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wurden allemal vom Bürgermeister zum Wachdienste beordert. Man hat aher nie gehört, daß diese verstärkte Mannschaft einen der Pistolenschützen festgenommen habe. Am Neujahrstage holten wir abermals bei dem Paten ein Geschenk, es bestand in einer großen Brezel, die an den Arm ge⸗ hängt und nach Hause getragen wurde. Als ich nicht mehr dauernd im Eltern⸗ hause verweilte— dieser Zeitpunkt trat für mich schon sehr früh ein—, waren die Weihnachtsferien der Glanzpunkt des Jah⸗ res. Das war eine vergnügte Wanderung von der Stadt nach der Heimat. Das eine Mal ging es im Nebel über festgefrorenen Schnee, das andere Mal mußte man sich durch den frisch gefallenen Schnee den Weg bah⸗ nen. Im Elternhause wurde man froh und liebevoll aufgenommen. Wenn meine Brü⸗ der oder ich zu Hause erwartet wurden, so saß der Vater in der Regel im dunklen Zimmer am Fenster. Sehen konnte er uns am dunklen Abend nicht, aber er erkannte uns am Schritte, meldete unser Kommen den anderen, und alle gingen uns entgegen. Wenn man dann am Abend im Elternhause im Bette lag und der Ofen in dem sonst nicht geheizten Zimmer seinen hellen Schein auf den Fußboden warf, so hatte man das
frohe Gefühl des Geborgenseins, man war
eben aus der Fremde in die Heimat einge— kehrt. Unbehaglich wurde jedoch die Stim⸗ mung, wenn Neujahr vorüber war und nun das Abschiednehmen näher und näher kam. Bis nach Neujahr stand der Christbaum im Zimmer. Als die Nadeln aber mehr und mehr zu Boden fielen, wurde er seines Schmuckes entkleidet, Glaskugeln und son⸗ stiger Schmuck wurden weggepackt, und der Baum kam in den Holzschuppen. Das war immer eine trübselige Stimmung, wenn die Weihnachtsfreude auf diese Weise zu Ende ging und das harte Gebot der Pflicht uns wieder dazu veranlaßte, durch den frosthellen Tag, beim Schein der rotglühenden Winter⸗ sonne oder im Schneegestöber von der Hei⸗ mat wegzugehen. A. L.
Kleine Mitteilungen.
Unsere Weihnachtsgottesdienste, ebenso auch die Feiern der Kinderkirchen, waren stark besucht. Musikalische und gesangliche Darbietungen halfen diese Gottesdienste aus⸗ gestalten. Am 2. Weihnachtstage wurde in der Stadtkirche ein liturg. Gottesdienst veran⸗ staltet, bei dem der Kirchengesangverein unter Leitung des Herrn Prof. Trautmann und die Knabenchorschule unter der Leitung des Herrn Organisten Görlach mitwirkten; Fräu⸗ lein Ida Stammler und Frau Diehl wirkten als Solisten mit. Im Gottesdienst, der am heiligen Abend in der Johanneskirche statt⸗ fand, trug die Mädchenchorschule unter Lei⸗ tung des Herrn Organisten Habicht reizende Weihnachtslieder, darunter das Lied„Joseph, lieber Joseph mein, hilf mir wiegen mein
Kindelein“, vor. Fräulein Ida Stammler sang mit wohltönender Altstimme zur Orgel die Lieder„Schlaf wohl, du Herzensknabe“ und„Christkindlein kommt in jedem Jahr“, Wenn man in früheren Jahrhunderten bei der Feier des Christabends gern Hirten⸗ musik, Flöte, Schalmei oder Zither, erklingen ließ, so entsprach es dieser alten Gewohn⸗ heit, wenn Herr Heinrich Wigger unter der Violinbegleitung eines Quintetts auf seiner Harfe in formvollendeter Weise Weihnachts⸗ melodien zum Vortrag brachte.
Unsere Gemeindeglieder werden es dankbar begrüßen, daß Fräulein Stammler sich bereit erklärt hat, auch im Silvestergottesdienst der Johanneskirche mitzuwirken. Sie wird aus Mendelssohns„Elias“ singen:„Sei stille dem Herrn und warte auf ihn“ und das Lied Mörikes„Herr, schicke, was du willst“ in der Vertonung Hugo Wolfs vor⸗ tragen. g
Mirchliche Anzeigen. Samstag, den 31. Dezember. Silvester. In der Stadtkirche. Abends 8 Uhr: Prof.
D. Schian.
In der Johanneskirche. Abends 8 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer.
Sonntag, den 1. Januar. Neujahrstag.
Kollekte für die Ortsarmen.
In der Stadtkirche. Vormittags 9 Uhr: Pfarrer Becker.— Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde: Pfr. Becker.— Abends 5 Uhr; Pfarrassistent Becker.— Dienstag, den 3. Januar, abends 8 Uhr: Helferversammlung der Männer⸗ u. Frauenvereinigung der Matthäusgemeinde.
In der Johanneskirche. Vorm. 9½ Uhr:
Pfarrassistent Müller.— Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Johannes⸗ gemeinde: Pfarrer Ausfeld.— Abends
5 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer.— Abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Johannesgemeinde. — Donnerstag, 5. Januar, abends 8 Uhr: Kirchliche Vereinigung der Johannes⸗ gemeinde; Vortrag von Medizinalrat Dr. Walger über:„Die wahre Menschheit Jesu“— Freitag, den 6. Januar, abends 57 Uhr: Vereinigung der konfirmierten Mädchen der Johannesgemeinde.
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Wartburg verein. Sonntag 1. Januar, abends 8ʃ¼ Uhr, im Heim: Vortrag(Pfarrassistent Müller).
Evang. Arbeiterverein. Sonntag, 8. Januar, abends 8/ Uhr, im Vereinslokal: Lichtbildervortrag(Prof. Koob) über die Sternenwelt.
Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der
bestellte Käse eingetroffen und, das Pfund zu 1 Mk., bei Herrn Loh zu haben ist.
Verantworflich: Pfarrer Bechfolshesmer Prück und Verlag der Brüßhl'schen Unsversssäts· Buch ⸗ und Steindruchere R. Lange, Gießen
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