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Schwamm und Kamm ihres Amtes. Der neue Schulanzug wurde zum soundsovielten Male bewundert und auch nicht vergessen, zu wiederholen, daß die neuen Stiefel dies⸗ mal mit Nägeln beschlagen wären; denn dann klapperten sie auf dem Pflaster und im Winter konnte man damit Kritze in das Eis machen. Diese Feststellungen er⸗ höhten das Selbstbewußtsein und den Stolz. Dazu der Ranzen! So kam denn die Stunde des Abrückens heran. Die Mutter gab ihrem Kleinen einen zärtlichen Abschiedskuß, und, geführt von einem der älteren Geschwister,
trat der Bub mit doch etwas gemischten Ge⸗
fühlen den Gang nach der Schule, als einem Etwas an, über dessen Notwendigkeit und Existenzberechtigung er sich noch lange nicht im klaren war. Bei einigen ließen es sich die Mütter nicht nehmen, ihren Kleinen selbst abzuliefern und da, wo dieser im letzten Augenblick noch bockbeinig wurde, mußte die Autorität des Vaters das entscheidende Wort sprechen. Auf dem Wege durch die Straßen tauchten noch andere, meist Spielkameraden, auf, die dem gleichen Ziele zusteuerten, und
so gelangte man schließlich in die Hinter⸗
findet, auf der linken Schmal⸗ und der rück⸗ wärtigen Längsseite sein Licht erhielt. Die beiden andern Seiten hatten keine Fenster. Nur die Tür befand sich am linken Ende der Längsseite. Durch die Fenster links konnte man in das kleine Schulhöfchen und in den Hof der Frau Meier Stein blicken. Das eine der in der hinteren Wand angebrachten Fenster gestattete die Aussicht auf aller⸗ hand alte Stall- und sonstige Wände, wäh⸗ rend das andere durch den angebauten Holz- schuppen zur Hälfte verdeckt wurde. Man konnte auf desselben nicht nur gucken, sondern auch klettern, wie wir später sehen werden. Die Ausstattung des Zimmers bestand aus ge⸗ wöhnlichen vierbeinigen Tischen und Bän⸗ ken, die in Hufeisenform an den beiden
erwähnten Fensterseiten und der rechten
Wand entlang standen. Diejenigen, welche an den Wänden saßen, genossen die Vorteile, sich mit dem Rücken an diese lehnen und den Lehrer im Auge behalten zu können. Ferner hatten sie Deckung hinter ihren ihnen gegenübersitzenden Kameraden und schließlich den sehr in die Wagschale fallenden
gasse und trat in den alten Schulhausbau Vorzug, daß der Lehrer nicht so ohne wei⸗
ein, empfangen von dem Herrn Lehrer, der teres an sie heran konnte.
Diesen Wand⸗
heute sein wohlwollendes Gesicht aufgesetzt plätzen haftete aber der Nachteil an, daß sie
hatte und Eine Empfangsbescheinigung brauchte nicht ausgestellt zu werden; denn schon nach einer halben Stunde erhielt der solange auf der Straße wartende Bringer den Kleinen un⸗ versehrt zurück.
Herr Franz war ein Freund meines Va⸗ ters und mir daher gut bekannt. Er nahm mich an der Hand und führte mich mit freundlichen Worten die steile, schmale Treppe hinauf. Diese war auf der einen Seite von der linksseitigen Lehmwand des Hauses, auf der anderen von aus zwei gehobelten, durch das häufige Anfassen glatt⸗ polierten, das Geländer markierenden Latten abgeschlossen. Vor uns stiegen einige Buben, auch ältere, empor, und hinter uns kam die Schwester des Herrn Franz, von uns Buben „Fräulein Julchen“ genannt, mit anderen Neulingen. Der Eingang des Schulzimmers befand sich dem oberen Ende der Treppe gerade gegenüber. Nur ein etwa 1 Quadrat⸗ meter großer Platz lag zwischen dieser und der fußhohen Schwelle, über die wir nun hinwegstiegen und in die Schulstube ge⸗ langten. Es scheint mir, wie wenn diese hohe Schwelle mit Vorbedacht angebracht worden wäre. Sie diente wohl, wenn sich in den Pausen und bei Schulschluß der Strom der Jungen im Drang nach Luft und Freiheit mit Ungestüm durch die Türe zwängte, als Hemmschuh, welcher einen Ab⸗ sturz die Treppe hinab verhinderte.
Das Schulzimmer war ein etwa 57 Me⸗ ter großer, 2½ Meter hoher, nach hinten belegener Raum, welcher durch kleine Fen⸗ ster, wie man sie jetzt noch bei alten Bauten
die Freundlichkeit selber wax. im Winter einen kalten Rücken verursachten.
Außerdem mußten ihr: Inhaber, um zu ihnen zu gelangen, unter dem Tisch her⸗ schlüpfen, denn das Uebersteigen war nur erlaubt, wenn es der Lehrer nicht sah, z. B. in der Frühstücks- und Vesperpause. Aber diese Uebelstände nahm man gerne in den Kauf. Als Idealplätze galten die Rückplätze in den beiden Ecken zwischen Längs⸗ und Schmalseiten; denn die lagen vom Lehrer am weitesten entfernt und waren von ihm schwer erreichbar. Da mußte schon, wenn einmal eine Auffrischung des pädagogischen Ansehens bei einem Eckschüler demonstriert werden sollte, vorn Platz gemacht werden. Um den Eindruck der damit verbundenen Störung und den Zeitverlust möglichst zu verwischen, fielen diese Sonderunterhaltun⸗ gen zwischen Spender und Empfänger in der Regel recht schwungvoll, gediegen und nicht zu knapp aus. Ich erwähne all diese Einzelheiten, damit sich der Schüler des 20. Jahrhunderts einen Begriff davon machen kann, wie es vor 60 Jahren um die Treibhäuser bestellt war, in welchen die jungen Menschenpflänzlein den verschiedenen Methoden der Veredelung unterzogen und ihnen die Vorbedingungen für eine spätere gedeihliche Entwicklung aufgepfropft wur⸗ den. Einen eingehenden Vergleich zwischen den damaligen Privatschulen und den heuti⸗ gen palastartigen behördlichen Unterrichts⸗ anstalten anzustellen, verbietet die Pietät. Denn trotz aller Mängel, welche den alten Schulinstituten anhafteten, knüpfen sich an die ersten Schuljahre meine schönsten Ju⸗
genderinnerungen, und es beschleicht meine
das schräg vorbeiziehende Dach


