1
7
bildet und führten unter Geschrei und Spek⸗ takel einen Tanz auf, daß der Meister schließlich sagte:„Geht nach Hause, ihr Leute, ihr könnt heute blaumachen, ich sehe, daß mit euch doch nichts anzufangen ist.“ Ich wollte an diesem Tage weiterarbeiten, da hättet ihr einmal die Reden hören sollen, die mir entgegenflogen:„Dickkopf, alter Leimsieder, Brummelbär, willst du uns den Karneval verderben?“ Und sie hüpften um mich herum und machten einen Höllenlärm, daß ich meine grüne Schürze auszog und die Werkstatt verließ.
Im Jahre 1856 war jedoch so viel zu tun, daß wir am Vormittag des Rosenmontages
so nennen die Mainzer den Fastnachts— montag— arbeiteten, wenn die Gesellen auch schimpften und knurrten. Als mir am' Nachmittag die Zeit lang wurde, ging ich ein wenig auf die Straße. Hei! was war das für ein Hin- und Herrennen! Durch die Straßen der Altstadt, in der Nähe des Domes konnte man kaum hindurch. Von
allen Seiten schoben sich die Menschen—
mengen einander entgegen. Das Wetter war ungewöhnlich milde, beinahe frühlings— mäßig, so daß die ganze Stadt auf den Beinen war. Alle paar Schritte stieß man auf eine Maskengruppe. Die einen hatten
sich als Handwerksburschen verkleidet, tru⸗
gen Felleisen und dicke Knotenstöcke, die anderen zogen als Fuhrleute im blauen Kittel und in weißen Gamaschen umher und knallten mit den Peitschen. Junge Männer von riesiger Größe hatten Frauen
tracht angelegt, trugen lange, gelbe Locken
und hatten bunte Sonnenschirme aufge— spannt. Die Fenster der Wirtshäuser stan⸗ den offen, die drinnen saßen, riefen den draußen Vorübergehenden zu und hielten ihnen die vollen Gläser entgegen.
Ich kam an die preußische Hauptwache. Mit geschultertem Gewehr marschierte der Posten vor den an die Stützen gelehnten Gewehren auf und ab, mitten im tobenden Lärmen und sinnlosen Treiben ein schlichtes Bild der Treue und der Pflicht. Ich ließ mich von der Menschenmenge über das Höfchen, die Schöfferstraße und den Bischofs⸗ platz fortschieben und befand mich auf ein⸗ mal im Weihergarten. Dort herrschte vor einer Wirtschaft großer Tumult. Gerade war ein Trupp junger Leute, die Masken⸗ lostüme, aber keine Larven trugen, heraus- gekommen und hatten um ein junges Mäd⸗ chen, das eilig vorübergehen wollte, eine Kette gebildet. Das Mädchen war äußerst erschrocken, als es sich auf einmal inmitten dieser wilden Burschen befand, Scham und Verlegenheit waren an seinem Gesichte deut⸗ lich wahrzunehmen. Das machte auf die Karnevalsbrüder, die ihr Treiben für äußerst witzig ansahen, keinen Eindruck. Sie tanzten um das Mädchen herum, brüllten und johl⸗ ten, redeten es unaufhörlich„schönes Fräu— lein“ an, und ein kleiner Dicker unter ihnen,
e
der offenbar der frechste war, fuhr dem Mädchen mit einer Pfauenfeder in das Ge⸗ sicht. Das konnte ich nicht mitansehen, ich drängte mich in die Gruppe hinein und rief:„Laßt das Mädchen in Ruhe!“ Natür⸗ lich wurde die Gesellschaft gegen mich un⸗ gemein frech. Der kleine Dicke schlug mir mit der Pritsche heftig auf den Kopf. Da packte mich der Zorn, und mit meiner harten Schreinerfaust versetzte ich ihm eins auf die Nase, daß das Blut floß. Nun fiel die ganze Gesellschaft über mich her. Ich bin kein Lügner, wie der David aus Württemberg, und es liegt mir fern, euch zu erzählen, daß ich mit meinen Gegnern fertig gewor— den wäre; ich wehrte mich so gut, als ich konnte, aber die Hiebe sausten hageldicht auf mich herab, und es wäre mir schlecht er⸗ gangen, wenn nicht plötzlich eine der preußi⸗ schen Militärpatrouillen aufgetaucht wäre, die in den Karnevalstagen die Stadt durch⸗ zogen, um Schlägereien zwischen Soldaten und Zivilisten zu verhindern. (Fortsetzung folgt.)
Kirchliche Anzeigen. Sonntag den 6. Februar. Estomihi.
In der Stadtkirche. Vormittags 9½ Uhr: Pfarrer Mahr.— Vormittags 11 Uhr: Kin⸗ derkirche für die Matthäusgemeinde: Pfarrer Mahr. Abends 5 Uhr: Pfarrassistent Ramge.— Montag den 7. Februar, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weib⸗ lichen Jugend der Markusgemeinde.— Donnerstag den 10. Februar, abends 8 Uhr: Zusammenkunft des Frauenvereins der Markusgemeinde.
In der Johanneskirche. Vorm. 91½ Uhr. Pfarrassistent Müller.— Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde: Pfarrer Bechtolsheimer. Abends 5 Uhr: Pfarrer Ausfeld.— Abends 8 Uhr: Bibel⸗ besprechung im Johannessaal.: Pfarrer Ausfeld.— Montag den 7. Februar, abends ½8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Lukasgemeinde.— Mittwoch den 9. Februar, abends 6 Uhr: Passionsgottesdienst: Pfarrer Bechtols— heimer.— Freitag den 11. Februar, abends ½6 Uhr: Vereinigung der konfirmierten
Von Sonntag den 13. Februar an be⸗ ginnen die Abendgottesdienste um 6 Uhr. * Evang. Arbeiterverein. Sonntag den 6. Februar: Teilnahme am Familienabend des Evang. Bundes. Montag den 7., abends 8: Vorstandssitzung bei Loh. Samstag den 13, abends 8¼ im Gewerbehaus: Hauptversammlung. Karten zum Volksunterhaltungsabend(27.) in den bekannten Geschäften.
Wartburg ⸗ Verein. Abends 8: Vortrag im Heim.
Verantwortlich: Pfarrer Bechtols heimer. Druck und Verlag der Brühl'ischen Undversttäts-Wucß⸗ und Steindruckerei R. Lange, Gießen.
weiblichen Jugend der Johannesgemeinde.“


