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* Gefolge vieler leerer Bauernwagen in den Ort. Die Mannschaft zerstreute sich als— bald in die Mehrzahl der Scheunen und Fruchtböden, um darin befindliches Heu, Stroh, auch noch unausgedroschenes Hafer— stroh wegzunehmen und auf die mitgebrach— ten Wagen aufzuladen. Dies alles war schon allgemein ins Werk gesetzt worden, ehe ich etwas davon gewahr wurde. Die Straße von Philippseich zog an meiner Wohnung vorüber in den Ort. Die Truppen aber waren von der entgegengesetzten Seite her in den Ort gerückt. Ich vernahm endlich argen Lärm darin, sprang nach dem Innern vor, und nun kamen Leute auf mich zu gerannt, um mir zu sagen, daß die Russen mit allgemeiner gewaltsamer Fouragierung fast schon überall begonnen hätten. Ich suchte zunächst nach dem die Truppen kom⸗ mandierenden Offizier. Vorerst vergeblich. Endlich traf ich einen Offizier auf der Straße. Ich protestierte bei ihm aufs ernst— lichste gegen die unternommene Fouragie—⸗ rung und besonders wegen der Weise, wie solche eingeleitet worden, was nur
Art und
bewachen, rannte nach dem hochgelegenen Haferboden, zu dem man nur auf einer sehr schmalen Treppe gelangen konnte, die kaum Raum gab für einen Mann mit dem gefüll— Sack auf der Schulter. Ich traf auf jeder Staffel einen Russen stehend, drängte mich neben ihm hinauf bis zum obersten, faßte diesen an der Brust und stürzte ihn gegen die Treppe hinab, so daß alle Unterstehenden wie Kartenblätter aufeinander purzelten. Mit Fußtritten half ich nach, und in wenigen Augenblicken war der Zehnthof von allen Russen geräumt. Ich ließ alles bestmöglich versperren und von einigen Männern des Orts bewachen. Mein Verhalten war wohl nicht ganz ohne alle persönliche Gefahr für mich. In einen grauen Radkragen gehüllt, mit einfacher Tuchkappe bedeckt, ohne irgend⸗ ein Abzeichen zum Erkennen für den Sol⸗ daten, war ich aufgetreten. Ich achtete aber auf persönliche Gefahr gar nicht und er— kannte, daß es gegen den Russen nur eines entschlossenen Faustschlags oder Fußtritts bedurfte, um sich Respekt zu erwirken. Gleich nach dem Erzählten fand ich den
heillose Unordnungen zur Folge haben könne. kommandierenden Offizier mitten im Ort. Ich beschwor ihn, dieser Unordnung zu Ich erkannte in ihm den schon früher er⸗ steuern, und verlangte Nachweisung dar⸗ wähnten Rittmeister und Adjutanten des
über, wodurch der Trupp überhaupt berech⸗
tigt worden sei, eine Fouragierung im Ort zu unternehmen Er erklärte, daß er das Kommando nicht habe und irgendeine Nach— weisung gar nicht geben könne.
„Wo ist der Kommandierende?“
„Wo er sich im Augenblick befinden mag, das kann ich nicht sagen.“
Bevor ich weiter schritt, kamen auf den Offizier und mich aus einer Seitenstraße einige Weiber heulend herangerannt und schrien, die Russen hätten bei ihnen Kisten und Kasten erbrochen und seien mit deren Ausplünderung begriffen.
„Nun, mein Herr Offizier, alsogleich zur Hilfe!“ Ich faßte ihn ohne alle Umstände am Arm, doch folgte er willig und hatte Ge⸗ legenheit, seine Leute über der Plünderung zu ertappen. Diese wurden nun mit Fäusten
und Tritten augenblicklich vertrieben, und ich wiederholte dem Offizier aufs dringendste
meine Bitte, seine Leute aus Scheunen und Häusern, wo er sie finde, aufs ernstlichste zu vertreiben, da ich nicht zu verbürgen ver⸗ möge, welche Folge weitere Plünderungen haben könnten. Als ich weiterschritt, um den Kommandierenden aufzusuchen, ward mir
die Nachricht, daß die Kürassiere die unter
meiner Obhut stehenden fiskalischen Scheu— nen und den Haferboden gewaltsam erbrochen und mit dem Ausräumen des Inhalts be— gonnen hätten. Augenblicklich war ich an Ort und Stelle und erkannte, daß die Russen schon Heu und Hafer genommen, geladen auf einen Wagen, womit sie aus dem Ort hin—
auseilten. Ich ließ das Tor zum Zehnthof, woran die Schlösser zerbrochen waren, ver⸗ sperren und durch einige Männer des Ortes
Generals Arsenief. Ich erklärte ihm meinen Protest gegen die eingetretene Fouragierung im Ort, besonders gegen die Art, wie sie eingeleitet worden, und forderte Nach wei— sung über seine Berechtigung hierzu. Er zeigte mir ein Schreiben vor, das von dem russischen Armeegeneralintendanten Herrn von Cancrin, einem Hessen von Geburt und nachmaligem Finanzminister in Ruß— land ausgestellt und unterschrieben war und dahin lautete, daß das Kürassierregiment Großfürst Konstantin ermächtigt werde, sich mit Zuziehung der betreffenden Bezirks⸗ beamten die benötigte Fourage in der Um⸗ gegend zu verschaffen mit Ausnahme jedoch der Orte, die zum Departement Aschaffen- burg gehörten oder auf der Etappenstraße lagen. Ich erwiderte darauf:„Die Foura⸗ gierung soll geschehen unter Zuziehung der Bezirksbeamten; der unsrige wohnt zwei Stunden entfernt zu Mörfelden. Erlauben Sie, von der Urkunde Abschrift zu nehmen und diese dem Beamten aufs eiligste durch einen Landdragoner zuzusenden mit der drin- genden Aufforderung, sich unverweilt hier— her zu verfügen.“
Dieses wurde augenblicklich zugestanden, und ich ersuchte einen der gegenwärtigen Schullehrer, die Abschrift so schnell wie mög— lich anzufertigen, flüsterte ihm aber zu, so— gleich zwei Abschriften zu machen und dem nächst eine davon mir zuzustellen. Das ge—
*) Graf Georg Cancrin, geboren am 8. Dezember 1774 in Hanau, seit 1794 in russischen Diensten, 1823 Finanzminister, gestorben am 21. September 1845 in Paw losk bei Petersburg.


