Isenburg stationierten österreichischen Ka- vallerieregiments statt. Sie wurde vom Ortsvorstand abgelehnt und darauf von dem Regimentsobersten alsbald eine Esladron als Exekution in den Ort eingelegt. Ich wurde nun darum angegangen, diese Exekution ab⸗ zuwehren. Dieses hätte ich nun allerdings vermocht bei der Gewißheit, daß mich alle Ortseinwohner im alleräußersten Fall, d. h. wenn der kommandierende Offizier der Exe⸗ kutionsmannschaft sich auf meinen Antrag nicht dazu bestimmen lassen wollte, mit dieser freiwillig den Ort zu verlassen, auf das nachdrücklichste unterstützen würden. In⸗ dessen konnte ich mich nicht dazu entschließen, die Folgen des Verfahrens, wozu ich etwa gedrängt werden könnte, ganz allein auf meine Verantwortung zu übernehmen. Ich bestimmte deshalb den Ortsvorstand dahin, vor allen Dingen eine Deputation nach Darmstadt zur Kriegskommission zu senden mit der Anfrage, ob der Ort verpflichtet sei, der Requisition Folge zu geben oder ob nicht, und in diesem Fall schriftliche Erklärung zu verlangen und sie mir in diesem Fall zu behändigen. Die Deputation ging ab und kehrte nach einigen Stunden zurück mit der Nachricht, daß der Ort nicht schuldig sei, irgend etwas vom Verlangten abzugeben.
„Nun, wo ist die schriftliche Erklärung deshalb?“(Fortsetzung folgt.)
Uleine Mitteilungen.
In deutschen Städten wird zur Zeit der indische Dichter Rabindranath Tagore in einer Weise gefeiert, die sehr zum Wider⸗ spruch reizt. In Berlin sprach der selt⸗ same Mann neulich in einer überfüllten Versammlung. Die„Woche“ hat das im Bilde festgehalten: im langen, morgenlän⸗ dischen Gewande steht der Inder auf einem Rednerpulte und liest ein Manusfkript vor; wie verzückt scheinen die Zuhörer der Offen⸗ barung seiner Weisheit zu lauschen, Auch in Darmstadt hat man einen Tagorekult ge⸗ trieben, der, um einen volkstümlichen Aus⸗ druck zu gebrauchen, über die Hutschnur geht. Tagelang vorher hat man in geheimnis⸗ vollen Andeutungen für den Mann aus dem Osten Reklame gemacht. In englischer Sprache hat der Gefeierte Vorträge gehal- ten, die sofort in das Deutsche übertragen wurden. An einem Sonntagmorgen war eine Hauptveranstaltung, ob sie in die Zeit des Gottesdienstes fiel, wissen wir nicht. Aber bedauerlich ist, daß man dort so un⸗ deutsch empfindet, daß man in dieser Zeit Vorträge in englischer Sprache halten läßt und daß man in einer Zeit der tiefen Er⸗ niedrigung einen Fremdling zu Wort kom⸗ men läßt, der seiner ganzen Art nach dem deutschen Wesen und der deutschen Not ver⸗ ständnislos gegenübersteht. Das Ganze war nichts als eine von wenigen inszenierte Sache, die auf die sich selbst erniedrigende Vergötterung des Auslandes aufgebaut war.
ö ö 0
104
Man sollte nicht glauben, daß das bei einem, Volke möglich wäre, das einen Luther.
Goethe, Schiller, Kant, Fichte und Bismarck
aufzuweisen hat. Aus dieser Stimmung her⸗ aus ist das Gedicht entstanden, das wir in dieser Nummer veröffentlichen.
Rabindranath Tagore. Ist denn ein Gott zu euch herabgestiegen, sund blenden euch des Urlichts heilge Strahlen, verheißend euch das Ende eurer Qualen, euch zwingend, in dem Staub vor ihm zu liegen? Vor Menschen sich erniedrigen, heißt kriechen. Ihr kriechet vor dem Inder aus Bengalen, küßt hündisch ihm die Hände und Sandalen, daß Würde euch und Ehre ganz versiegen. Als größten Dichter, Weisen und Propheten preist ihr den Mann, dem fremd ist euer Wesen, aus seinen Mienen wähnt ihr mehr zu lesen als aus den deutschen Weisen und Poeten.
Ausländerei kann Deutschland niemals from⸗ men, Geist nur kommen.
Darmstadt, den 17. Juni 1921. Karl Esselborn.
Kirchliche Anzeigen.
Erlösung kann aus deutschem
Sonntag, den 26. Juni, 5. nach Trinitatis.
Kollekte für die evangelischen Gemeinden im Osten. 5
In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Matthäusgemeinde: Pfarrer Mahr.— Vormittags 9½ Uhr: Pfarrassi⸗ stent Ramge.— Vorm. 11 Uhr: Kinder⸗ kirche für die Markusgemeinde: Pfarrassi⸗ stent Ramge.
In der Johanneskirche. Vorm. 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Lukasgemeinde: Pfarrer Bech⸗
tolsheimer.— Vormittags 9½ Uhr; Pfar⸗
rer Ausfeld.— Vormittags 11 Uhr: Kinder⸗ kirche für die Johannesgemeinde: Pfarrer Ausfeld. N * Evang. Arbeiterverein.
Sonntag, den 26. Juni: Spaziergang nach Annerod. Abmarsch 2 Uhr Ecke Licher Str. und Schiffenberger Weg.
Wartburg⸗Verein. a
Sonntag, den 26. Juni: Für die Mit⸗ glieder der älteren und jüngeren Männer⸗ abteilung, die an den Reichsjugendkämpfen nicht teilnehmen, Früh wanderung mit Waldandacht an der„Dicken Eiche“ (Pfarrer Becker). Abmarsch 6 Uhr von der Lahnbrücke. Rückkehr der I. Abteilung mit⸗ tags 2½ Uhr, der II. Abteilung gegen 6 Uhr. Abends 8 Uhr im Heim: Vortrag.
S. Beilage. f
Verantwortlich; Pfarrer Bechtolshesmer Pruck und Verlag der Brühl'schen Unsversstäts⸗Buch⸗ und Steindruchen e R. Lange,
Gießen.


