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der Staatssteuer ist die Regel, manche leisten 400500 v. H. g Aber auch die mitarbeitenden Menschen werden selten: alle deutschen Beamten sind abgesetzt und ausgewandert, ebenso neun
Zehntel der deutschen Lehrer. Die deutschen
Geschäftsleute können sich nicht halten, viele Bauern verkaufen ihren Hof, weil ihre Söhne ausgewandert sind, um nicht im polnischen Heere zu dienen. Alle nach 1908 zugezoge⸗ nen Ansiedler werden enteignet und dürsen keinen neuen Grundbesitz erwerben Weithin sind Aerzte und Hebammen verschwunden; auch die Groß⸗Grundbesitzer werden der ihnen gemachten Schwierigkeiten überdrüssig und wandern aus. Viele Pastoren verlassen das Land, weil sie ihren Kindern hier keine gute Schulerziehung mehr geben können. Infolgedessen gehen viele deutsche Volks⸗ schulen ein, denn für weniger als 40 Kin⸗ der wird keine gestattet, und den noch be⸗ stehenden fehlen meistens deutsche Lehrer; wo nicht der Pastor einspringen kann, unter⸗ richtet ein galizischer Lehrer oder eine eilig ausgebildete Hilfskraft; auch das treibt viele Familien fort. N
So schwinden die evangelischen Kirchen⸗ gemeinden dahin und müssen vielfach zu⸗ sammengelegt werden, obgleich dadurch Pfarrsprengel von vielen Quadratmeilen ent⸗ stehen. Von 65 000 Evangelischen in der Stadt Posen sind noch 10 000 übrig, die sich weiter vermindern. Sollen sie nun einige von ihren 6 schönen Kirchen an die Polen
verkaufen? Das evangelische Konsistorium
hat ungeheure Schwierigkeiten durch die Er⸗ weiterung seines Amtsbereiches auf die pol⸗ nisch gewordenen Teile von Ostpreußen, Westpreußen und Mittelschlesien bei gleich⸗ zeitiger Abwanderung sehr vieler seiner Be⸗ amten. Der polnische Staat verlangt völlige Trennung von der preußischen Landeskirche und Regierung der evangelischen Kirche durch die katholischen Staatsbehörden. Dagegen die Evangelischen fordern kirchliche Selbst⸗ regierung und Zusammenhang mit dem gei⸗ stigen Leben und den Verwaltungseinrich⸗ tungen der preußischen Mutterkirche, den
Versorgungskassen, der preußischen General⸗
synode und den deutschen Universitäten.
Einen Eindruck von dem Verfahren der polnischen Behörden gibt die Auflösung der städtischen Mädchen⸗Mittelschule in Brom⸗ berg. Die lebenslänglich angestellten Lehrer erhielten in den Tagen vom 1.— 3. Oktober die schriftliche Nachricht, daß die Schule am 1. Oktober zu bestehen aufhöre und der Leh—⸗ rer aus dem Schuldienste entlassen sei; die Stadtverordnetensitzung, welche über die Frage der Auflösung der Schulen beschließen sollte, stand aber erst bevor. Augenblicklich sind 1380 deutsche Schulkinder in Brom- berg des Schulunterrichtes beraubt, da fünf jöhere Schulen geschlossen worden sind: yzeum, Oberlyzeum, Oberrealschule, Kna⸗ ben⸗ und Mädchen⸗Mittelschulen. Die deut⸗
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sche Bevölkerung von Bromberg ist von 82 auf 32 Prozent zurückgegangen.
Am 11. Oktober d. J. war das Prediger⸗ seminar in Posen eröffnet und zur Ein⸗ weihung auch die Staatsbehörde eingeladen worden. Am 16. Oktober verfügte der Woj⸗ wode von Posen die Schließung des Semi⸗ nars binnen drei Tagen auf Grund des preußischen Gesetzes vom 11. Mai 1873, obgleich gerade dessen hier in Betracht kom⸗ menden Bestimmungen durch Gesetz vom 21. Mai 1866 aufgehoben worden sind. Erst persönliche Vorstellungen des Konsistoriums im Ministerium erreichten Aufhebung der Schließungsverfügung.
Auch in kleineren Dingen widerfährt der evangelischen Kirche viel Ungerechtigkeit, z. B. genießen die polnischen katholischen Schwestern Ermäßigung der Eisenbahnpreise, die evan⸗ gelischen nicht. Die Bestimmung des Kirchen⸗ rechts, daß Mischehen, die nicht in der katholischen Kirche geschlossen sind, als Kon⸗ kubinate und die Kinder als unehelich an⸗ gesehen werden, wird strenge gehandhabt; schon viele evangelische Frauen haben ihren Pfarrern erklärt, sie müßten katholisch wer⸗ den, sonst würden ihre Männer aus ihren Stellungen entlassen. Das ist ganz im Sinne des polnischen Staates, denn katholisch wer den heißt, wie auch der einfachste Mann, ja jedes Kind aus jenen Gegenden weiß, polnisch werden.
Gedanken der Stille.
Wir haben mit dem Totensonntag die letzte Woche begonnen und der Ernst dieses Tages des einzigen im ganzen Jahre, der dem An— denken der Vorangegangenen geweiht ist,
gtterk noch in vielen unter uns nach. Es
sind wohl nur sehr wenige, die nicht derer dachten, die ein Stück Weges mit ihnen wan⸗ derten und die nun ausruhen von Erden⸗ weh, oder derer, die wir nicht kannten, die aber für uns und unser Vaterland einst ihr
Wertvollstes, ihr Leben, hingaben. Auch,
ihnen gebührt ein treues Gedenken zugleich
mit einer Dankesschuld, die wir ihnen nie abzutragen vermögen.
Bei solchen Erinnerungen suche ich gern nach Trostesworten für alle die Trauernden, deren Herz schweres Leid erfuhr. Wir alle, die wir das Land kennen, wissen, daß es der Zeit und innerer Stille bedarf, damit die Wunden sich schließen. Da war mir oft das Wort des Propheten Jesaia ein rechter Trost: Saget den verzagten Herzen: seid ge trost und fürchtet euch nicht! Und das möchte ich allen zurufen, die ihre tränenden Augen nicht zu erheben vermögen. Unser Trost kommt von dem, der für uns auf Erden kam, der die Erdenschwere auf sich nahm, um sie uns tragen zu helfen, und der wie kein anderer zu trösten verstand.
So wollen wir, nun das schwere trübe Jahr sich neigt, dem Kommen des Sterns
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