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uam Schlimmes und Unerträgliches von der Bevölkerung abzuwenden. Oft bot man Offi⸗ zieren jedes Grades als etwas Selbstver⸗ ständliches Geschenke an, um sie den vor⸗ zutragenden Wünschen günstig zu stimmen, oder um sich für die Gewährung dankbar zu erweisen. Chastel berichtet, daß der Kom⸗ mandant Pven den General Ney zwar als einen guten Kriegsmann, aber auch„als den größten Bösewicht, der in der alten und neueren Geschichte seines gleichen kaum hätte, dessen Hauptleidenschaft hauptsächlich Geiz wäre“, geschildert habe. Yven habe hinzugefügt, wahrscheinlich fände sich Ney getäuscht in seiner Hoffnung, daß ihm die Stadt Gießen ein paar hundert Louisdor zum Willkomm bringen würde. Es waren nur Wenige, die das Geschenk zurückwiesen, und ihre Namen werden jedesmal mit be⸗ sonderer Genugtuung verzeichnet.
Dieses Verhalten der Franzosen in der Oberpfalz, in Franken und überhaupt auf ihrem Marsche hat gerade die Bauernauf⸗ stände hervorgerufen. Als Jourdan dem Erz⸗ herzog weichen mußte, erhob sich das Land⸗ volk allerorten gegen seine Bedrücker und ge⸗ staltete den Rückzug der Franzosen zur Flucht. Schaumann irrt, wenn er solche Nachrichten für Zeitungsgewäsch erklärt und von einem stolzen Rückmarsch spricht.
Wie verlustreich dieser Rückmarsch wer, geht aus der Darstellung des Erzherzogs Karl hervor, und gleichzeitige Geschichts— werke sprechen sich noch deutlicher aus. Die von A. G. L. Lentin aus dem Englischen übersetzte anonyme„Geschichte des Feld⸗ zuges von 1796 in Deutschland und Ita⸗ lien“, Göttingen 1798, schildert den Zu— stand der Armee Jourdans folgendermaßen: „Die verschiedenen Korps der französischen Armee, welche keine regelmäßige Zufuhr von Lebensmitteln, noch bestimmte Punkte zum Rückzug hatten, warteten nicht länger auf die Befehle ihrer Generale. Sie waren in einzelnen Parthien geflohen und hatten die Gegenden, durch welche sie kamen, ge⸗ plündert und verwüstet. Ein großer Theil der Infanterie hatte die Gewehre weg⸗ geworfen und war ohne Schuhe. Stets ver⸗ folgt durch die Oesterreicher und Bauern, die gegen sie aufgestanden waren, hatten Schrecken und Muthlosigkeit Jourdans Truppen ergriffen; sie zeigten weniger das Bild einer Retirade, als einer tumultuari⸗ schen Flucht Mangel an Unterhalt und übermäßige Anstrengung und Desertion ver⸗ minderten ihre Zahl eben so sehr, als das Schwerd des Feindes, und der Verlust, den sie auf ihrer Retirade von der Naab bis an die Lahn erlitten, wird allgemein auf mehr 721 147 0 Mann angegeben.“
er auch die Ereignisse in Gießen selbst sprechen gegen Schaumanns Ansicht. Die „Kriegsgeschichte“ berichtet, daß am 9. Sep⸗ tember 400 Verwundete in der Stadt an⸗ kamen, die meistens noch den ersten Ver
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band hatten. Und daß auch in unserer Ge⸗ gend die Bauern kräftig gegen die fliehenden Franzosen vorgingen, beweist die Bitte Yvens an die Regierungsräte v. Buri und Schwabe und den Ratsschöffen Tasche, sie möchten ihn nach Grünberg zur Besichtigung von 1200 dort eingetroffenen Flüchtlingen begleiten,„und gegen die Anfälle der Bauern sichern“. Das war schon am 5. Sep⸗ tember, und am 12.(nach dem Scharmützel und der Beschießung der Stadt) kam der Grünberger Amtmann, Hofrat v. Schmal⸗ kalder,„an der Spitze von einer unüberseh⸗ baren Menge(mit Heugabeln, Sensen und Feuergewehren) bewaffneter Unterthanen aus dem Grünberger Amt mit klingendem Spiele in die Stadt geritten“. Die Gießener Kriegs⸗ kommission nahm dies dem tapferen Amt⸗ mann sehr übel, weil er ohne Auftrag ge⸗ handelt habe, und verhinderte die Bürger⸗ schaft, sich den Bauern anzuschließen, die Oesterreicher aber teilten Patronen an die Bauern aus.
Schaumanns Irrtum läßt sich dadurch erklären, daß Jourdan hier bei Gießen ernst⸗ lichen Widerstand, scheinbar nicht ohne Er⸗ folg, versucht hat. Außerdem scheint man in den Gießener maßgebenden Kreisen, be⸗ einflußt durch das Verhalten des Komman⸗ danten Yven, vielleicht auch durch den Pro⸗ fessor Crome und den eifrigen Dolmetscher Chastel, einen Franzosen, ganz allgemein ein günstiges Urteil über den seither erfolg⸗ reichen Feind gehabt zu haben. In seinem oben genannten Geschichtswerk hat Schau⸗ mann übrigens seine Ansicht modifiziert. Hier spricht er mit Schärfe von der„Zügel⸗ losigkeit der französischen Soldaten“ und von der„schleunigen Flucht“ der„Schul⸗ digen“, denen er allerdings die bei ihren Heerführern aushaltenden, zum schnellen Rückzug gezwungenen„Unschuldigen“ gegen⸗ überstellt. ü
Es war nicht meine Absicht, in dem vor⸗ stehenden Aufsatz eine erschöpfende Dar⸗ stellung der Gießener Geschichte jener Tage zu geben, sondern die Ereignisse nur soweit zu schildern, als es für das Verständnis des Schaumannschen Briefes nötig schien, und bei dieser Gelegenheit einige noch verbliebene Unklarheiten zu beseitigen. Wer sich über die für unsere Stadt so interessante und folgen- schwere Periode genauer unterrichten will, sei auf die Lektüre der oben genannten chronikalischen Aufzeichnungen mit ihrer Fülle von Einzelheiten, besonders auch auf Wolfgang Meyers fleißige Arbeit, die das Gießen der Jahre 1796 und 1797 ausführ⸗ lich schildert, hingewiesen. Auffallend bleibt es, daß die schwer einschneidenden Gescheh—⸗ nisse an der einzigen Zeitung der Stadt, vorübergegangen sind. Zwar findet man dem Gießer Intelligenzblatt, fast spurlos unter den„Ein⸗ und Auspassierten“ wäh⸗ rend der Zeit der österreichischen Besetzung zahlreiche K. K. Offiziere, aber während der
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