mehrzahl fällt nun der Vergessenheit anheim, und nur den wenigsten ist es ver⸗ gönnt, noch länger im Gedächtnis der Nach- geborenen zu leben, soweit diese nicht etwa zu ihren Nachkommen zählen. Die Lebens- betrachtung zum hundertsten Geburtstag ist für die biographische Forschung sehr ergie⸗ big: außer bei Frühverstorbenen leben in der Reel noch zahlreiche nahe Verwandte und Freunde, die Mitteilungen über den zu Behandelnden machen können, und dabei at der Biograph zu diesem einen weiteren bstand als unmittelbar nach dem Todes⸗ fall, so daß seine Ausführungen weit objek⸗ tiver sein können als damals. Die heutige Betrachtung gilt Viktor Habicht, der über ein Vierteljahrhundert Superigtendent von Oberhessen und nahezu siebzehn Jahre
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als Prälat oberster Geistlicher der hessischen Landeskirche war. Viktor Habicht war am 5. Februar 1822 zu Engelthal geboren, wo sein Vater, Ch v i⸗ stian Habicht, Justizamtmann der gräf⸗ lich solms-wildenfelsischen Herrschaft Engel thal wax. Als er drei Jahre alt war, wurde sein Vater als Landrichter nach Laubach versetzt. Seinen ersten Unterricht empfing er von einem Schreiber seines Vaters, und mit kaum fünf Jahren konnte er nahezu fließend lesen. Daneben wurde er noch bis zu seinem siebenten Jahre von dem Kantor Volp unterrichtet, dann kam er in die Privatschule des Inspektors Johann Adam Kolb, an der auch der als Sprach forscher bekannte Pfarrer Lorenz Die fenbach(1806-1883) unterrichtete. Zei chenunterricht erteilte ihm die Prinzessin von Solms. Als Kolb darauf(1830) als Pfarrer nach Alszeld versetzt wurde, be— suchte er die Schule, die dessen Nachfolger, Georg Marx, einrichtete, bis der am 25. Juni 1834 erfolgte Tod seines Vaters eine eingreifende Veränderung in seinem Leben herbeiführte. Mit sechs unerwachsenen Kindern, zwei Mädchen und vier Knaben, befand sich seine Mutter in einer verzwei— felten Lage. Da Laubach damals noch kein Gymnasium besaß, siedelte sie, um ihren Söhnen den Besuch des Gymnasiums zu ermöglichen, im Herbst 1834 nach Büdingen über. Dort besuchte Habicht das damals von dem bekannten Sophoclesübersetzer Ge— org Thudichum geleitete Gymnasium. Durch„Fleiß, Ordnungsliebe und Folgsam— leit“ erwarb er sich stets die Zufriedenheit seiner Lehrer. Auf Ostern 1840 verließ er die Schule mit dem Zeugnis der Reife. Um seiner Mutter durch das Studium möglichst geringe Kosten zu verursachen, und möglichst bald selbständig zu werden, ent⸗ schied er sich für das Studium der Theo- logie. Mit dem Sommersemester bezog er die Universität Gießen, wo er am 9. Mai 1840 immatrikuliert wurde. Hier waren Ludwig Adam Dieffenbach, Karl August Credner, Karl Friedrich Meier, August Knobel und Karl Friedrich August Fritzsche seine Lehrer. In seinem vierten Semester besuchte er auch eine altphilologische Vorlesung, doch beschränkte er sich im folgenden wieder auf die Theologie, um nach drei Jahren recht- zeitig sein Studium abschließen zu können, zumal ihm dieses nur durch fremde Hilse und Stipendien ermöglicht worden war. Vor Ostern 1843 hatte er dieses Ziel er— reicht und das Fakultätsexamen bestanden. Nach dem Feste bezog er das Predigersemi— nar in Friedberg, aus dem er am 10. April 1844 entlassen wurde. Nach einer kurzen Erholungsreise trat er am 28. April eine Hauslehrerstelle bei dem Arzte Dr. Sa⸗ mes in Echbell an und bereitete sich gleich— zeitig für das Definitorialexramen vor. Im


