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1739. 0
„Auf den Sonntag Cantate unter der Haupt⸗Predigt hat der verwilderte, von Gott und seinem Wort nichts wissende Wagner, in der Wolckengasse wohnend, unter der Predigt auf der Männerbühne den Kann, einen Schornsteinfegerjungen mit Füßen ge⸗ tretten und, als der Armenvogt Felsing darzugekommen, der Kirche hinausgelauffen, wie dann die Herren Kirchenseniores damahls ihn mit dem Grossar(wohl unrichtig wieder⸗ gegebener Familienname) und des Schuh- machers Wagner Sohn hinter dem Lairer⸗ Hauß(2) bey der Cantzley angetroffen. Diesen soll in Zukunft vor dem Kirchen-Con⸗ vent ihr Unfug vorgehalten werden.“
„Andreas, weyland Friederich Zinnen Sohn, ein Fuhrmann, soll die Ketten auf dem Creutz zerbrochen haben.„Soll dem Herrn Rath Freund angedeutet werden, daß er die Kette wieder machen und vor den Frevel angesehen werde.“ In alter Zeit wurden die Straßen, die nach dem Kirchen- platz führten, während des Gottesdienstes mit Ketten abgesperrt, damit die Fuhrwerke den Gottesdienst nicht stören sollten. Ueber den die Andacht störenden Lärm wird sehr oft geklagt, aber auch darüber wurde im 18. Jahrhundert geklagt, daß die Armen⸗ vögte, die doch für die Ordnung auf den Straßen aufzukommen hatten, gegen Trink⸗ geld mitunter die Ketten geöffnet haben.
In der nächsten Sitzung kamen die jungen Leute, die am Sonntag Cantate den Gottes⸗ dienst gestört hatten, vor den Konvent. „Erschien Georg Henrich Wagner als An⸗ fänger obigen ermelden(berichteten) Unfugs in der Früh⸗Predigt. Er gestande alles ein, bathe es dermahl zu verzeihen, weil er im Zorn dazugebracht, worauff ihm denn ein harter Verweis gegeben worden, nebst Unter⸗ richt, wie er sich gegen Gott und Menschen zu verhalten, zumahl er ein Garten-Streicher seyn soll, der den Metzgern das Vieh aus Armuth hüte. Man hat vor gut befunden, Herrn Obristen anzuzeigen, daß er ihn unter die Soldaten nehme, weil der Bube mit 17¼ Jahr wol gewachsen und sonst wol aus⸗ sehe, dessen Vatter aber höchst arm, daß er ihm nicht die geringsten Kleider schaffen könne, damit er nicht verwildere, sondern in die Zucht, Nahrung und Kleider gebracht werde. Herr Obrist läßt sagen, wie er ohne Vorwissen des Kriegs⸗Raths keinen anneh⸗ man könnte. Er will aber mit Herrn Obrist⸗ Leutenant(Name unleserlich) des Falles sprechen. Wilhelm Wagner erschien und hatte nebst seinem Vatter, dem Naunheimer Schuster vulgo genannt, ein gut Zeugnis, beklagte mit Thränen, daß er sich habe aus der Kirche zu lauffen verführen lassen, wollte es nicht mehr thun, deswegen er nach gethaner frommen Remonstration vor dies⸗ mahl ohne Straffe dimittirt worden.“
Von einem Ehestreit, der sehr große Aehn⸗ lichkeit mit dem, was sich heute oft zuträgt, hat, erzählt uns eine andere Aufzeichnung. „Anna Margaretha Müllerin, des Schieffers im Neuweger Felde Ehefrau, erschien und klagte über ihren Mann wegen allzu harten Tractaments und vieler Schläge. Dieser wurde das Brandtweinsauffen wie auch die liederliche Haushaltung vorgehalten, wollte aber keins an sich kommen lassen, das erste Jahr, als sie noch etwas Geld gehabt, hätte er sie wol tractiret, nun aber wolle er kein Geld hergeben oder sonst was. Der Mann solle sehr rau und unartig seyn, deswegen er auch wol mögte von seinem Dienste kom⸗ men, ohngeachtet er ein fleißiger Hirte seye nebst seynem Sohn.“ Bis dahin ging die Sache ja leidlich, kurz darauf bekam sie eine andere Wendung; denn der Mann zeigte an, „wie als er von seiner Schäfferey heim ge⸗ kommen, so hätten Kisten und Kästen offen gestanden, die Frau hätte alles, was sie hätte fort bringen können, mit sich genom⸗ men, wohin wisse er nicht, außer daß sie inen Sohn zu Griedel bei Butzbach hätte, meinte aber doch nicht, daß sie daselbst hin wäre, sondern an einen anderen Orth viel⸗ leicht, wo sie das, was in der Stadt geraubt und bisher von ihr gestohlen worden, ver⸗ bracht hätte.“ Drei Wochen später ist die „Müllerin“ wieder zu ihrem Manne zurück⸗ gekehrt, wo sie inzwischen geweilt hat, wird nicht berichtet. Auch dieser Fall belehrt uns, daß die alte Zeit nicht immer eine gute Zeit gewesen ist: i
„Der Strumpfstricker Heller soll einen Sohn von 17 Jahren haben, welchen er nicht zur Schule hält sondern zum Betteln ge⸗ wöhnet, weil er eine Lähmung vorgiebt, die aber falsch sich befinden soll. Er wohnet am Seltzersweg. Ist deshalb zu citieren und dem Vatter das Betteln seines Sohnes zu verweisen, besonders da dieser ja, wo eine Lähmung sich findet, gar wol auf das Strumpfstricken befleißigen und so sein Brot verdienen kann.“ In der nächsten Sitzung hieß es:„Des Strumpfstrickers Hellers Sohn ist des Vatters und Mutters Aussage nach unter die Soldaten zu gehen in Willen und deswegen verreißt, hat also nicht erscheinen können. Doch zweifelt man, ob er wegen seiner Lähmung megte angenommen werden.“
(Fortsetzung folgt.)
Ein Straßenbild Kameruns. Von Missionar Heinrich Walt her-Beuern.
Von unserer früheren Missionsstation Mangamba aus, wo ich vor dem Kriege 8 Monate tätig war, wollen wir einmal einen Besuch in das Dorf unternehmen, um das Leben und Treiben der Neger von morgens früh bis abends spät kennen zu lernen. Zuerst wollen wir uns einmal das Landschaftsbild etwas ansehen. Unsere Sta⸗


