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Zeit trat Hans Holwegk wieder in den Stand der Ehe. Daß er zweimal verheiratet war, geht auch aus dem Sterbeprotokoll hervor; denn als er am 9, Juni 1645 zu Grabe getragen wurde, wurde in das Sterbe⸗ protokoll eingetragen:„Johannes Holweg 76 jar vixit in altero matrimonio“, d. h. er lebte in zweiter Ehe.
In unserem Traubuche vom Jahre 1598 heißt es:„Johannes Holwegk Burger alhier undt Catharina seligen Henrichen Burks verlassene(= hinterlassene) Tochter alhier den 29. Januarii aufgeruffen.“ Es ist an⸗ zunehmen, daß die Eheschließung an dem⸗ selben Tage stattfand. Diesem Paare wurde am 25. Januar 1601 ein Sohn getauft, der den Namen Hermann erhielt. Beide, der Vater Johannes Holwegk und der Sohn, Hermann Holwegk, sind, wie wir hier schon im voraus angeben wollen, die direkten Vorfahren des Reichskanzlers von Beth⸗ mann Hollweg. Die Notizen, die wir hier über Johannes und Herma ein Holwegk brin⸗ gen, haben wir unseren Kirchenbüchern ent⸗ nommen, über Hermann Holwegk hal uns Herr Professor D. Dr. Diehl in Friedberg
schäzenswerte Angaben übermittelt. Das,
was wir weiter aus der Ahnenreihe dieser Familie mitteilten, gründet sich vollständig auf die Forschungen des Herrn Amts⸗ richters Dr. Majer⸗Leonhard in Frankfurt a. M., des Herausgebers der hochinter⸗ essanten„Mitteilungen der Genealogischen Gesellschaft zu Frankfurt am Main“.— Beiden Herren schuldet der Verfasser dieses Artikels für freundliche Auskunft Dank.
Wie der Reichskanzler von Bethmann Hollweg selbst der Frankfurter Genealogi⸗ schen Gesellschaft mitgeteilt hat, so war sein Ahnherr Johannes Hollweg Schuh⸗ machermeister in Gießen. Dessen Sohn Her⸗ mann studierte Theologie, war von 1622 bis 1624 Konrektor in Butzbach, von 1684 bis 1635 Pfarrer in Holzheim, von 1635 dis 1640 Pfarrer in Butzbach, er starb da⸗ selbst am 21. Juni 1640. Verheiratet war er mit Katharina Dickhaut, Tochter des Ratsherrn und ältesten Schöffen Dietrich Dickhaut zu Butzbach.
Auf Grund der Ermittlungen der ge⸗ nannten Forscher veröffentlichen wir hier folgende fortlaufende Ahnenreihe:
1. Johannes Hollweg, Schuhmacher⸗ meister in Gießen, geboren 1569, beerdigt 9. Juni 1645.
2. Hermann Hollweg, Pfarrer in Butz⸗ bach, 16011640.
3. Johann Valentin Hollweg, Pfarrer in Nauheim bei Limburg, geboren 1. Apri 1628, gestorben 1677.
4. Georg Philipp Hartmuth Hollweg, Ge⸗ richtsprokurator in Frankfurt a M., ge⸗ storben 14. April 1720.
5. Johann Abraham Hollweg, Handels⸗ mann in Frankfurt a. M., 1698 bis 1762.
6. Johann Jakob Hollweg, 1748 bis 1808. Dieser vermählte sich mit der einer nassauischen Beamtenfamilie entstammenden Susanna Elisabetha Bethmann, er wurde Teilhaber des Frankfurter Bankhauses Ge⸗ brüder Bethmann und fügte seinem Namen den seiner Ehefrau hinzu, so daß die Fa⸗ milie sich von nun an Bethmann Hollweg nannte.
7. Moritz August von Bethmann Hollweg. preußischer Minister, 1795 bis 1879. Der Adel wurde ihm von dem Könige von i verliehen, und zwar der erbliche
8. Felix Karl Moritz von Bethmann 1800 Wirklicher Geheimerat, 1824 bis
9. Theobald Theodor Friedrich Alfred 78 8 Hollweg, Reichskanzler, 1856 18 5
10. Der älteste Sohn des Reichskanzlers ist auf dem östlichen Kriegsschauplatz ge⸗ fallen, eine Tochter ist mit dem Grafen Zech vermählt, außerdem lebt noch ein jüngerer Sohn.
Die Geschichte dieser Familie ist typisch für den Aufstieg einer deutschen Familie. Der erste nachweisbare Ahne ist ein Hand⸗ werksmeister. Dessen Sohn wendet sich dem Studium der Theologie zu und wird hessi⸗ scher Pfarrer. Das war schon in alter Zeit vielfach so, wie auch Gustav Freytag nach⸗ gewiesen hat, daß deutsche Familien zu⸗ nächst in der Art aufstiegen, daß die Hand⸗ werkersöhne Pfarrer oder Lehrer an den Lateinschulen wurden. Johann Valentin Hollweg ergriff den Beruf des Vaters, sein Sohn Georg Philipp Hartmuth dagegen wurde Jurist. Daß Pfarrerssöhne Juristen oder Universitätsprofessoren wurden, kommt in alter Zeit gleichfalls oft vor. Pfarrer und Beamten können durch ihre Berufs⸗ arbeit kein Vermögen erwerben, sie müssen zufrieden sein wenn sie sich mit ihrer Fa⸗ milie auf anständige Art durchbringen. An⸗ scheinend hat das Vermögen der Familie Hollweg bis zu dem Frankfurter Gerichts⸗ prokurator gefehlt; indem sich aber dessen Sohn Johann Abraham dem Ha delsstande widmete und ein Handelsmann wurde, strömte anscheinend das Geld ein. Wir be⸗ merken hier, daß die Bezeichnung„Han⸗ delsmann“, unter der wir heute mehr einen Häuserhändler verstehen, in alter Zeit einen Großkaufmann bedeutete, der Klein⸗ kaufmann wurde Krämer genannt. Nach⸗ dem in dieser Familie Geld war, konnten
f sich ihre Glieder auch der höheren Be⸗
amtenlaufbahn widmen und zu den höchsten Stellen im Reiche gelangen. Der Weg der Familie Hollweg ging also von der Gießener Schuhmacherwerkstatt, in der der Ahnherr neben der Glaskugel saß und für seine Mit⸗ bürger Schuhe machte, bis zum Reichs⸗ kanzlerpalast in der Wilhelmstraße zu


